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Borna Alltag in der Notaufnahme: Bornaer Sanaklinik schickt niemanden weg
Region Borna Alltag in der Notaufnahme: Bornaer Sanaklinik schickt niemanden weg
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00:21 27.02.2018
Die Ärzte in der Notaufnahme entscheiden über die Dringlichkeit der Behandlungen. Quelle: Andreas Döring
Borna

Manchmal geht es ganz schnell: Ein plötzlicher Schwindel, eine heftige Übelkeit oder ein starker Schmerz im Knöchel, weil man auf der Treppe ausgerutscht ist. Im ersten Moment sieht es harmlos aus, aber trotzdem bleiben Zweifel. Handelt es sich vielleicht doch um einen Notfall und ist es angebracht, in die Notaufnahme zu fahren oder gar den Rettungswagen zu rufen?

„Wir Mediziner verstehen unter einem Notfall lebensbedrohliche Zustände“, erklärt Constanze Schwarz, die Leitende Ärztin der Zentralen Notaufnahme am Sana Klinikum Borna. Dazu zählen für Schwarz beispielsweise schwere Verbrennungen, Bewusstlosigkeit, fehlender Puls, schwere Stürze, aber auch ein heftiger Schmerz in der Brustgegend, der auf einen Infarkt hindeuten kann, oder eine halbseitige Lähmung, wie sie für einen Schlaganfall typisch ist.

Unterschiedliches Notfallempfinden

Die leitende Ärztin der Notaufnahme in Borna, Constanze Schwarz. Quelle: Robin Kunz

Neben solchen recht eindeutigen Notfallsituationen gibt es Beschwerden, die zwar nicht lebensbedrohend sind, mit denen der Betroffene aber nicht bis zur nächsten Sprechzeit beim Hausarzt warten möchte. In diesen Fällen helfen unter der bundesweit einheitlichen und kostenlosen Rufnummer 116 117 Haus- und Fachärzte weiter, denn eine sichere Einordnung der eigenen gesundheitlichen Situation ist gerade für medizinische Laien nicht immer einfach. „Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Notfallempfinden“, sagt Notfallmedizinerin Schwarz. „Und selbstverständlich schicken wir niemanden weg, der mit kleinen Blessuren und typischen Erkrankungen wie Erkältungen zu uns kommt, aber wir nehmen dann Kontakt zum Hausarzt auf und verweisen ihn dorthin zurück.“

Manchmal sind es aber auch andere Gründe, die Menschen in die Notaufnahme führen. So kämen Schwarz zufolge viele, die entweder aufgrund ihrer beruflichen Situation keine Zeit haben, unterschiedliche niedergelassene Fachärzte aufzusuchen oder die sie gar nicht erst finden. Der Ärztemangel auf dem Land ist auch in der Notaufnahme des Klinikums Borna deutlich spürbar. Allerdings, so macht Schwarz deutlich, habe die Notaufnahme im Rahmen einer ambulanten Behandlung keinen Zugriff auf alle Ressourcen. Beispielsweise könnten ohne eine stationäre Aufnahme keine Gewebeuntersuchungen und keine Magnetresonanztomographie, abgekürzt MRT, durchgeführt werden.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Wer nicht lebensbedrohlich verletzt und erkrankt ist, aber dennoch nicht bis zur Sprechstunde seines Hausarztes warten will, muss nicht sofort die 112 anrufen oder in die Notaufnahme fahren. Hilfreich kann es bereits sein, den ärztlichen Bereitschaftsdienst anzurufen. Haus- und Fachärzte im Bereitschaftsdienst helfen dann entweder direkt in einer von bundesweit über 600 Bereitschaftsdienstpraxen oder telefonisch unter der Rufnummer 116117.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst versorgt sowohl Kassen- als auch Privatpatienten. Die Telefonnummer 116117 funktioniert ohne Vorwahl und gilt deutschlandweit. Der Anruf ist kostenfrei – egal, ob Patienten über das Festnetz oder mit dem Mobiltelefon anrufen.

Insgesamt werden in der Notaufnahme der Sana Klinik in Borna pro Tag rund 80 bis 120 Patienten behandelt, im Jahr sind es über 35 000. Davon werde circa die Hälfte stationär aufgenommen. Geöffnet ist sie durchgängig rund um die Uhr. Chirurgen und Internisten sind immer vor Ort, bei Bedarf werden Ärzte weiterer Fachrichtungen hinzugezogen. Zwei Mitarbeiter – übrigens ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger – kümmern sich um die Anmeldung und zahlreiche weitere Pflegekräfte um die Versorgung der Patienten. Ein Notfallkoordinator ist zentraler Ansprechpartner für Rettungsdienste, Hausärzte und Krankenhäuser, die Notfallpatienten nach Borna überweisen.

Vielfalt der Klinik auch in der Notaufnahme

Was die Zentrale Notaufnahme laut Constanze Schwarz auszeichne, sei das breite Spektrum der notärztlichen Versorgung. Es reicht unter anderem von der Kindermedizin, Inneren Medizin über das Wirbelsäulenzentrum, der 24-Stunden-Dialyse und der Behandlung akuter Herzinfarkte bis hin zur Neuromedizin. Die breite Vielfalt im gesamten Haus werde auch durch die Notaufnahme abgebildet, so Schwarz.

Mit der Vielfalt steigen auch die Anforderungen an das medizinische und pflegerische Personal. Umso wichtiger ist die Fort- und Weiterbildung. Ab September werden im Klinikum Gesundheits- und KrankenpflegerInnen für die Notfallpflege speziell geschult. Die entsprechenden Vorbereitungen laufen bereits. Ziel der Weiterbildung ist es, die Kompetenzen des Pflegepersonals zu intensivieren. Sie lernen zum Beispiel, innerhalb kürzester Zeit abzuschätzen, welche Behandlung eingeleitet werden muss und wie die weitere Versorgung organisiert werden soll. Davon profitieren in erster Linie die Patienten.

Hilfe auch für die Seele

Was sie alle bereits jetzt in der Notaufnahme erwartet, ist die zertifizierte Ersteinschätzung namens „Manchester Triage“. Die Methodik dient dazu, den Schweregrad der Erkrankung beziehungsweise der Verletzung zu definieren und somit die Dringlichkeit festzulegen. „Kinder mit Verbrennungen werden selbstverständlich eher behandelt als Erwachsene, die sich den Fuß verstaucht haben“, macht Schwarz deutlich. Aber auch wenn nicht alle ihre Patienten Notfälle im engeren Sinne sind, ist es für Schwarz und ihr Team „ein schönes Gefühl, Menschen zu helfen – nicht immer nur für das körperliche Wohlergehen, sondern auch für die Seele.“

Von Julia Tonne

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