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Nach langer Wanderschaft lebt Leopold Kasper in Trages seine Leidenschaft aus

Kitzscher Nach langer Wanderschaft lebt Leopold Kasper in Trages seine Leidenschaft aus

Heimatliebe, Gottesgläubigkeit und handwerkliche Leidenschaft spiegeln sich in den Skulpturen und Modellen von Leopold Kasper. Der hat ein Modell seines Heimatortes Trages gebaut und in der Kirche steht eine Madonnenfigur von ihm.

An dem Modell seines heutigen Heimatortes Trages hat Leopold Kasper sechs Monate gearbeitet. Zur Erinnerung an seinen früheren Wohnort hat er das Wurzener Museum dazugestellt.

Quelle: André Neumann

Kitzscher/Trages. Der Weg von Leopold Kasper bis ins kleine Dörfchen Trages im Leipziger Süden war weit. Hier hat der im früheren Jugoslawien geborene 83 Jahre alte Mann seine Gefährtin für das Alter gefunden, außerdem die Muse und den Platz, seine Leidenschaft auszuleben: Er baut Modelle und Skulpturen aus Holz, Bruchsteinen und Beton.

Der erste Zeuge des handwerklichen Geschicks des agilen kleinen Mannes steht seit zehn Jahren auf einer Säule. Die ragt gegenüber des Bauerngehöfts, in dem er mit Hannelore Baum wohnt, aus dem Dorfteich: ein von zwei Händen gehaltener Fisch. „Reicher Fang“ nannte Leopold Kasper die Plastik aus Beton, die er vor zehn Jahren im Auftrag des Feuerwehrvereins vor dem damaligen Fischerfest schuf.

„Reicher Fang“ heißt diese Plastik, die aus dem Dorfteich ragt

„Reicher Fang“ heißt diese Plastik, die aus dem Dorfteich ragt.

Quelle: André Neumann

Aus Stein und Beton ist auch Leopold Kaspers kleiner Privatzoo im Vorgarten des Wohnhauses: Elefant und Elefantenbaby, ein Hase, Schildkröte, Tiger und Bär. Manchmal streichelt Kasper den Elefanten und erzählt dann mit verschmitztem Lächeln, dass er es in seinem hohen Alter sogar noch schaffe, sich draufzusetzen. Auf jeden Fall halte er sich fit, mache täglich Gymnastik.

Leopold Kaspers kleiner Privatzoo im Vorgarten

Leopold Kaspers kleiner Privatzoo im Vorgarten

Quelle: André Neumann

Leopold Kaspar wurde 1933 in Sombor geboren, einer Stadt, die heute im äußersten Nordwesten Serbiens nahe der Grenze zu Ungarn liegt. Seine Vorfahren stammten aus einem überwiegend von Deutschen bewohnten Dorf. Als Kinder hätten er und seine Freunde auf der Straße Häuser aus feuchtem Lehm gebaut.

Später lernte Leopold Kasper den Beruf eines Maurers. Da war die Familie aber schon nach Deutschland geflohen, war über Rehbach bei Leipzig in die Prignitz in Mecklenburg gekommen. Hier baute der Lehrling mit seinen Kollegen Siedlungshäuser für junge Bauern.

Der Beruf, sagt der Trageser, habe ihm sehr viel Spaß gemacht, vor allem im Mauern mit Bruchsteinen sei er gut gewesen. Davon zeugt auch die Madonna mit dem Kind, die Kasper 2006 der Kirchgemeinde Trages stiftete und für die er in der Kirche auch den Sockel anfertigte.

Die tiefe Religiosität des Mannes zieht sich auch durch die meisten anderen Arbeiten des 83-Jährigen, dessen wahre Schätze aus Holz sind. Wie die vielen Kirchen, die er liebevoll nachgebaut hat. Da wäre zum Beispiel die Frauenkirche Dresden. Oder, auf einem Schrank säuberlich aufgereiht, die Gotteshäuser von Kitzscher, Hainichen, Borna und Pegau.

Die Kirche von Trages entstand gleich zweimal unter seinen Händen. Ein aufwendiges, detailreiches Modell steht im Vorraum der Kirche. Ein etwas einfacheres zweites in einem Raum gleich neben der gut ausgestatteten Werkstatt von Leopold Kasper. Dort gehört es zum Modell seines heutigen Heimatdorfes.

Das hatte er in rund sechs Monaten für die 800-Jahr-Feier im Vorjahr angefertigt. Während der Festtage im Juni hatte der Rentner das Modell in seiner Garage aufgebaut, wo es sich jeder anschauen konnte. „Da fanden alle ihre Häuser wieder“, ist er überzeugt. Fein aufgereiht nach Straßenzügen stehen die Gebäude jetzt im Haus auf einer Sperrholzplatte.

Mit ein paar Extras: auf dem Spielplatz am Dorfteich turnt ein Sportler am Reck, ein überdimensionales Ochsenfuhrwerk rumpelt durchs Dorf, über das eine Madonna wacht. Und schließlich hat Leopold Kasper auch noch das Wurzener Museum mit nach Trages gestellt. Eine Zeichen der Zuneigung zu der Stadt, in der er dreißig Jahre gelebt hat.

Bis vor 16 Jahren seine Frau starb und er nach Trages kam, wo er mit seinen Schnitzerein und Betonskulpturen vielen Menschen Freude macht.

Von André Neumann

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