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Borna Modelleisenbahner vor dem Aus: Röthaer muss Raum in der Grundschule räumen
Region Borna Modelleisenbahner vor dem Aus: Röthaer muss Raum in der Grundschule räumen
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09:00 08.09.2016
Modelleisenbahner Stefan Kreißler (M.) zeigt Röther Stadträten und Bürgermeister Stephan Eichhorn (l.) die Anlage im Obergeschoss der Grundschule. Der Raum ist ihm zum Jahresende gekündigt worden. Quelle: André Neumann
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Rötha

Wenn die Tage kürzer werden, wenn es draußen früher dunkel wird, dann haben Hobbyeisenbahner wieder mehr Zeit, sich um ihre Loks, Triebwagen, Hänger, Weichen und Signale zu kümmern. Für Modelleisenbahner Stefan Kreißler aus Rötha hat diese Aussicht für den zu Ende gehenden Sommer, den kommenden Herbst und Winter einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Der 62-Jährige, so der jetzige Stand, muss seine große Eisenbahnanlage nämlich abbauen, weil er den Raum im Obergeschoss der Röthaer Schule, in dem sie steht, räumen muss. Die Stadt hat ihm das Zimmer zum Jahresende gekündigt, weil mehr Platz für die Schule gebraucht wird.

Vor elf Jahren hatte Stefan Kreißler von der Stadt einen Mietvertrag für den Raum bekommen. Damals war bei dem Mitarbeiter der Talsperrenmeisterei in Rötha die alte Kindheitsliebe für die Modelleisenbahn wieder erblüht. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr bauten und bastelten er und sein Sohn Torsten an einer Anlage, die jetzt das Zimmer in der Größe eines kleinen Klassenraumes fast ganz ausfüllt. 70 Lokomotiven und gut 100 Wagen fahren und rollen darauf. Schienen in zwei Spurgrößen durchziehen die nachgebauten Landschaften: H0 und H0m. Letzteres ist, erklärt Kreißler, eine Schmalspurbahn im H0-Maßstab. Ihm hat es nämlich die Spreewaldbahn angetan, die im Zeitraum von 1898 bis 1970 verkehrte.

Doch den kleinen Zügen, dem Nachbau der Leipziger S-Bahn aus den 60er und 70er Jahren, den größeren Strecken mit Dampf- und Dieselloks älterer Baujahre und auch der Windbergbahn, droht das endgültige Aus. Denn so, wie die Anlage in dem Raum steht, so kann sie nicht hinaus. Die Platten passen nicht durch Fenster und Türen.

Weil die Gleise, Gebäude, Berge und Tunnel fast alle fest verbaut und geklebt sind, die Fahrdrähte fest verbunden sind, lassen sie sich kaum einzeln und ohne Schaden demontieren. Zwar, sagt Kreißler, lassen sich die Tische und Gestelle auseinanderbauen, doch an allem, was fest darauf steht, droht der Totalverlust. „Die Platten müssen in kleine Stücke geschnitten werden“, sieht er voraus. Und selbst, wenn sich irgendeine Möglichkeit böte, große Teile komplett aus dem Zimmer zu bekommen, wüsste er nicht, wohin damit. In der eigenen Mietwohnung ist kein Platz. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

„Man darf sich nicht verrückt machen“, sagt Stefan Kreißler und versucht, die Emotionen klein zu halten, auch wenn, wie er sagt, die Modelleisenbahn ein bisschen wie des zweite Leben neben und nach dem Berufsleben sei. Ja, er kann noch schlafen, „doch das weinende Auge ist schon da“. Den Gedanken, dass ein Mietvertrag auch einmal enden könne, den habe er wohl verdrängt, gesteht er sich selbst ein. Was ihn allerdings ärgert: Dass es nie gelang, die Modelleisenbahn in der Schule als Freizeitangebot zu verankern. Dafür sei das Interesse nie da gewesen.

Er wolle, sagt der Ruheständler, den Bürgermeister noch einmal bitten, ob er nicht noch bis zum nächsten Sommer, bis zum Ende des jetzigen Schuljahres bleiben könne. Ansonsten würde er im Oktober mit dem Abbau der Anlagen beginnen.

Von André Neumann

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