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Mühlentag im Landkreis Leipzig:

Pfingsten Mühlentag im Landkreis Leipzig:

Das Klappern der Mühlräder gehörte einst zu vielen Dörfern der Region. Heute ist die hölzerne Bockwindmühle auf dem Hügel rar geworden. In Ebersbach bei Bad Lausick dreht sie sich noch – dank Christa und Christian Graichen, die sie vor dem Verfall bewahren. Am Mühlentag öffnen die beiden wieder ihr besonderes Häuschen, das auch Familiengeschichte erzählt.

Windmüller Gunter Hantschmann (2.v.re.) an seiner Paltrockwindmühle im Grimmaer Ortsteil Schkortitz. Seine Paltrockmühle wurde in den Jahren 2009 bis 2013 in Wurzen-Roitzsch demontiert, saniert und in Schkortitz wieder aufgebaut.

Quelle: Thomas Kube

Ebersbach. Christa Graichen hat die Mühle schon immer vor Augen. Als kleines Mädchen spielte sie mit ihren Freunden dort Hasche. Sie sah die Bauern mit Pferdefuhrwerken kommen, sie luden schwere Getreidesäcke ab und holten später das gute weiße Mehl, Schrot und Quetschhafer wieder ab. Die Tochter sah ihren Vater schwer arbeiten. Zum Leben reichte das kaum, deshalb bestellte die Familie noch einige Felder, hatte Schweine und Hühner. Und trotzdem: Ihr Vater liebte diese Mühle, wollte sie noch lange betreiben. Mühsam besorgte Maschinen standen in den 1950er-Jahren für eine Modernisierung bereit. Doch die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) setzte dem ein trauriges Ende.

Mühlentag-Termine

Der Deutsche Mühlentag ist ein Aktions- und Thementag rund um das Mühlenwesen. Er wurde 1994 von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung ins Leben gerufen und findet jährlich am Pfingstmontag statt. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Denkmalschutz die alte Kulturtechnik des Müllerns wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung zurückzubringen und die Mühlen als technisches Denkmal zu begreifen und zu erhalten. Rund tausend Wind- und Wassermühlen sind deutschlandweit auch diesmal wieder für Besichtigungen und Führungen geöffnet und als funktionierendes technisches Denkmal zu erleben. Ein buntes Rahmenprogramm ergänzt diese Aktivitäten. Auch der Landkreis Leipzig beteiligt sich rege. Hier einige Mühlen-Tipps:

Wassermühle und Schiffsmühle Höfgen sowie Paltrockwindmühle Schkortitz bei Grimma : Diese drei Mühlen im Dorf der Sinne haben von 10 bis 17 Uhr am Mühlentag geöffnet. Im Stundentakt fährt der Schlendrian ab der Schiffsmühle die einzelnen Mühlen ab. An der Schiffsmühle gibt es ein musikalisches Rahmenprogramm und einen Imbiss. Zur Mittagzeit wird in der Wassermühle in Höfgen Brot gebacken und anschließend Kuchen sowie Fettbemmen geschmiert. Eine Sonderführung gibt es in der Wassermühle ab 15 Uhr mit dem Vorsitzenden des Mühlenvereins, Hans-Henning Ruhmer. An der Paltrockwindmühle Schkortitz erwarten die Gäste ab 13 Uhr die Trebsener Volksmusikanten.

Sägemühle in Thallwitz: Ab 11 Uhr lädt der Heimatverein mit einem abwechslungsreichen Programm ein. Stündliche Führungen durch die Sägemühle geben einen Einblick in die historische Technik. Traditionell gibt es neben Gegrilltem vom Rost auch wieder Kaffee und Kuchen von der Müllerin. Von 13 bis 16 Uhr unterhält die Band „The Voice of Thristle“ mit irisch-schottischer Folk- und Rockmusik die Besucher.

Artelt-Neuholländer in Wyhra bei Borna am Obersteiger (Blumrodaer Weg): 10 Uhr beginnt ein Frühschoppen mit den Männerchören Zedtlitz und Benndorf und der Schalmeienkapelle der Ortsfeuerwehr Kössern. Ab 10 Uhr wird an der Mühle alte Mühlentechnik vorgeführt, auch Abseilen von der Mühle ist zu erleben. Das Mühlenkaffee ist geöffnet. 14.30 Uhr spielt das Saxofonquintett Secco-Sax aus Leipzig. Die am weitesten angereisten sowie ältesten Schlepper erhalten jeweils einen Pokal, den Publikumspreis gibt es für den schönsten Traktor. Kinderprogramm mit Hüpfburg, Malen, Basteln und Kinderschminken erwarten die Steppkes. Kremserfahrt zum Traktormuseum und zurück ist möglich, Kinder können auf historischen Fahrzeugen mitfahren und es gibt Kino mit historischen Schlepperfilmen.

Lindigtmühle in Kohren-Sahlis am Lindenvorwerk: Ab 10 Uhr können Besucher an Führungen teilnehmen und die Mühle in Betrieb erleben. Der Mühlenladen mit regionalen Spezialitäten hat geöffnet. Es gibt kulturelle Unterhaltung und einen großen Kunst- und Handwerkermarkt auf der Müllerwiese.

