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Neue Ausstellung bietet Einblicke in eine Welt der Routine, Rituale und Risiken

Volkskundemuseum Wyhra Neue Ausstellung bietet Einblicke in eine Welt der Routine, Rituale und Risiken

Gleich zwei Ereignisse lockten am Sonnabend zahlreiche Besucher ins Volkskundemuseum Wyhra: Der glänzende Auftritt des Thüringer Salontrios Klatschmohn und die Eröffnung der Ausstellung „Routine, Rituale, Risiken“. Sie hinterfragt Mythen einer verklärten Vergangenheit.

Im Zeichen des Klatschmohns begeisterte das Thüringer Damentrio mit einer unterhaltsamen, musikalischen Reise.

Quelle: Gislinde Redepenning

Borna/Wyhra. Gleich zwei Ereignisse lockten am Sonnabend zahlreiche Besucher ins Volkskundemuseum Wyhra: Der glänzende Auftritt des Thüringer Salontrios Klatschmohn und die Eröffnung der Ausstellung „Routine, Rituale, Risiken“. Sie hinterfragt Mythen einer verklärten Vergangenheit.

Der Hof war sehr gut gefüllt. „In Anbetracht der vielen Veranstaltungen im Umfeld sind wir mit der Resonanz überaus zufrieden“, freute sich Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer über den Zuspruch. „Wir haben schließlich auch sehr gute Musikerinnen engagiert.“

Der kräftige Applaus für die drei Damen, Judith Rotter an der Violine, Eszter Rotter am Piano und Heike Besen am Sousaphon, eine nach Vorschlägen des amerikanischen Komponisten John Philip Sousa gebaute Form der Tuba, gab ihm recht. Sie hatten unter dem Motto „Tanz auf Hof und Heiste“ zu einer musikalischen Reise um die Welt eingeladen und überzeugten mit stilvollen Arrangements aus Ragtime, Jazz, Swing, Salon- und Kaffeehausmusik. Heike Besen trug zudem als charmante Moderatorin mit kleinen Geschichten und Anekdoten zur Erheiterung des Publikums bei.

Nach dem wohltönenden Gastspiel eröffnete Hans-Jürgen Ketzer die Ausstellung mit dem Titel „Routine, Rituale, Risiken“ im bäuerlichen Familienbetrieb um 1900. Exponate und erklärende Tafeln sind rund um eine mächtige Getreidemähmaschine, die den kräftezehrenden Einsatz von Hand in Hand arbeitenden Schnittern und Garbenbinderinnen erleichterte, angeordnet.

„Das Leben war zu dieser Zeit sehr schwer, deshalb war die Routine bei der Bewältigung immer wiederkehrender Abläufe auf den Höfen wichtig“, erklärte Ketzer. Vom Aufstehen übers Ausmisten bis zur Feldarbeit waren die Regeln und Reihenfolgen der Handlungen klar strukturiert.

Aus den Tagesabläufen innerhalb der Familien entwickelten sich Rituale. Manche Zeitzeugen berichten in lebendigen Schilderungen von einer Welt, in der alles in Ordnung war. Erinnerungen wurden verklärt und zu einer idealtypischen Folge von Arbeiten verdichtet. „So sind Mythen entstanden, die wir hinterfragen wollen“, erklärt Ketzer. „Es ging nicht immer harmonisch und idyllisch zu.“

Der riskante Kampf ums Überleben, um die täglichen Bedürfnisse und um den wirtschaftlichen Erfolg hing stets vom geregelten Zusammenspiel in der Familie ab. „Die Aufgaben waren klar verteilt. Es gab keinen Spielraum für Individualität oder ein Ausbrechen“, betonte Ketzer.

Mit dem ersten Weltkrieg beispielsweise veränderten sich die Aufgaben der Frauen, die traditionell von Männern ausgeübte Tätigkeiten übernehmen mussten, als die gefallenen Hoferben nicht zurückkehrten. Nicht zuletzt das Aufkommen der Elektrizität veränderte drastisch die im Laufe der Jahrzehnte entstandenen Routinen. In den Jahren um den ersten Weltkrieg wurden die Dörfer im Leipziger Land ans Stromnetz angeschlossen. Das setzte einen grundlegenden kulturellen Wandel mit veränderten Tagesabläufen und neuen Formen des Zusammenlebens in Gang.

Von Gislinde Redepenning

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