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Natur in der Warteschleife: Bauern im Landkreis Leipzig hoffen auf Regen

Landwirtschaft Natur in der Warteschleife: Bauern im Landkreis Leipzig hoffen auf Regen

Dass die Natur aufholen wird, daran zweifelt Jörg Vollert, Betriebsleiter der Geithainer Landwirtschaftsgesellschaft nicht. Allerdings hänge der Ertrag von der Vegetationsdauer ab. Sei die kürzer, wirke sich das beinahe zwingend nachteilig aus.

Nico Dathe ist mit seinem Düngerstreuer auf einem Gerstenschlag nahe Bruchheim unterwegs.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Mitte April färbten erste Blüten die Rapsschläge gelb. Drei Wochen später dominiert das Rapsgelb noch immer. Dabei ist es längst Mai. Der Frühling, spürbar unterkühlt, scheint in diesem Jahr kaum von der Stelle zu kommen. Ein Eindruck, den viele haben und den Jörg Vollert teilt. Dabei kennt der Betriebsleiter der Geithainer Landwirtschaftsgesellschaft, die rund 1500 Hektar eigene und gepachtete Äcker zwischen Rochlitzer Berg im Osten und dem Frohburger Ortsteil Roda im Westen bestellt, Werte, die dieses Empfinden mitnichten untermauern. Denn egal ob Durchschnittstemperatur im April oder die Niederschlagsmenge in den ersten vier Monaten: Die Jahre 2017 und 2016 nähmen sich nicht viel. Fakt sei, sagt Vollert mit einiger Gelassenheit, die Natur sei im Rückstand: „Aber wir können eigentlich nur abwarten, bis sie den wieder aufholt.“ Kein Jahr sei wie das andere; damit lebe die Landwirtschaft - und auch: davon.

„Die Vegetation holt auf. Aber der Ertrag hängt natürlich von der Vegetationsdauer ab“, sagt Jörg Vollert. Angesichts dessen rechne er in diesem Jahr „mit maximal durchschnittlichen Erträgen“. Nicht die Durchschnittstemperaturwerte des Aprils, die mit 8,4 Grad Celsius denen des Vorjahres entsprachen, sei das Problem. Auffällig sei heuer der häufige Wind, der den Boden austrockne, dessen Erwärmung verzögere. Die Konsequenz: Die Frühjahrssaaten gingen später auf, weil die Mineralisierung der Nährstoffe verlangsamt ablaufe. Denn die biochemischen Prozesse im Boden brauchten vor allem Wärme und Feuchtigkeit. Das sehe man vor allem an den Sommerkulturen wie Hafer und Erbsen. Die Wintergerste, im vergangenen Herbst gedrillt, stehe dagegen gut, der Raps sehr gut - in Wartestellungseien sie aber allesamt. Glück habe der Anfang Oktober noch gesäte Winterweizen, so Vollert: „Der hat vor dem Winter noch genügend Wurzeln gebildet.“ Der im November in den Boden gebrachte Weizen schaffte das nicht. Immerhin: Verluste durch Kahlfröste, wie in den Wintern nicht selten, habe man keine, und das kühle trockene Wetter bremse die Entwicklung von Pilzen und Schädlingen.

Entwicklungsrückstände bei den Pflanzen aufholen könne man allenfalls durch eine speziell dosierte Stickstoffgabe, sagt Vollert. Dass die Geithainer die Felder pfluglos bearbeiten, halte einerseits – und das sei gut – die Feuchtigkeit im Boden. Andererseits erwärme sich das Erdreich langsamer. Mit einer Extraportion Stickstoffdünger wird in diesen Tagen das Wachstum der Ähren bei der Gerste stimuliert. Die Geithainer haben sich ausschließlich auf Marktfrüchte spezialisiert. Wären sie Obstbauern oder Winzer, seien die Konsequenzen dieses Frühjahrs 2017 zweifellos schwerwiegender.

Während die Obstbauern wegen der Frostschäden bereits Ausgleichszahlungen ins Gespräch brachten, warnt Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel vor Hysterie. So ungewöhnlich sei das Frühjahr nicht, die Saat sitze in den Startlöchern. „Von Schäden kann im Feldbau noch keine Rede sein“, sagte er. Die Ackerflächen würden jetzt Wärme und vor allem Regen brauchen. Auf den leichten Böden im Landkreis Leipzig würde Wasser fehlen. Das bestätigte auch Jürgen Wick, Vorsitzender im Regionalbauernverband Muldental. In der ersten Hälfte des April seien lediglich 38 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. „Seit Mitte April hat so gut wie keinen Niederschlag in der Region gegeben“, so Wick.

Dennoch sind die Landwirte optimistisch, dass sich die gute Ernte des Vorjahres wiederholt. Bei Raps, Weizen und Gerste konnten die Geithainer im vergangenen Jahr überdurchschnittliche Erträge einfahren. Die Freude darüber gebremst wird durch die Preisentwicklung. „Die Marktsituation ist eher gedrückt. Die Lager sind noch immer voll“, formuliert es der Betriebsleiter. Wer wie das Unternehmen über eigene Lagerkapazitäten verfüge und somit zu einem besonders günstigen Zeitpunkt verkaufe könne, konnte den erhofften Effekt bisher kaum erzielen - „außer beim Raps“. Rund zwei Drittel der Ernte kann das Unternehmen, das sechs Mitarbeiter beschäftigt und deinen Lehrling ausbildet, am Firmensitz in Bruchheim einlagern.

Von Ekkehard Schulreich

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