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Mit Schmuse-Typ Theo beginnt eine Leidenschaft

Mit Schmuse-Typ Theo beginnt eine Leidenschaft

Neukieritzsch. Hella Bergholtz, geboren im Kriegsjahr 1944, hat als Kind mit Puppen gespielt. Einfache waren das, aus Gummi und mit Sachen aus Wollresten.

Teddys kannte sie damals nicht in ihrer Kinderstube. Heute sind die knuffigen Bären ihre Welt. Die Neukieritzscherin macht sie selbst.

 

 

In dem kleinen Zimmer wird der Blick sofort von einem großen Schrank gefangen. Dicht an dicht reihen sich hinter den verglasten Türen Teddybären in allen Formen und Farben aneinander, eröffnet sich eine Spielzeugwelt zum Träumen, eine Sammlung ganz individueller Kunstwerke.

Am Beginn der Leidenschaft der einstigen Lehrerin und späteren Ergotherapeutin stand allerdings wieder eine Puppe. Für das Neugeborene einer Freundin wollte sie eine Puppe basteln. Als sie merkte, wie schwer das Gesicht herzustellen war, ging sie zu einem Bastelladen nach Leipzig und fragte nach einem Kurs für Puppen. Es gab aber gerade nur einen, in dem man lernen konnte, einen Teddy zu nähen und zusammenzusetzen. Hella Bergholtz meldete sich an. Am Abend des 30. September 2000 war Theo fertig: ein Schmuse-Typ mit goldig-glänzendem Kuschelfell, großen dunklen Augen, freundlichem Mund und weißem Pullover.

371 Teddys sind unter den Händen von Hella Bergholtz seitdem entstanden, der 372. wird gerade fertig. 17 sind es in diesem Jahr. Das weiß sie so genau, weil sie Buch führt und weil jeder Teddy nicht nur einen Namen sondern auch eine Geburtsurkunde erhält. Was sie nicht genau weiß, ist, wie viele Bären im Schrank stehen. "Das werden so 150 bis 170 sein", schätzt sie und sagt: "Ich muss sie mal zählen." Die anderen hat sie verschenkt. An die Tochter und die Enkelkinder in Amerika, an Freunde und Bekannte im Elbsandsteingebirge, im Saarland oder in Holland.

Oder an Menschen, denen ein Leid zugestoßen ist, nach einem Todesfall oder einer Scheidung oder nach einer schlimmen medizinischen Diagnose. "Wenn ein Mensch richtig tief unten ist", sagt die Teddybastlerin, "braucht er etwas zum Festhalten. Ein Bär ist etwas zum in die Hand nehmen, zum Liebhaben."

Ihren ersten Teddybären hat sie behalten, der lächelt aus dem oberen Schrankfach herunter. Mit der Zeit wollte sie aber die einfachen Teddys der gängigen Bastelsätze, die sich dann doch gleichen, nicht mehr machen. Hella Bergholtz sucht das Besondere und und holt zum Beweis Yeti aus dem Schrank. Der hat langes Wuschelfell, einen kleinen Kopf auf dem großen Körper und nur knubbelige Füße, keine Beine. Auch ihr Lieblingsteddy ist etwas Besonderes. Der heißt Silvester, weil er an einem 31. Dezember entstand, und trägt eine Kette mit gegossenen Bleistücken. Es gibt Mini-Teddys, die in der Schulbank sitzen oder Trachten aus aller Herren Länder tragen, einen Fußball-Teddy namens Oliver Kahn und Mc Millan, der auf Knopfdruck Dudelsack spielt. Olly Autumn besteht aus lauter Fell-Resten und Mona Lisa hat kein Fell, Hella Bergoltz hat die Bärin aus einem bestickten weißen Handtuch gemacht, das sie auf einem Trödelmarkt fand. Der Name kommt von den Initialen M.L. auf dem Handtuch. Weil die Familie regelmäßig ihre Kinder und Enkel in Amerika besucht, gibt es auch einen Halloween-Teddy. Doch nicht nur im Flugzeug nach Übersee hat Hella Bergholtz auf Reisen immer einen Teddy dabei.

Vor Weihnachten werden wieder ein paar Exemplare aus dem Schrank geholt. Dann kommt das achtjährige Pflege-Enkelkind Lydia zu Besuch und schmückt den Weihnachtsbaum mit vielen kleinen Teddys.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.12.2013
Neumann, André

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