Eisenmühle Elstertrebnitz : Von 10 bis 17 Uhr gibt es Führungen durch die historische Wasserkraftanlage mit modernem Wassermanagement, Fischwanderhilfen und Fischschutzrechen. Auch ein Besuch des Eisenpulvermuseums ist möglich, ergänzt mit kleinem Rahmenprogramm.

Bockwindmühle Ebersbach bei Bad Lausick: Die Familie Graichen lädt von 9 bis 17 Uhr zu Besichtigung und Führung ein. Vormittags gibt es Fettbemmen, nachmittags Kaffee und Kuchen.

Breunsdorfer Bockwindmühle in Schönau bei Frohburg: Am Mühlentag kann auch die erstmals 1862 für Breunsdorf gebaut Bockwindmühle besichtigt werden. Sie war bis 1942 in Betrieb, fiel im Januar 1986 vom Bock und wurde nach Schönau transportiert. 1995 wurde sie dort wieder aufgebaut.

Drei Jahrzehnte ruhte die Mühle, Graichens konnten nur das Allernötigste reparieren. „Es interessierte sich gar niemand dafür“, erinnert sich heute die 76-Jährige. Plötzlich, kurz vor der Wende, kam einiges in Bewegung. Der damalige Bürgermeister von Geithain hatte die Idee, die Mühle in seine Stadt umzusetzen. Denkmalschützer wollten das Kulturgut aber in Ebersbach erhalten und kümmerten sich um Holzlieferungen. Nach der Wende dann schrieb das Ehepaar Fördermittelanträge und es gelang, über mehrere Jahre die 1859 erbaute Mühle zu sanieren.

Christian Graichen stapft die schmale Holztreppe zur Mühle hinauf, schließt die Tür auf – und steht in einem kleinen faszinierenden Museum. Das gesamte Häuschen ruht auf einem einzelnen dicken Pfahl, dem „Hausbaum“. Der ist unten auf einem senkrechten Stützgestell, dem „Bock“, aufgesattelt. Auf diesem „Bock“ kann die gesamte Mühle per Hebelwirkung des Außenbalkens in den Wind gedreht werden. Ins Holz eingraviert steht „Erbaut vom Meister Johann Wilhelm Prautzsch 1859“. Der heutige Hausherr lächelt und sagt: „Da braucht man keine Urkunde, steht alles an der Wand.“

Obwohl der 79-Jährige hier jeden Quadratzentimeter aus dem Effeff kennt, lässt er den Blick wohlwollend über all die kleine und große Technik der Vorzeit schweifen. „Solch eine Mühle demonstriert allen Anfang von Industrie. Wir haben Glück, dass dies noch erhalten ist. Es war zur Wende höchste Zeit, dass hier was passiert. Die Seitenwände fielen fast ab, auch das Dach war schadhaft“, erzählt er. Stück für Stück, vier Jahre lang, wurde die Mühe denkmalgerecht saniert und kann so heute noch erzählen, wie früher Mehl gemahlen wurde. Seit dem frühen 20. Jahrhundert trieb auch der Strom diese und jene Maschine an und erleichterte so etwas die Arbeit.

Direkt vor der Mühlentür gibt es eine Klappe, hier zog der Müller die Getreidesäcke nach oben. Er schüttete die Körner in den Elevator, der sie in die zweite Etage transportierte. Dort kann der Besucher das gewaltige Kammrad mit vier Meter Durchmesser bestaunten. Es dreht den 500 Kilo schweren Mühlstein, der die Körner zerreibt. Das Mehl landet dann im Sechskantsichter, wo es gesiebt wird, hier trennt sich die Spreu vom Weizen. „Der Müller schärfte die Steine damals selbst an“, berichtet Christian Graichen, „Das war eine schwere Arbeit.“

Viel Arbeit bedeutet die alte Mühle auch heute noch für das Rentner-Ehepaar. Ohne Tochter, Schwiegersohn und Enkel wäre das gar nicht zu schaffen. „Ach, es gibt immer was zu tun bei so einem alten Haus“, sagt der Ebersbacher. Nicht zu vergessen die Führungen. Gern nutzen Schulklassen, Familien oder Besucher der nahen Jugendherberge die Bockwindmühle als Ausflugsziel. Sie lassen sich von Graichens in die alte Mühlenwelt entführen, danach können sich die Kinder auf Trampolin, Wippe und Holländerschaukel vergnügen. Berühmt zum alljährlichen Mühlentag sind auch die selbst gebackenen Kuchen. Am Pfingstmontag öffnet die Ebersbacher Mühle von 9 bis 17 Uhr.

Manche Besucher kommen aber auch unangemeldet, „meistens bei Wind, weil sich da die Mühlräder drehen“, meint Christa Graichen. Wenn es kräftig auffrischt, sagt sie zu ihrem Mann: „Jetzt kannst du die Bremse lösen.“ Dann geht ihr Ehegatte wie einst der Vater in die alte Mühle und lässt den Windrädern freien Lauf. „Das ist ein besonderer Klang und in der Mühle fühlt es sich an wie auf einem Schiff. Herrlich!“, sagt die Mühlenbesitzerin und lächelt.

Von Claudia Carell

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