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Mit gemeinsamem Gesang drei Kriege überdauert: Männerchor Lobstädt wird 170

Jubiläum Mit gemeinsamem Gesang drei Kriege überdauert: Männerchor Lobstädt wird 170

Gemeinsamer Gesang festigt die Verbundenheit. Der Männerchor Lobstädt darf das in besonderer Weise für sich beanspruchen. Er hat zwei Jahrhundertwenden überdauert und sich nach drei Kriegen immer wieder zusammengefunden. Am Sonnabend feiert er seinen 170. Geburtstag mit einem Fest der Chormusik.

An der Lobstädter Kirche erinnert eine Tafel an den Gründer und ersten Leiter des Lobstädter Männerchores.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Lobstädt. Gemeinsamer Gesang festigt die Verbundenheit. Der Männerchor Lobstädt darf das in besonderer Weise für sich beanspruchen. Er hat zwei Jahrhundertwenden überdauert und sich nach drei Kriegen immer wieder zusammengefunden. Am Sonnabend feiert der Chor seinen 170. Geburtstag. Die Zwangspause während eines Krieges musste Rainer Hellriegel, der dem Chor als Vereinsvorsitzender vorsteht, nicht miterleben. Der 74-Jährige stieß 1967 zum Männerchor, wird also im kommenden Jahr sein persönliches 50-jähriges Sängerjubiläum feiern können. Die größte Krise, an die er sich erinnern kann, ereilte den Chor vor rund zehn Jahren. „Da waren wir auf dem absteigenden Ast“, sagt der Lobstädter. Damals hatte Susann Ketzer nach acht Jahren als musikalische Leiterin aufgehört. Ein Leipziger blieb nur kurze Zeit, danach übernahmen zwei Musikstudentinnen, die auch nicht lange blieben. Eine hätte gern weitergemacht, doch sie fand in der Region keine Anstellung und zog fort.

In dieser Zeit sprach Rainer Hellriegel Joachim Rose (69) an, der mittlerweile seit über vier Jahrzehnten den Männerchor Liedertafel Regis-Breitingen leitet. Der sollte damals gerade ein Engagement im Büro beim Leipziger Chorverband annehmen, dass er kurzerhand wieder absagte. Mit den Lobstädtern zu musizieren, war ihm lieber. Womit er seit Gründung im Jahre 1846 durch den damaligen Kantor Johann Krause der 23. Chorleiter ist. Zählt man die drei Interimsbesetzungen nicht mit, wäre er der 20. Auch ein kleines Jubiläum.

Wie auch immer, für die sangesfreudigen Lobstädter war Roses Einstieg im Jahr 2007 ein Glücksfall. „Mit ihm sind wir vollauf zufrieden“, sagt Rainer Hellriegel. „Seitdem sind wir eine richtig gute Truppe geworden.“ ein Lob, das Rose umgehend erwidert, indem er seine Lobstädter Herren als „leidenschaftliche Sänger“ preist.

Allerdings sind es nur noch 18 Chormitglieder – von denen zwei nicht mehr mitsingen. Der letzte Neuzugang schloss sich vor zwölf Jahren dem Chor an. Paul Jordetzka ist heute 30 und mit Abstand der jüngste unter den Sängern. Der älteste heißt Hans-Jürgen Kuchar und ist 80. Viele der Sänger sind wie Hellriegel seit rund 50 Jahren dabei, schlossen sich in den 1960er Jahren, den besten des Chores, wie der Vorsitzende sagt, als junge Männer den Sängern an. Mit dem Problem der Überalterung und des Mangels an Sängern haben so gut wie alle Volkschöre zu tun, weiß Joachim Rose. Nur in Schweden und den drei baltischen Staaten gehe es mit dem Chorwesen noch aufwärts oder wenigstens nicht bergab, bedauert er.

Weil es dem Regiser Chor genauso geht wie dem Lobstädter führte Rose beide Sangesgemeinschaften behutsam zusammen. Die proben nach wie vor getrennt, treten mittlerweile aber nur noch gemeinsam auf. Es sei „ein glücklicher Umstand“, sagt der Chorleiter, dass die beiden Chöre miteinander können. Musikalisch ergänzen sie sich. Während die Liedertafel gute Bässe hat, können die Lobstädter gute Tenöre beisteuern.

Zur Jubiläumsfeier am Sonnabend erwarten die Lobstädter mehrere Chöre zum gemeinsamen Gesang. Im Saal des Kastanienhofes versammeln sich ab 14 Uhr der Heimatchor Regis-Breitingen, der Männerchor Michelwitz, der Männerchor Eula, der Gemischte Chor Neukieritzsch, der Männerchor Zedtlitz und der Männergesangsverein Schwabenrod/Münch-Leusch, mit dem die Lobstädter seit 25 Jahren eine Freundschaft pflegen. Die Liedertafel aus Regis-Breitingen wird natürlich auch dabei sein. Gegen 16 Uhr werden alle Chöre gemeinsam das Steigerlied und den Kanon Dona Nobis Pacem singen. Ein Fest der Chormusik. Besucher sind von 14 bis 18 Uhr willkommen.

Von André Neumann

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