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Mit Höschen und BHs mischen Herzog und Bräuer von Espenhain aus den Markt auf

Bekleidung Mit Höschen und BHs mischen Herzog und Bräuer von Espenhain aus den Markt auf

Als Markthändler mit selbst kreierten Nachthemden und Unterwäsche haben sie begonnen. Heute führen Frank Herzog und Jens Bräuer von Espenhain aus einen deutschlandweit tätigen Wäschefilialisten.

Wäsche für alle: Frank Herzog mit den Mitarbeiterinnen Gabriele Andrae (l.) und Claudia Wilsdorf im Outletstore in Espenhain.

Quelle: André Neumann

Rötha/Espenhain. Für dieses feine Sortiment ist der Ort fast ein bisschen zu trist. In einer Seitenstraße im Industrie- und Gewerbepark Espenhain führen breite Steinstufen hinauf zu einem Saal voller Regale, Tische und Hängeständer, der einmal die Poliklinik des Braunkohlenwerkes war. Unterwäsche vieler bekannten Marken, aller Farben und Größen ist hier zu finden, im Outletstore der Firma Herzog und Bräuer. Gleich nebenan befinden sich ein paar kleine Büroräume. Von hier aus steuern Frank Herzog und Jens Bräuer mit etwa 30 Angestellten rund 110 schicke Wäsche-Filialen vorwiegend in Einkaufszentren in ganz Deutschland.

Seit zehn Jahren ist Herzog und Bräuer in Espenhain ansässig. Zuvor hatte die Firma ihren Sitz in Köhra bei Naunhof. Die Wurzeln liegen freilich noch weiter zurück, in den wilden Jahren von Pioniergeist und Aufbruch nach der politischen Wende in der DDR.

Frank Herzog, damals Mitte 20, hatte in Belgershain im Kuhstall den Beruf eines Zootechnikers gelernt. Später zog es ihn mehr zu den Menschen, und er versuchte als fahrender Markthändler sein Glück. Erst mit Textilien aller Art, bis er bei Unter- und Nachtwäsche einen Bedarf erkannte, den er bedienen wollte. Er importierte BH’s und Nachwäsche aus dem Ausland und ließ sogar unter dem eigenen Label Deluxe in Macao (China) produzieren: Nachthemden aus Batist mit vier Knöpfen und Blumenmuster für reifere Damen. „Das“, sagt Herzog und schmunzelt dabei nur ganz wenig, „war damals nachgefragt.“

Ein paar Jahre später traf Frank Herzog auf den Markthändler Jens Bräuer. Sie standen nebeneinander. Der eine, Herzog, hatte vorwiegend BH’s, die zunehmend zum Hauptsortiment geworden waren, der andere ein breites Wäschesortiment. So begann 1996 die Geschichte von Herzog und Bräuer mit der Eröffnung des ersten Geschäftes im Pösnapark langsame und der Abschied vom fliegenden Handel. Der verlor an Bedeutung, so wie die Zahl der Fachgeschäfte in Einkaufszentren und Innenstädten wuchs.

Die BH’s machen heute rund 80 Prozent des Sortimentes in den Filialen aus. Es gibt sie in allen denkbaren Formen, Farben und Größen. Mit deren Bezeichnung kennen sich die wenigsten Männer wirklich aus. Die Espenhainer Handelskette bietet um die neunzig Größenkombinationen. Und je größer, das weiß Herzog, um so wichtiger sind guter Sitz und Beratung.

Die bieten die mehr als 400 einschlägig geschulte Fachverkäuferinnen in den Filialen zwischen Flensburg und München. Tatsächlich ausschließlich Frauen. Was Herzog ganz einfach erklären kann: Der BH ist das beratungsintensivste Kleidungsstück und Frauensache. Männer wiederum, die ohnehin nur drei Prozent der Kunden ausmachen, brauchen Beratung nur dann, wenn sie Dessous für Frauen kaufen. Und auch dann ist eine Frau natürlich die bessere Beraterin.

Bei allem Sachverstand kommt es natürlich auch auf Mode an. In Espenhain finden die Kunden die preisgesenkten Vorjahreskollektionen. Die aktuellen Sortimente gibt es in den Läden. Um für die den neuesten Chick zu finden, fährt Frank Herzog einmal im Jahr zur weltgrößten Unterwäsche-Messe nach Paris. Immer in Begleitung von Einkäuferin Claudia Wilsdorf, welche die erste Angestellte von Herzog und Bräuer war.

Inmitten von Glamour, Glitzer und schönen Models sind dann die Rollen klar verteilt: Sie ist die Emotia, wie Herzog sagt, sie schaut nach den schönsten Mustern, Farben und Formen. Er dagegen sei der Ratio, der bei aller reizenden Schönheit die Wirtschaftlichkeit und das Geschäft im Blick behält.

Mit diesem Kurs steuert Herzog und Bräuer seit 1996 und seit zehn Jahren in Espenhain erfolgreich durch den Wäschemarkt.

Von André Neumann

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