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Murat von Italien schlägt im Herrenhaus von Gestewitz auf

Murat von Italien schlägt im Herrenhaus von Gestewitz auf

Borna/Gestewitz. Das Herrenhaus von Gestewitz liegt in der Nachmittagssonne. Dennoch herrscht angenehme Kühle hinter den dicken Gemäuern aus dem vorigen Jahrhundert.

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Manuela Friebe und David Knoke haben den Zustand des Herrenhauses vor und nach der Sanierung dokumentiert.

Quelle: J. P. Taubert

. Was in diesen Tagen als angenehm empfunden wird, ist im Winter eine Herausforderung. Aber nicht für Manuela Friebe und David Knoke. Sie haben moderne Heizung mit Holzöfen kombiniert und lassen den Herrensitz auf dem über 500 Jahre alten Rittergut wieder atmen. Wer sich davon überzeugen will, kann das beim Tag des offenen Hofes während der 925-Jahr-Feier von Eula tun. Das Herrenhaus in Gestewitz ist eines von 16 gut erhaltenen Anwesen, die am 13. September von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein werden.

Im Ort nennt man sie die Architekten aus Leipzig, die das Herrenhaus wieder hergerichtet haben. Das Abenteuer, wie sie die Sanierung der damals unbewohnten Immobilie nennen, beginnt 2011. Der aus Göttingen stammende Knoke hatte das Objekt in der Börse der Leipziger Denkmalmesse entdeckt. Die beiden Architekten überlegten nicht lange und kauften das Haus von der Stadt Borna. "Wir haben ein Faible für alte Bausubstanz", sagen sie von sich. Das haben sie ausgelebt, indem sie in mühevoller Arbeit Einbauten der letzten Jahrzehnte entfernten und die alten Grundrisse freilegten. Denn bis zum Umzug der Kindereinrichtung nach Eula schallte fröhlicher Kinderlärm durch die alten Gemäuer.

Heute hat das im Barock und Historismus errichtete Herrenhaus wieder ein Türmchen auf dem Mansardwalmdach. Die Gauben sind mit Segmentbögen und Stuck verziert. Große, durchgängige Räume und breite Türen erinnern an den Lebensstil vorangegangener Generationen. Aber auch die Spuren aus sozialistischer Wohnungsnot sind noch sichtbar. Abdrücke von Befestigungen abgehangener Decken und Wänden auf den Dielenböden erinnern noch an später eingebaute Wohnungen. Das alte Mauerwerk ist bewusst nicht durch Trockenbau begradigt oder verputzt worden, weil es teilweise noch alte Farbschichten trägt. "Wir maßen uns nicht an, das zu überstreichen", so Friebe. Im Erdgeschoss sollen die Außenmauern, in die Feuchtigkeit eingedrungen war, weiter trocknen. Dann ist da noch der Hang der heutigen Bewohner zur alten, nicht glatt geputzten Substanz.

Auch in ihrer kommerziellen Tätigkeit bleiben sich die Architekten treu. "Es macht viel mehr Spaß, mit weniger Geld zu bauen", sagte Knoke. So arbeiten sie unter anderem als Berater für Eigentümergesellschaften, die alternative Wohnprojekte vorantreiben. Auch gemeinnützigen Vereinen stehen sie bei der Sanierung von Objekten zur Seite. Im Leipziger Osten haben sie sich für die Bespielung freier Räume eingesetzt, die inzwischen rar werden.

In Gestewitz dagegen ticken die Uhren anders. Hier haben Friebe und Knoke nicht nur ausreichend Platz für ihre Arbeit und sich selbst. Hier sind sie auch von der Gemeinschaft das Dorfes herzlich aufgenommen worden. Darauf reagieren sie mit ihrem Engagement bei den Vorbereitungen zur 925-Jahr-Feier. In den zurückliegenden Wochen haben sie beispielsweise die Geschichte um Murat von Italien, Schwager von Napoleon, aufgearbeitet. Der Paradiesvogel mit Edelsteinen an der Uniform schlug 1813 im Herrenhaus von Gestewitz sein Lager auf. Diese Geschichte und italienische Köstlichkeiten tischen die Bewohner des Herrenhauses nun ihren Gästen auf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.09.2015
Birgit Schöppenthau

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