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Nestor der Bornaer Medizin: Gerhard Schreckenbach stirbt mit 98

Nachruf Nestor der Bornaer Medizin: Gerhard Schreckenbach stirbt mit 98

Gerhard Schreckenbach, der geistige Vater des Bornaer Krankenhauses, ist tot: Der Obermedizinalrat starb drei Wochen nach der Vollendung seines 98. Lebensjahres. Offiziell „nur“ Leiter der Chirurgie, prägte er mit seinem Fachwissen und seiner Persönlichkeit die Geschichte des Krankenhauses, die inzwischen selbst mehr als ein halbes Jahrhundert zurückreicht.

Gerhard Schreckenbach, wie er vielen im Gedächtnis bleibt: Zum 50. Geburtstag des Bornaer Krankenhauses 2013 besuchte er natürlich seine einstige Wirkungsstätte.
 

Quelle: Jakob Richter

Borna.  Ein Lebensjahrhundert zu vollenden, war ihm nicht gegönnt. Darauf angelegt hatte es Gerhard Schreckenbach, der kurz nach seinem 98. Geburtstag starb, mitnichten: Der Mann, der als langjähriger Chefarzt der Chirurgie des Bornaer Krankenhauses weithin bekannt ist und der zurecht als geistiger Vater dieser medizinischen Einrichtung gilt, war ein feinsinniger Mensch der leiseren Töne.

Auch lange nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben nahm er Anteil an dem, was in „seiner“ Klinik – in der er stets gern gesehener Gast war – geschah, war dabei, als das Krankenhaus 2013 selbst ein halbes Jahrhundert alt wurde. Gestützt auf seinen Gehstock, sah man ihn häufig bei Veranstaltungen verschiedener Art, ein wacher Geist, der mit Interesse verfolgte, was sich tat in Gesellschaft, Kultur, Politik, im lokalen Maßstab wie im Weltenganzen. Gestorben am 23. Juli, wird seine Urne in Dresden-Tolkewitz beigesetzt, in jener Stadt, in der Schreckenbach im Sommer 1918 geboren wurde – in die Schrecknisse eines Krieges hinein, der später das Attribut erster tragen würde.

„Wenn etwas Neues besser ist, muss das Alte weichen. Das ist einfach der Lauf der Dinge.“ – So pragmatisch kommentierte Gerhard Schreckenbach den Abriss des alten Operationssaals des Bornaer Krankenhauses, als der vor ein paar Jahren der Erweiterung der Klinik im Wege stand. Dabei war der Saal über Jahrzehnte Arbeits- und damit Lebensraum des Obermedizinalrates, der erst mit 67 in die Rente wechselte zu einer Zeit, da die Politik einen solchen Verzug noch nicht einzufordern wagte. Doch selbst dann galt für seine Kollegen: „Freitagnachmittag bin ich immer noch da.“ Nicht als Besserwisser, sondern als Erfahrener, Verlässlicher im Hintergrund. Dass Schreckenbach Arzt werden würde, stand für ihn von Jugend an fest. Doch der folgende Weltkrieg bremste ihn aus: Unmittelbar nach Beginn des Medizinstudiums in Leipzig musste er Soldat werden. Noch während des Zweiten Weltkriegs aber war es ihm möglich, seinen Abschluss zu machen; er promovierte, war Truppenarzt in einem Lazarett.

Als in den Nachkriegsjahren in der Bergarbeiterstadt Borna ein Krankenhaus aufgebaut werden solle, bewarb sich Schreckenbach, zu der Zeit am St. Georg in Leipzig im Einsatz. Er lernte in Borna noch den Altbau an der Leipziger Straße kennen, hatte die Chance, beim Bau des neuen Komplexes entscheidende Worte mitzureden – getreu der Maxime des damaligen Kreisarztes und ersten Ärztlichen Direktors Otto Jaenicke: „Krankenhaus und Poliklinik müssen eine Einheit sein.“

Vor 55 Jahren, 1961, bezog Gerhard Schreckenbach mit seiner Chirurgie, zu der Unfallchirurgie und Urologie gehörten, den noch gar nicht vollendeten Großbau an der Rudolf-Virchow-Straße. Erst 1963 war der großzügige Neubau komplett: „Das neue Krankenhaus war hochmodern. Es hat die Versorgung maßgeblich verbessert.“ Nicht nur die der in den Tagebauen und in der Kohleverarbeitung Tätigen. Das Bornaer Krankenhaus strahlte weit aus in die gesamte Region.

In den Jahren des Ruhestands reiste Gerhard Schreckenbach mit seiner Frau Christa; sie starb fast zwei Jahrzehnte vor ihm. Er entdeckte das Fotografieren neu für sich. Die Patienten von einst, seine Mitarbeiter und Kollegen, sie werden Gerhard Schreckenbach vermissen.

Von Ekkehard Schulreich

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