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Borna Mundartbühne Borna: Den Sachsen aufs Maul schauen, ohne nach dem Mund zu reden
Region Borna Mundartbühne Borna: Den Sachsen aufs Maul schauen, ohne nach dem Mund zu reden
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07:00 04.05.2016
Lene Voigt: Vor 125 Jahren, am 2. Mai 1891, wurde sie geboren. Quelle: LVZ-Archiv
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Borna

Mundartlich sprechen heißt, um es mit Luther zu sagen: dem Volk aufs Maul schauen. Oder: off de Gusche. Das sächsische Sprach- und Lebensgefühl, in Borna - unmittelbar am Lutherweg gelegen! - hat es seit zehn Jahren eine institutionelle Heimstatt gefunden. Die Mundart-Bühne Borna ist zugleich Sprachrohr. Sie sorgt dafür, dass Weltweisheit und Witz des Sachsen - der obendrein heemdiggsch ist! - von der Brettlbühne zurückgeworfen werden ins Volk. Eine schier unerschöpfliche Quelle sächsischen Humors, gefasst in Lyrik und wortgewaltige Szenen, bietet, was Lene Voigt, die Leipziger Dichterin, oft unterschätzt, zeitweilig geschmäht. Die Mundart-Bühne hat 2016 doppelten Grund zu feiern: Die von Ihnen hochgeschätzte Autorin wurde 2. Mai 1891, vor 125 Jahren also, geboren. Das Ensemble, das sich als Sachwalter ursächsischer Literatur empfindet, wird immerhin zehn.

„Ich weeß nich, mir Ilses so goomisch“ hat die Mundartbühne ihr Programm zum Doppel-Jubiläum überschrieben. Zu erleben ist es am 11. Juni im Café Offenkundig in der Bornaer Innenstadt. Eine Geburtstagsfeier vor allem in eigener Sache schiebt der Verein im Herbst nach, im Kohren-Sahliser Lindenvorwerk, einer beliebten Spielstätte. „Dann laden wir unsere Familien, all unsere Freunde und die vielen, die uns unterstützen, ein“, sagt Inge Steitmann (Kohren-Sahlis), die mit Heidrun Junge (Borna) und Heike Greulich (erst Borna, jetzt Greifenhain) zu den Gründern der Bühne gehört. Den Anstoß dazu gab seinerzeit das in Borna angesiedelte Institut zur Bewährung der sächsischen Mundart. „Wir können ohne Probleme 100 Jahre spielen, Texte gibt es genug“, sagt Greulich mit Blick auf Lene Voigt, aber auch viele andere Literaten, die das Sächsische in Schriftform fassen.

„Wilhelm Dell“, aufgeführt zum Schillerfest in Kahnsdorf, wird aktuell neu geprobt. Außerdem steht ein neues Lene-Voigt-Programm vor der Erarbeitung. Die agile Theatergruppe, zu der neben den Genannten Hella Eck (Borna) und Thea und Tankred Uhlig (Böhlen) gehören sowie seit Kurzem Kathrin Steitmann, absolvierte im zurück liegenden Jahr 38 Auftritte, unterhielt illustre Geburtstagsgesellschaften und ganze Säle. Ein arbeitsreiches Jahr wie keines zuvor - aber keines, das schlauchen würde, sagt Eck: „Wir haben selber großen Spaß dabei, und wächst noch, wenn wir spüren, dass es auch dem Publikum gefällt.“ Außerdem bekomme man den Kopf frei, lasse hinter sich, was sich im Alltag anstaue. Die Freude an Spiel und Rezitation ist es, die auch Greulich bei Laune hält. Seit Anfang an ist sie die Chronistin des Mundartbühnen-Erfolgs: „Das ,Gaffeegränzchen’ war 2006 unsere Premiere.“ Es folgten eine „Leiche zum Tee“, Voigt’sche Texte unter dem Slogan „Ei verbibbch“ und selbst Programme mit der schönen sächsischen Vokabel Fefformisblädzschn im Titel. Die Liste der Spielorten liest sich wie ein Where ist Where? des schönen Sachsenlandes: von B wie Börtewitz bis Z wie Zwenkau. Geprobt wird jeden Montag.

Dass Humor Medizin sein kann und auch schwere Lebenslagen zumindest ein bisschen mildert, davon ist Inge Steitmann überzeugt. Deshalb auch griff sie zum Telefonhörer, als sie in der LVZ vor ein paar Monaten von der Krebs-Selbsthilfegruppe Groitzsch-Pegau las unter der Überschrift „Wir wollen nicht immer an die Krankheit denken“. Das Angebot der Mundartbühne können Note Gunter Kratzsch nicht ausschlagen: Am 19. Oktober kommt die vigilante (fischilante) Truppe zur Benefiz-Vorstellung ins Groitzscher Kino. Trotz aller Bühnen-Erfahrung gilt für sie alle, was Steitmann als Credo so formuliert: „Geschlampert wird nicht. Jede Vorstellung wird ordentlich vorbereitet.“ Als wäre es die allererste, denn „wir Sachsen sind von echtem Schlaach“ (Lene Voigt).

Von Ekkehard Schulreich

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