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Borna Moderator hängt nach 60 Jahren Mikro an den Nagel
Region Borna Moderator hängt nach 60 Jahren Mikro an den Nagel
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00:38 19.05.2018
Erwin Rattunde sorgte auch bei Familienfeiern für gute Stimmung und Abwechslung. Jetzt wünscht er sich einen krönenden Abschluss seiner Bühnentätigkeit. Quelle: Wolfgang Riedel
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Böhlen

Einen richtig schönen Abschluss wünscht sich Erwin Rattunde – mit Weggefährten, Rückblicken und vielen Gesprächen. Zu erzählen jedenfalls gäbe es vieles, denn der Böhlener steht seit nunmehr 60 Jahren als Hobby-Moderator auf den Bühnen in und um Leipzig.

Das Astoria ist ihm in der Zeit genauso ans Herz gewachsen wie das Interhotel, das Restaurant Stadt Dresden, das einst zum Gebäudeensembles des Wintergartenhochhauses gehörte, sowie das Altenburger Theater.

Erwin Rattunde hat etliche Erinnerungsstücke aufbewahrt – Fotos, Zeitungsartikel und auch Veranstaltungshinweise. Quelle: Julia Tonne

Dabei hatte der heute 81-Jährige mit Ansagen und Moderation zunächst gar nichts am Hut. Der gelernte Schlosser und Sanitäter arbeitete als Krankenpfleger im Altenburger Krankenhaus, lernte dort seine Frau Elisabeth kennen und wurde von dieser gebeten, die einzelnen Lieder eines Auftritts des Krankenschwester-Chores anzukündigen.

Premiere sprach sich herum

Im sprichwörtlichen Sinne hatte Rattunde mit diesem Konzert 1958 Blut geleckt, zudem sprach sich die Premiere seiner Moderation herum, so dass er für Auftritte in Altenburgs Stadthalle Goldener Pflug gebucht wurde.

Enge Beziehungen unterhielt Rattunde in dieser Zeit zu Kurt Müller-Reitzner, dem österreichischen Schauspieler, Hörspielsprecher und Theaterregisseur, der in den 60er Jahren am Landestheater Altenburg wirkte. „Bei ihm habe ich viel gelernt und zahlreiche Erfahrungen gesammelt“, erinnert er sich.

Erwin Rattunde begann seine Moderatorenlaufbahn 1958. Quelle: Julia Tonne

1960 zog Rattunde dann mit Frau und seinem Erstgeborenen nach Großdeuben, arbeitete als Fachpfleger für Anästhesie in der Herzchirurgie an der Uniklinik Leipzig. Die Leidenschaft für die Ansagen bleib, weshalb er sich kurz darauf an die Konzert- und Gastspieldirektion (KGD) wandte, um Aufträge zu bekommen.

„Eigentlich war die nur für Berufskünstler zuständig, aber nicht für Amateure“, erzählt er, „doch nach einem Vorsprechen gab es zahlreiche Aufträge“ – in kleinen Dörfern und großen Städten, bis zu viermal in der Woche. Unter anderem moderierte Rattunde im Capitol das Sonntagsmagazin, im Interhotel „Ein Fest der Rose“, im Restaurant Stadt Dresden „Liebe – Phantasie und Kochkunst“.

Kurz darauf kam ein Angebot von der KGD, das Rattunde nicht ausschlagen konnte. Gemeinsam mit dem bekannten Künstler der DDR und Organist Hasso Veit lud er jeden Mittwoch zum Astoria-Treff ins gleichnamige Hotel ein, um Berühmtheiten vorzustellen.

Berufskünstler zollten Respekt

Ihm gegenüber nahmen ab Ende der 70er Jahre unter anderem Schlagersänger Peter Wieland Platz, der Musiker Siegfried Koenig und die Schauspielerin Christel Guck. Lobe für seine Moderation und die Gesprächsrunden gab es zuhauf – „gerne auch mal schriftlich auf Bierdeckeln“. Und auch die Berufskünstler zollten ihm immer großen Respekt.

Der Böhlener stand hier mit einer Kollegin für die Sendung „Herzklopfen kostenlos“ auf der Bühne. Quelle: Julia Tonne

Als der damalige DJ im Astoria aufhörte, lud dessen Nachfolger Rattunde von da an täglich zum Nachmittagstanz ein. Und das, obwohl er mittlerweile fünf Kinder hatte und noch immer „seine Brötchen“ als Krankenpfleger verdiente.

„Ohne die Unterstützung meiner Frau, der Kinder und meiner Kollegen wäre das alles gar nicht machbar gewesen“, sagt er rückblickend. Mit der Wende dann kam zunächst das Aus für Auftritte auf den größeren Bühnen. Also stellte sich Rattunde sein eigenes Programm zusammen, führte bei Familienfeiern, Straßenfesten in Großdeuben und Veranstaltungen der Stadt durch das Programm.

Noch heute ist er bei Seniorentreffs und Festlichkeiten zur Stelle, wenn ein „Ansager“ gebraucht wird, doch nach 60 Jahren Bühnenleben will er in diesem Jahr nun das Mikrofon an den Nagel hängen.

Rattunde wünscht sich tollen Abschluss

Für sein Jubiläumsjahr wünscht er sich einen überragenden Abschluss – „vielleicht im Kulturhaus“, denn auch hier habe er des Öfteren auf der Bühne gestanden. Und mit einer Markkleeberger Musikerfamilie, mit der ihn seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet.

„Vielleicht findet sich ja jemand, der mir diesen Abschluss ermöglicht“, sagt er. Sei es in Böhlen, in Altenburg oder gar in Leipzig.

Von Julia Tonne

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