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Borna Nackt am Hainer See
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17:16 19.05.2015
Das Nordufer des Hainer Sees war Schauplatz der Entführung, die das Amtsgericht Borna gestern verhandelte. Quelle: Jakob Richter

Der muss aber möglicherweise ohnehin ins Gefängnis.

Eine schon anderthalb Jahre zurückliegende Geschichte hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Sternberger gestern aufzuklären, bei der drei der Beteiligten schon eine kriminelle Karriere vorzuweisen haben: Zwei der drei Täter und das Opfer. Sebastian V. ist 28 Jahre alt. Justizbeamte brachten ihn gestern aus dem Gefängnis in Zeithain, wo er eine Strafe absitzt, in Handschellen zur Verhandlung nach Borna.

Am späten Abend des 24. Oktober 2011 war V. in seinem eigenen Auto von Kitzscher aus zum Nordufer des Hainer Sees gebracht worden. Dort musste er sich nackt ausziehen und wurde so zurückgelassen.

Saimen H., der gestern nicht zur Verhandlung erschien, fuhr den Wagen, auf der Rückbank saßen Frank Z. und der gestern verurteilte Enrico G. Auf welche Weise V. dazu gebracht wurde, sich auf den Beifahrersitz zu setzen, wurde gestern nicht komplett aufgeklärt. Z. und G., beide ohnehin recht wortkarg, konnten sich nicht daran erinnern, dass H. zum Nachdruck der Forderung nach einem länglichen Gegenstand unter der Jacke griff. Das hatte V. der Polizei gesagt. Ebenso blieb unklar, welcher Druck ausgeübt wurde, damit V. sich am Hainer See nackt auszog. Z. und G. waren dabei offenbar im Auto sitzen geblieben.

Dafür wurde ansatzweise der Hintergrund der Aktion erhellt. Es ging um eine junge Frau oder um einen Racheakt oder um beides. Eine Zeugin, eine junge Frau aus Kitzscher, vor deren Wohnung die Entführung ihren Anfang nahm, war mal mit H., mal mit V. zusammen. "Das ging hin und her", sagte sie dem Gericht. Eine Woche vor dem Vorfall hielten sich H. und V. in der Wohnung der Zeugin auf. Als ein Streit eskalierte, soll Saimen H. ein Gewehr gezogen haben. Sebastian V. meldete das der Polizei. Dafür, vermutete V. gestern vor dem Gericht, habe sich H. möglicherweise rächen wollen.

Hätte H., der erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, gestern auf der Anklagebank gesessen, hätte die Anklage gegen ihn nicht nur auf Freiheitsberaubung gelautet, sondern es wären unerlaubter Waffenbesitz und ein Drogendelikt hinzugekommen. Er wird sich zu einem späteren Zeitpunkt verantworten müssen.

Gegen Frank Z. wurde das Verfahren gestern eingestellt, nachdem seine Anwältin, Richter und Staatsanwalt sich beraten hatten. Die kriminelle Karriere des arbeitslosen 23-Jährigen begann vor mehreren Jahren mit Beleidigung und Diebstahl. Trunkenheit im Verkehr, Körperverletzung und wiederholt Diebstahl kamen hinzu. 2011 erhielt er zum ersten Mal vier Monate Haft auf Bewährung, ein Jahr später sprach das Gericht für die nächste Tat neun Monate auf Bewährung aus. Das hätte gestern berücksichtigt werden müssen. Weil die zu erwartende Strafe im Verhältnis dazu "nicht beträchtlich" wäre, beantragte der Staatsanwalt, das Verfahren gegen Z. einzustellen. Aktuell droht ihm zudem noch eine Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung, zu der er im März dieses Jahres verurteilt wurde. Dagegen läuft gerade die Berufung.

Blieb Enrico G., Hartz-IV-Empfänger mit zwei vergleichsweise geringfügigen Vorstrafen von 2007 und 2009. Er muss für seine Beteiligung an der Entführung 600 Euro zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.04.2013

Prenzel, Frank

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