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Borna Mordprozess gegen Asylbewerber aus Borna fortgesetzt
Region Borna Mordprozess gegen Asylbewerber aus Borna fortgesetzt
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14:21 08.11.2018
Am Landgericht Leipzig wurde der Prozess wegen Mordes im Bornaer Asylheim fortgesetzt. Quelle: Frank Pfeifer
Borna

Katrin Minkus musste am Mittwoch die Plätze tauschen. Als Vertreterin der Anklage in diesem Verfahren sagte die Staatsanwältin am Mittwoch im Zeugenstand vor der 1. Strafkammer aus. Den Vorsitzenden Hans Jagenlauf interessierte vor allem, wie der Angeklagte auf sie während der Haftvernehmung am Tag nach der Tat wirkte.

Staatsanwältin spricht von Verzweiflung

In der Verhandlung geht es längst nicht mehr um die Frage, ob dem Angeklagten zur Last gelegt werden kann, seine Frau mit einem Messer so schwer verletzt zu haben, dass sie noch am Abend des 4. Februar verstarb. Dazu hat sich der 33-Jährige gegenüber Gutachtern, Polizei und Staatsanwaltschaft immer wieder eingelassen.

Zur juristischen Reife gehört mehr als die Gewissheit.

Nebenbuhler machte Angeklagten eifersüchtig

Wenn Ghassan T. neun Monate nach der Tat im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben wird, bekommt man einen ähnlichen Eindruck, wie ihn Katrin Minkus bei der Haftvernehmung hatte: „Er wirkte sehr erschöpft, verzweifelt und traurig. Er hat viel geweint, immer dann, wenn sich das Gespräch um seine Frau und die beiden Kinder drehte.“ Der Angeklagte habe am Tag nach der Tat einem Nebenbuhler die Schuld gegeben. Ein Bornaer habe seiner Frau Nachrichten geschickt und sich mit ihr getroffen. Ghassan T. war eifersüchtig, sah seine Familie bedroht. Und stach zu.

Polizisten vom Revier Grimma sagen aus

Die Strafkammer hörte am Mittwoch zudem zwei Polizisten, die in der Tatnacht damit beauftragt waren, den Festgenommenen und den Tatort kriminaltechnisch zu untersuchen und Spuren zu sichern. Die Beamten des Grimmaer Reviers erklärten den Prozessbeteiligten mehrere Aktenordner mit Fotos und Dokumenten. Auch sie haben an T. nicht ungewöhnliches festgestellt, als sie ihm in der Gewahrsamszelle des Bornaer Reviers fotografierten und seine Fingerabdrücke nahmen. „Er war sehr gefasst und ruhig – ließ alles stumm über sich ergehen. Ein Häuflein Elend“, kommentierte es der Hauptkommissar.

Küchenmesser ist die Tatwaffe

Das Messer (ein gewöhnliches Küchenmesser mit einer 21 Zentimeter langen Klinge) lag noch auf dem Fußboden vor dem Zimmer 109 im Haus F der Gemeinschaftsunterkunft, als die Beamten den Tatort untersuchten. Nahrene H. war da schon tot. Die beiden Kinder wurden in die Obhut des Landkreises übergeben.

Auch am sechsten Verhandlungstag sagte Ghassan T. nichts. Der Dolmetscher übersetzte dem Syrer, was die Prozessbeteiligten abarbeiteten. Ansonsten saß er apathisch in seinem Rollstuhl. Den nutzt er, weil er bei einem Sprengstoffanschlag in seiner Heimat 2013 ein Bein verlor.

Es sind noch zwei weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte am 22. November gesprochen werden.

Von Thomas Lieb

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