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Borna Musikalische Reminiszenz aus Rötha an Thomaskantor Johann Kuhnau
Region Borna Musikalische Reminiszenz aus Rötha an Thomaskantor Johann Kuhnau
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08:00 19.12.2017
Johann Kuhnaus Gesamtwerk wird auf acht Alben eingespielt. Gregor Meyer (li.), David Erler (M.) und Nick Pfefferkorn (r.) setzen das Projekt in den Röthaer Kirchen (hier die Georgenkirche) um. Quelle: Jens Paul Taubert
Rötha

Mit gleich zwei Instrumenten aus der Werkstatt des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann (1683 – 1753) hat die Stadt Rötha einen Namen in der Musikwelt. Der bekommt jetzt noch eine besondere Note obendrauf: In den beiden Röthaer Kirchen wird das musikalische Gesamtwerk von Johann Kuhnau (1660 – 1722) eingespielt. Der Kirchenmusiker, Komponist und auch Schriftsteller war bis zu seinem Tod Thomaskantor in Leipzig – und wurde als Vorgänger des übermächtigen Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) bislang vergleichsweise wenig beachtet. Das sechsköpfige Ensemble Opella Musica aus Leipzig will das jetzt ändern. Und Rötha spielt in dem mehrjährigen Projekt eine wichtige Rolle.

Kuhnau fesselte Opella Musica sofort

Den Anfang setzte Johann oder auch Johannes Eccard, ein Komponist der Renaissance, der 1553 in Mühlhausen in Thüringen geboren wurde. Eine CD und ein Festkonzert zu dessen 400. Todestag im Jahr 2011 in Mühlhausen waren der Anlass für die Gründung von Opella Musica, erzählt der Leiter des Ensembles Gregor Meyer, der seit 2007 künstlerischer Leiter des Leipziger Gewandhauschores ist. Nach Eccard suchten die sechs Musiker nach einem neuen Projekt. Dass sie auf Johann Kuhnau stießen, mag im ersten Moment ein Zufall gewesen sein. Doch von da an fesselte sie der Komponist. So sehr, dass ein zugleich kühner wie großartiger Plan entstand: Bis 2022, dem 300. Todesjahr Kuhnaus, soll erstmals dessen gesamte geistliche Vokalmusik veröffentlicht werden. Nicht nur zum Hören auf acht CDs, sondern auch als Notenedition. David Erler, der im Ensemble die Alt-Stimme singt, ist der Herausgeber der Edition, die beim von Verleger Nick Pfefferkorn geführten Leipziger Musikverlag Breitkopf und Härtel erscheint.

Die CDs erscheinen bei cpo, dem Klassiklabel des Medienhändlers jpc, der in der Nähe von Osnabrück ansässig ist. Der erste Tonträger erschien 2014, der dritte ist gerade herausgekommen. Rechtzeitig, denn er enthält das Magnificat und drei Weihnachtskantaten. Weihnachtsmusik aus der Georgenkirche – wenige Geschenke zum Fest können so individuell und authentisch sein.

Röthaer Kirchen wegen der Umgebungsgeräusche besonders geeignet

Dass sich die Musiker für Rötha als Aufnahmeort entschieden, war zunächst nur das Ergebnis pragmatischer Erwägungen. Den tieferen Sinn, der darin liegt, offenbarte sich erst später. „Wir hatten für die Aufnahmen einen passenden Raum mit guter Akustik gesucht“. Den fanden Gregor Meyer (Orgel), Heidi Maria Taubert (Sopran), Isabel Jantschek (Sopran), David Erler (Alt), Tobias Hunger (Tenor) und Friedemann Klos (Bass) in der Georgenkirche. Die bietet genügend Platz für Sänger sowie Gastmusiker und steht abseits lauter, störender Geräusche. Keine Hauptstraße mit lauten Lastwagen, keine Bahnlinie, keine Flugzeuge drängen sich hier zwischen Kuhnaus Töne. Wenn mal ein Vogel zwitschert oder ein Bagger vorbeifährt, dann sind das Geräusche, mit denen man bei Aufnahmen außerhalb eines schallgedämmten Studios oder Konzerthauses leben muss. Und die die bass-lastige Musik kaum stören.

Kuhnau war Bachs Vorgänger bei den Thomanern

Und außerdem ist da noch die wohlklingende Silbermannorgel. Bei den Aufnahmen für die erste CD mit allesamt bisher unveröffentlichten, fünfstimmigen Kantaten, wurde die noch nicht einmal benutzt, stattdessen brachte Meyer seine fahrbare Orgel mit. Schon ein Jahr später, bei den Aufnahmen für Volume 2, stieg er auf die große Orgel um. Die hatte Johann Kuhnau im Jahre 1721 sogar selbst gespielt. Denn wie sein Nachfolger Bach war schon Kuhnau während seiner Zeit als Thomaskantor auch Orgelsachverständiger. Als solcher begutachtete er am 8. November 1721 die von Kirchenpatron Christian August Freiherr von Friesen (1674 – 1737) in Auftrag gegebene neue Orgel in der Georgenkirche.

