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Borna Mit Verzicht auf Zucker beginnt die Fastenzeit
Region Borna Mit Verzicht auf Zucker beginnt die Fastenzeit
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14:03 11.03.2018
7 Wochen Ohne: Verzicht auf Süßes gehört für viele Menschen zur Fastenzeit. Aber auch im Verkehr, beim Müll und bei der Nutzung Energie wird Verbrauch vermieden. Quelle: Fotos: dpa/epd
Landkreis Leipzig

Sängerin Stefanie Hertel tut es. Der Entertainer und Mediziner Eckart von Hirschhausen schwört darauf. Und Modezar Harald Glööckler sieht man es derzeit echt an. Sie alle fasten. Die am Mittwoch angebrochene Fastenzeit gibt aber noch mehr Impulse.

Einfach mal verzichten. Was das bedeutet, haben die Kids in der Narsdorfer Wurzelbude jetzt erfahren. Im Morgenkreis sammelten sie alle Süßigkeiten in den Räumen ihrer Tagesstätte ein, fädelten Bonbons, Gummibärchen und Schokolade auf ein Band und hängten sie im Foyer auf. Da baumelt sie nun 40 Tage lang, die süße Versuchung. „Fasten hat bei uns Tradition“, sagt Deborah Weischet, Chefin im evangelischen Naturkindergarten. Aber da die Kids alle noch mächtig wachsen wollen, ist hier lediglich fasten von Süßigkeiten auf der Tagesordnung. „Wir üben den Verzicht, weil er deutlich macht, in welchem Überfluss wir leben“, so Weischet. Ein Fastenkalender, den die Kinder selbst gebastelt haben, würde sie über die Zeit begleiten. Der biblische Hintergrund würde in den Morgenkreisen erklärt.

Wasser als Gabe des Schöpfers

Eher geräuschlos sind die Mitglieder Evangelisch-Lutherischen Christuskirchgemeinde Prießnitz-Flößberg in die Fastenzeit gestartet. „Wir kennen einander sehr gut, da braucht es keine offizielle Erklärung“, sagte Pfarrerin Barbara Vetter. In den Frauen- und Gesprächskreisen ihrer Gemeinden und in den Gottesdiensten stehe die Jahreslosung im Fokus, in der Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Es gehe darum, sich auf das zu besinnen, was wirklich nötig ist und Wasser als eine Gabe des Schöpfers zu begreifen, so Vetter weiter. „Fröhliche Ostern kann nur der feiern, der vorher bewusst die Passionszeit erlebt hat.“

Mit dem Aschekreuz auf der Stirn hat am Mittwoch Uwe Peukert, Pfarrer der Katholischen Kirchgemeinde in Wurzen, die Gemeindemitglieder auf die Fastenzeit eingestimmt. Weil das Muldental keine Faschingshochburg sei, vollziehe sich hier der Übergang stiller. „Aber ein Einschnitt ist das schon“, sagt Peukert. Das werde auch im Gottesdienst deutlich, da entfällt manches Loblied, der Gottesdienst ist schlichter, auch die Orgel ist etwas zurückgenommen. Kein aufwendiger Blumenschmuck. Fastenzeit eben, auch für die Ohren und die Augen.Das Messgewand wechselt die Farbe – von Grün zu Violett. Neben diesen sichtbaren Zeichen nutzen die Katholiken die Zeit bis Ostern für einen Neubesinnung. Zu den regelmäßigen Gottesdiensten wird Peukert die “Exerzitien im Alltag” anbieten. Das sind Übungen, Impulse, gedacht zur Vertiefung des Glaubens. Am fünften Fastensonntag wird es eine Kollekte für das Hilfswerk Misereor geben und eine gemeinsame einfache Fastensuppe nach dem Gottesdienst. Was den Verzicht betrifft, da setzt Peukert auf Toleranz. „Der eine läuft zum Bäcker und verzichtet aufs Auto“, so der Pfarrer. Auch die Einschränkung bei Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten sei vernünftig. Einem generellen Verzicht steht Peukert jedoch kritisch gegenüber. „Wer einen anstrengenden Job hat oder in Schichten arbeitet, muss für sich eine individuelle Lösung finden“, sagt er. Verzicht möge jeder selbst für sich gestalten.

Selbsterfahrung und Austausch

Erfahrung mit Einschränkungen während der Fastenzeit hat Thomas Zittier auch selbst gesammelt. Der 36-Jährige ist Ostern 2012 zum christlichen Glauben gewechselt. Er hat Fastenzeiten bewältigt, in denen er Fleisch, Alkohol und sogar schlechte Gedanken gemieden hat. „In diesem Jahr faste ich von Zucker“, sagt der Wurzener. Aber nicht nur in Form von Schokolade und kristallinen Würfeln. In vielen Lebensmitteln sei Zucker in Form von Glukose oder Fructose versteckt. „Verzicht bedeutet back to the roots“, sagt er. Also unverarbeitete Zutaten einkaufen und selbst zubereiten. „Das kostet Zeit, ist aber auch eine wichtige Erfahrung“, sagt der Polizeibeamte, der als Stadtwandler in Wurzen unterwegs ist. In seinem Job habe ihn das Motto der jetzigen Fastenzeit besonders angesprochen. Sieben Wochen ohne kneifen – das bedeutet für ihn sich einmischen, den Mut haben, sich zu trauen, wenn andere still halten. „Das wird eine spannende Auseinandersetzung“, prognostiziert der Wurzener.

Ohne religiösen Hintergrund hat sich das Fasten in speziellen Kursen im Landkreis Leipzig etabliert. Die Kurkliniken in Bad Lausick bieten spezielle Fastenwochen unter Anleitung von Experten an, der Zuspruch steigt jedes Jahr. „Die meisten, die das einmal gemacht haben, kommen immer wieder“, sagte Martina Mahnert, Fastenleiterin der Deutschen Fastenakademie. Das Heilfasten durch Buchinger, so die Methode, auf die Mahnert setzt, sei gedacht, vom Alltag loszulassen und eine Zeit der Ruhe und Entspannung zu erleben. Durch den Verzicht fester Nahrung entschlacke der Körper. Bewegung entlaste die Leber. „Das Heilfasten bietet die Möglichkeit, die Leichtigkeit des Körpers zu spüren“, so die Expertin. Und könne unabhängig vom Kalender jederzeit durchgeführt werden.

Von Birgit Schöppenthau

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