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Namen im Wandel: Wo geht es in Borna zur Wilhelm-Pieck-Straße?

Umbenennungen Namen im Wandel: Wo geht es in Borna zur Wilhelm-Pieck-Straße?

Vom Karl-Marx-Platz durch die Wilhelm-Pieck-Straße über den Franz-Mehring-Platz hinauf zur August-Bebel-Straße. Das war noch vor weniger als drei Jahrzehnten kein Problem in Borna. Im Einheitsjahr 1990 wurde die Umbenennung von etwa 30 Straßen beschlossen. Vergleichbares ist in absehbarer Zeit nicht zu befürchten.

War zu DDR-Zeiten der Karl-Marx-Platz: der Bornaer Markt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Vom Karl-Marx-Platz durch die Wilhelm-Pieck-Straße über den Franz-Mehring-Platz hinauf zur August-Bebel-Straße. Das war noch vor weniger als drei Jahrzehnten kein Problem in Borna. Wer allerdings heutzutage nicht wenigstens Enddreißiger ist, dürfte mit dieser Wegbeschreibung kaum etwas anfangen können. Es war jedenfalls eine Revolution im Bornaer Straßenbild, als im Einheitsjahr 1990 die Umbenennung von etwa 30 Straßen beschlossen wurde. Immerhin: Vergleichbares ist in absehbarer Zeit nicht zu befürchten.

Jüngste Umbenennungen nach Eingemeindung

Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) macht jedenfalls klar, dass in Borna alles beim Alten bleiben wird. Oder beim Neuen, wenn die Straßennamen aus sozialistischen Zeiten in Betracht gezogen werden. Die letzten nennenswerten Umbenennungen waren jedenfalls nicht so gravierend. Sie waren vielmehr die Konsequenz aus der Eingemeindung von Zedtlitz, Neukirchen, Wyhra und Thräna, der damaligen Gemeinde Wyhratal. Immerhin gab es dadurch mehrere Straßennamen doppelt, was zur Folge hatte, dass acht Bornaer Straßen im alten Stadtgebiet sowie zehn in den neuen Ortsteilen neue Namen erhielten.

So verschwand die einstige Bahnhofstraße in Wyhratal, während die Bahnhofstraße in Borna ihren Namen behielt. Immerhin hatte die wichtige innerstädtische Verbindungsstraße zwischen Markt und Bahnhof bereits einige Namenswechsel hinter sich: Von 1933 bis 1945 hieß sie Hindenburgstraße, bevor sie ein Jahr nach Kriegsende den Namen des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann erhielt. Hingegen durfte die Glück-auf-Straße in Neukirchen ihren Namen behalten. Für die Umbenennungen vor knapp anderthalb Jahrzehnten gab es juristische Gründe, weil der Gesetzgeber damals wie heute die Dopplung von Straßennamen in einer Kommune untersagt. Die Gründe lagen und liegen auf der Hand: Schon wegen der Rettungsdienste müssen sich Straßennamen eindeutig zuordnen lassen. Zumindest für die Anwohner war die Änderung von Adressen in den Ausweisen damals kostenlos.

Wende brachte rund 30 neue Straßennamen

Politische Gründe hingegen waren es, die im Einheitsjahr 1990 zu einem Beschluss der seinerzeitigen Stadtverordnetenversammlung führten, der etwa 30 neue Straßennamen in Borna zur Folge hatte.

Im Vorfeld hatte es erhebliche Diskussionen dazu gegeben, die in einem Vorschlag gipfelten, dass in Borna eine Straße nach dem sowjetischen Partei- und Staatschef und Reformer Michail Gorbatschow benannt werden sollte. Wer aber das Parteibuch einer Kommunistischen Partei besaß oder besessen hatte oder der Bewegung mehr oder weniger nahegestanden hatte, kam seinerzeit weder in Borna noch in den meisten anderen Kommunen der einstigen DDR als Namenspatron für eine Straße in Frage. Und so erhielt der Karl-Marx-Platz seine traditionelle Bezeichnung ebenso wieder wie die Reichsstraße, die den Namen des ersten und einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck trug. Die Leninallee wurde zur Sachsenallee und die Friedrich-Engels- zur Eisenbahnstraße. Aus der Straße der Roten Armee, die sich zum Zeitpunkt der Umbenennung dort auch noch in den Kasernen befand, wurde die Stauffenbergstraße.

So weit, so auch noch nachvollziehbar. Der russische Nationaldichter Alexander Puschkin verschwand von den Straßenschildern, auf denen heute Angerstraße steht. Dass eine Straße in Sachsen den Namen des jahrhundertelang regierenden sächsischen Adelsgeschlechts Wettin trägt, hat Sinn. Dass aber dafür der Name von Rosa Luxemburg („Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“) verschwand, scheint zumindest im Rückblick nicht zwingend. Es verschwand die Rudolf-Harbig-Straße (heute Sauerbruchstraße), während das Stadion nach wie vor den Namen des als „Wunderläufer“ gepriesenen Leichtathleten trägt. Warum bei der damaligen Dr.-Wilhelm-Külz-Straße der akademische Titel aus dem Straßennamen verschwand (heute nur noch Wilhelm-Külz-Straße) lässt sich nicht einmal mehr mutmaßen.

Neue Straßennamen sollen Bezug zu Borna haben

So etwas wie vor einem reichlichen Vierteljahrhundert dürfte in absehbarer Zeit nicht wiederkommen. Auch, weil es in Borna keinen Pool an Namen gibt, die die Stadtverwaltung für den Fall der Fälle vorhalten würde, wie Oberbürgermeisterin Luedtke sagt. Wenn tatsächlich ein neuer Name benötigt werde, gebe es die interne Vorgabe, nach einem Bezug zu Borna zu suchen. So, wie es beim Viktoriaschacht war, der nach einem einstmals real existierenden Schacht benannt wurde.

Von Nikos Natsidis

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