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Nach Ausnahmezustand in Deutzen: Die weite Reise der Bombe aus Köln

Dorf evakuiert Nach Ausnahmezustand in Deutzen: Die weite Reise der Bombe aus Köln

Rund 500 Kilometer hat eine amerikanische Fliegerbombe unbemerkt von Köln zurückgelegt, ehe sie Mitarbeiter einer Recyclingfirma im sächsischen Deutzen entdeckten. Die Geschichte hat Seltenheitswert.

Die 150 Kilogramm schwere Fliegerbombe konnte dank zwei unbeschädigten Zündern von den Sprengmeistern entschärft werden.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig/Deutzen. Auch einen Tag nach dem Ausnahmezustand im Neukieritzscher Ortsteil Deutzen bleibt der Bombenfund in der Recyclingfirma ARE rätselhaft. Der 150 Kilogramm schwere Sprengkörper war in der Nacht zu Mittwoch unbemerkt rund 500 Kilometer von Köln nach Sachsen transportiert worden. Die Untersuchungen, wie es dazu kommen konnte, liegen laut Leipziger Polizei beim Unternehmen selbst.

Aus Sicht der Behörde ist der Fall erst einmal abgeschlossen. „Wir wissen, dass die Bombe von Köln nach Deutzen kam, vermutlich mit einem Lastwagen“, erklärte Polizeisprecherin Katharina Geyer am Donnerstag gegenüber LVZ.de. „Der ganze Einsatz läuft bei uns unter Gefahrenabwehr, ein Strafbestand besteht nicht.“ Welche Gefahr während des ungesicherten Transports tatsächlich von der Bombe ausging, konnte Geyer nicht sagen.

Firma bereitet Böden auf

Die Recyclingfirma behandelt unter anderem kontaminierte Böden, siebt und zerkleinert dabei angelieferten Unrat. Laut Unternehmen eigenen sich in Deutschland nur wenige Anlagen zu einer solchen Aufbereitung. ARE habe eine Zulassung, PCB-verunreinigte, mineralische Abfälle zu behandeln und zu dekontaminieren, so das Unternehmen. Um einen solchen Auftrag handelte es sich auch bei der Lieferung vom Mittwoch. Daher musste die Erde den weiten Weg von einer ehemaligen Kölner Farb- und Lackierfirma zurücklegen. Erst beim Sieben vor Ort wurde die Bombe schließlich entdeckt.

„Der verunreinigte Aushub wurde auf Lastwagen verladen und von der Baustelle direkt zur ARE Deutzen transportiert, im Zwischenlager abgekippt und für die thermische Behandlung vorbereitet“, hieß am Donnerstag in einer Mitteilung des Unternehmens. Wer die Bombe in Köln ausgegraben und aufgeladen hatte, konnte eine Mitarbeiterin auf Anfrage von LVZ.de nicht sagen.

Die PCB-haltigen Böden aus Köln werden bereits seit Mitte Januar in zahlreichen Lieferungen nach Sachsen gebracht. Bis zu 60 Lastwagen täglich kamen laut Unternehmen seitdem in Deutzen an. PCB sind Chlorverbindungen, die krebserregend sind. 2001 wurden die Giftstoffe verboten.

Einsatz mit Seltenheitswert

Der gesamte Neukieritzscher Ortsteil Deutzen musste während der Bergung und Entschärfung am Mittwoch evakuiert werden. Rund 600 Bewohner waren davon betroffen. „Das war neben dem Hochwasser einer der größten Einsätze, die wir hier in der Region hatten“, resümierte Hauptamtsleiterin Petra Jung, die den Einsatz vor Ort koordinierte.

Wie oft Sprengkörper unbemerkt so lange Reisen zurücklegen, konnte der zuständige Kampfmittelbeseitigungsdienst zunächst nicht sagen. Oft dürfte es ähnliche Fälle aber nicht gegeben haben. Das gilt auch für ARE. „Der gestrige Fund einer Fliegerbombe beziehungsweise eines Kampfmittels ist in der Firmengeschichte einmalig“, heißt es vom Unternehmen.

Josephine Heinze /nhr

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