Zur festlichen Einweihung führte er mit den Thomanern eine extra für diesen Anlass komponierte Kantate auf. Die allerdings wird auf keiner der acht CDs zu hören sein. „Sie ist leider nur noch in Textform, ohne die dazugehörige Musik, vorhanden“, bedauert Röthas Kantor Jihoon Song.

Bisher erschienene CDs im Kuhnau-Projekt

Johann Kuhnau, Sämtliche geistliche Werke Vol.1, Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer Inhalt: Kantaten „Es steh Gott auf“ (Osterfest); „Mein Alter kömmt, ich kann nicht sterben“ (Mariä Reinigung); „Daran erkennen wir, dass wir in Ihm bleiben“ (erster Pfingsttag); „Welt, adieu, ich bin dein müde“ (24. Sonntag nach Trinitatis); „ Wenn ihr fröhlich seid an euren Festen“ (Osterfest); Tristis es anima mea

Label: CPO, DDD, 2013

Bestellnummer: 3126719

Johann Kuhnau, Sämtliche geistliche Werke Vol.2, Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer Inhalt: Lobe den Herren, meine Seele (Kantate nach Psalm 103 in 2 Versionen); Christ lag in Todesbanden (Kantate zum Osterfest); Gott, der Vater, wohn uns bei (Kantate zum Trinitatisfest); Schmücket das Fest mit Maien (Kantate zum Pfingstfest)

Label: CPO, DDD, 2015

Bestellnummer: 8455703

Johann Kuhnau, Sämtliche geistliche Werke Vol.3 (Weihnachtskantaten), Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer Inhalt: Magnificat; Kantate „O heilige Zeit“ (in Fassungen für Sopran & Bass bzw. Sopran, Alt, Tenor & Bass); Kantate „Frohlocket, ihr Völker, und jauchzet, ihr Heiden“

Label: CPO, DDD, 2016

Bestellnummer: 8455704

Ob Kuhnau, der im Juni 1722 starb, auch noch die in dem Jahr geweihte Orgel in der Marienkirche geprüft und abgenommen hat, ist nicht bekannt. Einen Teil seiner Musik jedoch hat Opella Musika für die vierte CD der Reihe auf diesem Instrument eingespielt. Volume 4 mit Solokantaten und Motetten erscheint im kommenden Jahr.

In dem dann schon die CD Nummer fünf eingespielt wird, vermutlich wieder in St. Georgen. Die Aufnahmewoche, immer die letzte Schulwoche vor den Sommerferien in Sachsen, beginnt am Montag mit einer Probe der Sänger und der dazukommenden Instrumentalisten. Dienstag gibt es ein öffentliches Konzert, erst danach schließen sich die Musiker für drei Tage in der Kirche ein. Gregor Meyer ordnet auf der Empore die Sänger und die Spieler der historischen Instrumente wie Laute, Barockfagott oder Zink. Er selbst leitet die Aufnahmen und spielt die Orgel.

Ein Hauptmikrofon wird im Kirchenschiff aufgestellt, ein weiteres vor jedem der Akteure. Bis Freitag müssen alle Aufnahmen im Kasten und bereit fürs Tonstudio sein. Zum Abschluss gibt es dann meist noch ein Konzert in Leipzig.

Experten loben Projekt von Opella Musica

Röthas aus Südkorea stammender Kantor spricht mit Lob und Anerkennung vom Kuhnau-Projekt. Nicht zuletzt, weil auf diese Weise einmal im Jahr ein mit professionellen Musikern besetztes Konzert mit alter Musik ohne finanzielles Risiko in der Kleinstadt angeboten werden kann. „Wenn wir in der Georgenkirche Kuhnaus Musik hören“, sagt Song, „bekommen wir eine konkrete Vorstellung, wie damals aufgeführt wurde.“ Angesichts tausender CDs mit Musik von Johann Sebastian Bach hält er es für nötig, andere Musiker aus dessen Umfeld zu entdecken, „um nicht einseitig zu hören“ und um die Spuren von Bachs Musik besser zu verstehen. „Einzigartig“ und „wunderbar“ sind die Attribute, mit denen Song das Projekt von Opella Musica bedenkt.

Welches auch vom Musikwissenschaftler und anerkannten Bachforscher Michael Maul aus Leipzig gelobt wird. Mit dem Kuhnau-Projekt werde „endlich eine wichtige musikalische Facette der gattungsgeschichtlich so spannenden Übergangsphase zwischen geistlichem Konzert des 17. Jahrhunderts und spätbarocker Kirchenkantate zugänglich, die in ihrer Bedeutung kaum überschätzt werden kann“, schreibt er in einem Vorwort zur Notenedition. Und auch wenn voraussichtlich auf allen CD-Covers nur Abbildungen der Leipziger Thomaskirche zu sehen sein werden: Rötha ist Teil dieses Projektes und als Aufnahmeort auf den Hüllen der Tonträger benannt.

Von André Neumann

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