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Nachwuchs ist Mangelware

Nachwuchs ist Mangelware

„Kahnsdorf hat über 500 Einwohner. Davon halten maximal noch zehn Leute Hühner", sagt Albrecht Graichen. Dieser Vergleich sei sinnbildlich für die Situation der Geflügelzuchtvereine.

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Albrecht Graichen züchtet seit 41 Jahren Tauben.

Quelle: Peter Krischunas

Kahnsdorf/ Rötha. Der Aufwand ist zu groß. Nachwuchs ist Mangelware. Und jetzt drohte auch noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes, wodurch hinter der Ausstellung von Geflügel in Käfigen ein großes Fragezeichen stand. Der 57-Jährige ist Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Rötha und Umgebung (RGZV), der im November erneut Ausrichter der Kreisschau sein wird. Einst zählte der Verein über 100 Mitglieder. Heute sind es 15 Leute, die die gesamte Arbeit stemmen müssen. Albrecht Graichen züchtet seit 41 Jahren. Zuerst Kaninchen und kurz darauf Rassegeflügel. Beim letzteren Hobby ist er bis heute geblieben. Dabei waren er, Frank Scheffner und weitere Zuchtfreunde die letzten Jugendlichen, die in den 1970er-Jahren in den Verein eintraten. „Seitdem kamen keine jungen Leute mehr dazu", so der Kahnsdorfer, der mit Ehefrau und Tochter im Haus seiner Großeltern lebt. Dort verbrachte er auch seine ersten drei Lebensjahre. 1966 zogen seine Eltern mit ihm nach Rötha, direkt neben die Rinder-Stallanlagen (später Schweinemastanlage), wo sein Vater eine leitende Tätigkeit hatte. Albrecht Graichen ist sozusagen mit Tieren aufgewachsen. Durch den Nachbarn kam er 1971 zum Züchten. Bis heute hält er Tauben, Hühner und Gänse. Mit seinen Thüringer Schnippen (Tauben) und Mäusertauben nimmt er an Ausstellungen teil. 1978, Graichen hatte inzwischen geheiratet, zog er mit seiner Frau Sigrid zurück nach Kahnsdorf auf den Bauernhof der Großeltern. „Es herrschte bekanntlich Wohnungsnot. Wir brauchten eine Unterkunft." Graichen kennt also beide Seiten, Stadt und Dorf. Dass die Leute in der Stadt wegen Platzmangel kein Geflügel züchten können, leuchtet ihm nicht ein. „Die paar Quadratmeter zum Züchten hat jeder Eigenheimbesitzer im Garten übrig, wenn er wirklich will", so der Gartenbau-Ingenieur, der in Leipzig für alle kommunalen Friedhöfe und 17 Angestellte zuständig ist. Da er viel Zeit in seine Arbeit stecken muss, könnte er ohne die Unterstützung seiner Familie das Hobby nicht bestreiten. Seiner Meinung nach liegt das Desinteresse am Geflügelzüchten ganz wo anders. „Die Jugendlichen haben heutzutage überdurchschnittlich viel Ablenkung durch unzählig viele Freizeitangebote", so Graichen. Dazu kam vor Jahren die Vogelgrippe, wodurch viele Eltern aus Angst ihren Sprösslingen das Züchten schlichtweg verboten. „Und jetzt drohte uns auch noch eine Novellierung des Tierschutzgesetzes", erklärt Albrecht Graichen. Erst Ende August konnte der Präsident vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter, Wilhelm Riebniger, das Unheil in einem konstruktiven Gespräch mit Tierschützern und dem zuständigen Staatssekretär abwenden. So können wie bisher nur Einzeltiere, die starke tierschutzrelevante Übertypisierungen oder sonstige Tierschutzprobleme aufweisen, nach Begutachtung ausgeschlossen werden. Da diese Tiere sowieso von den Preisrichtern in der Bewertung herabgesetzt oder im Extremfall von der Ausstellungsleitung ausgeschlossen werden, wird sich für die Rassegeflügelzucht im Ausstellungswesen vorerst nichts ändern. Zum Glück, denn der Röthaer Verein richtet am 24. und 25. November wiederholt die Kreisschau im Saal des Schützenhauses aus. Da kamen auch die zwei neuen Mitglieder, ein 50-Jähriger aus Kahnsdorf und ein 40-Jähriger aus Oelzschau, gerade recht. „Für unsere älteren Züchter ist es nämlich kaum machbar, die schweren Käfige und Fußböden zu schleppen", sagt Albrecht Graichen.

Peter Krischunas

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