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Musikschule Ottmar Gerster will auch in Altenheime zu Senioren gehen

Zukunftsmusik Musikschule Ottmar Gerster will auch in Altenheime zu Senioren gehen

Die Musikschule Ottmar Gerster möchte mit ihren Angeboten auch in Altenheime gehen. Das könnte sich ihr Leiter Klaus-Dieter Anders vorstellen. Dafür müssten allerdings noch politisch die Weichen gestellt werden.

Das Querflötenorchester der Musikschule Ottmar Gerster spielt in Böhlen.

Quelle: Roger Dietze

Borna. Gitarre und Klavier bleiben die Renner. „Da haben wir etwa 600 Schüler“, sagt Klaus-Dieter Anders, der Leiter der Musikschule Ottmar Gerster. Ein Trend, der schon seit Jahren anhält. Insgesamt sind an der Einrichtung, die für die musische Bildung im Leipziger Land sorgt, vor Beginn des neuen Schuljahres 2100 Musikschüler registriert. Dabei dürfte es nicht bleiben, wenn in den nächsten Wochen und Monaten Kurse wie die musikalische Früherziehung starten. Anders: „Die Nachfrage ist bei uns ungebrochen.“ Dennoch kann sich der Musikschulchef, seit einem knappen Vierteljahrhundert im Amt, in der Perspektive auch eine Erweiterung des Angebots vorstellen, konkret auch für Senioren.

Und zwar zielgruppenorientiert, wie es bei der musikalischen Früherziehung der Fall ist. Das heißt: Musikpädagogen könnten in Alten- und Pflegeheime gehen, um mit den Bewohnern Musik zu machen – etwa gemeinsam zu singen oder auch mit Instrumenten. Schließlich gilt als erwiesen, dass dies sowohl der körperlichen als auch der seelischen Verfassung älterer Menschen zuträglich ist. Anders weiß natürlich, dass diese Ideen günstigstenfalls Zukunftsmusik sind. „Dafür müssten erst einmal politisch die Weichen gestellt werden.“

Zudem ist die Musikschule mit ihren 15 Außenstellen (Anders: „Damit möglichst jedes Kind vor Ort unterrichtet werden kann.“) ohnehin gut ausgelastet. Nicht zuletzt, weil mittlerweile auch eher exotische Instrumente wieder nachgefragt werden. Etwa Fagott, ein Fach, dass mit Stefan Balcinuas ein Musiker des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) unterrichtet. In Markkleeberg erhalten 15 Schülerinnen Harfenunterricht. Zudem werden an der Musikschule 300 Streicher ausgebildet. „Allein in Borna haben wir 20 Anmeldungen“, sagt Anders. Nach Jahren liegen auch wieder Anmeldungen für Cello vor.

Was Anders schmerzt, ist die Entwicklung weg von den Blasinstrumenten. „Das ist schade“, auch weil Bläser für die Ensembles der Musikschule gebraucht werden. Prinzipiell bietet die Schule Unterricht für alle Orchesterinstrumente an.

Das Gros der Musikschüler steigt nach der Einschulung ein. Der klassische Zeitpunkt für Kinder, ein Instrument zu lernen. Ausnahmen gibt es, wenn etwa jemand E-Gitarre lernen will. Das sind dann in der Regel junge Leute im Alter von 12, 13 Jahren. Und einige wenige Musikschüler sind im Erwachsenenalter – etwa 80 Leute, die teilweise schon seit Jahrzehnten musikalisch aktiv sind und etwa dem Akkordeon-Ensemble die Treue halten. Oder Leute mitten im Berufsleben, die sich ihren Traum, vielleicht doch noch Saxofon zu lernen, endlich erfüllen.

Wie an allen deutschen Musikschulen sind auch bei der Einrichtung im Leipziger Land die Mädchen unter den Schülern deutlich in der Oberhand, Das, so Anders, liege sicher auch an den Tanzgruppen. In jedem Fall sind nur ein Drittel der Musikschüler Jungen. Dabei sei gerade für die der Instrumentalunterricht ein rettender Anker. Anders bezieht sich dabei auf Erkenntnisse von Christian Pfeiffer. Der einstige Leiter des Kriminologischen Instituts Niedersachsen und zeitweilige Hannoveraner Justizminister hatte herausgefunden, dass Jungen heutzutage gerade in ihrer prägenden Jugendphase das Gros ihrer Zeit vor dem Computer verbringen – mit entsprechenden negativen Folgen für ihre schulischen Leistungen. Es sei denn, sagt Musikschulchef Anders, „sie lernen ein Musikinstrument“.

Von Nikos Natsidis

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