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Neue Brücke in Deutzen in 93 Stunden

Neue Brücke in Deutzen in 93 Stunden

Ein Mammutprojekt ging am Osterwochenende in Deutzen über die Bühne. Innerhalb von 93 Stunden musste die alte Bahnbrücke abgerissen und durch eine neue ersetzt werden.

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Hier werden die Fundamente der alten Brücke abgetragen. Die Oberleitungen der Bahnstrecke sind mit Rohren geschützt.

Quelle: André Neumann

Deutzen. Auch neue Gleise mussten in dieser Zeit auf die Brücke, damit der Zugverkehr wie geplant Montagabend wieder rollen konnte. Normalerweise werden für solch ein Projekt drei bis vier Wochen benötigt, doch die Bahn machte Druck, drohte im Falle des Verzugs "mit massiven Kosten".

Sonnabendmittag um zwölf in Deutzen. Auf der Großbaustelle, dort wo die Sachsenmagistrale die Staatsstraße 50 kreuzt, ging es rund. Schon von weitem hörte man die Bagger und Bohrgeräusche riesiger Maschinen, Laster fuhren ununterbrochen hin und her, brachten die restlichen Teile der alten Bahnbrücke weg. Insgesamt 25 schwere Fahrzeuge waren hier im Dauereinsatz.

Von Gründonnerstag auf Karfreitag - genau um Mitternacht begann hier der Countdown für den Einbau der Brücke. Rund um die Uhr wurde im Schichtbetrieb gearbeitet. Fast 100 Mann waren im Einsatz und das bis Montagabend. Die Zeit saß allen Beteiligten im Nacken - der Baufirma Arlt aus Frankenhain und dem sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV), an Ostern war da nicht zu denken.

Trotz Minusgraden und ständigen Schneefalls in der Nacht wurde am Karfreitag der Zeitplan mehr als eingehalten. Schienen und Leitungen an der alten Brücke wurden entfernt. Pünktlich konnten die Abrissarbeiten an der alten Brücke beginnen.

Bereits am Sonnabendmittag war ein riesiges Stück Arbeit geleistet. Von der ehemaligen Bahnbrücke war nicht mehr viel zu sehen. Nur noch die Kabelbrücke stand. Während die letzten Teile abgerissen und abtransportiert wurden, gruben sich die Bagger durchs Erdreich, Planierraupen schoben Erdmassen für die neue S50 zurecht. Die neue Straße wird unter der neuen Brücke durchführen - den Bahnübergang wird es künftig nicht mehr geben.

"Trotz des schwierigen Wetters liegen wir gut in der Zeit", sagte Carsten Ahner vom Straßenbauamt. Er ist dort Abteilungsleiter für konstruktiven Ingenieurbau. Sein Amt hat die Federführung für das Bauprojekt von Bahn und Freistaat übernommen.

Lärm und Krach zum Osterfest in Deutzen. Doch die Bewohner zeigten viel Verständnis für das Bauprojekt, nahmen es gelassen. Der Osterspaziergang ging in diesem Jahr eben zur Baustelle. Immer mehr Schaulustige und Interessenten, ganze Familien, zog es Sonnabendnachmittag her - egal ob zu Fuß oder per Rad. Vom Rand aus, da wo Betonteile, Baumaschinen und Walzen schon für die nächsten Arbeiten bereitstanden, schauten sie nach unten auf das Geschehen. Mit vollem Respekt.

So kamen auch Brigitte und Rudolf Kassel vorbei, die gleich nebenan wohnen. "Wir finden es gut, wenn Straße und Brücke neu gemacht werden, wenn hier etwas passiert." Die beiden begrüßen auch, dass die Bahnschranke wegfällt. "Das Warten dort war manchmal nervig", meinten sie. Der Baulärm sei für die Eheleute kein Problem: "Das muss eben sein. Wir machen einfach die Fenster zu."

Mit dem Bauprojekt betraut ist die Firma Arlt aus Frankenhain bei Geithain. Die Unternehmenschefs, Kerstin und Harald Arlt, waren mit vor Ort. Trotz Stress nahmen sie sich Zeit, um mit den Deutzenern ins Gespräch zu kommen und über die Bauarbeiten zu informieren. Viele Anwohner wollten nicht nur zuschauen, sondern auch wissen, wo die neue S50 entlangführt, wie der Ort ein Stück umgestaltet wird.

Ostersonntag. Um ein Uhr nachts war wieder eine Etappe geschafft. Die neue 1500 Tonnen schwere Brücke wurde an die Stelle der alten verschoben. Die Baustelle war mit Scheinwerfern beleuchtet. Der Brücken-Koloss musste 30 Meter bewegt werden. Mit Hilfe von Stickstoffpolstern wurde das bewerkstelligt, im Fachjargon Fluidtechnik genannt. "Alles lief planmäßig. Es gab keine Probleme", bestätigte Jan Höpping, Oberbauleiter des Bauunternehmens Arlt.

Auch in der Nacht von Sonnabend auf Ostersonntag hatte Petrus kein Erbarmen: Schnee, Minusgrade, hinzu kam die Umstellung auf die Sommerzeit. "Die Zeitumstellung hatten wir natürlich mit eingeplant", sagte Firmenchef Arlt. "Aber die Witterung und das ständige Schneetreiben machen die Arbeiten anstrengender. Durch die viele Nässe ist der Boden schwer." Um besser arbeiten zu können, wurden im Vorfeld bodenverbessernde Maßnahmen durchgeführt. Gegen Frost und Feuchtigkeit wurden unter anderem Bindemittel ins Erdreich untergemischt.

Sonntagnachmittag thronte die Brücke an ihrem Bestimmungsort. Weiterhin wurde hochkonzentriert gearbeitet. Jeder Handgriff musste sitzen. Die Bauleiter studierten noch einmal die Baupläne, während die Baggerfahrer enorme Mengen Beton zum Verfüllen der Brücke brachten. Etliche Laster holten Erdmasse für die neue Straße heran. An den Seiten wurde mit Rüttlern der Boden schon festgedrückt. Auch an der Straße wurde weiter gearbeitet.

Alles lief im Parallelbetrieb, hintereinander weg, Zuschauer wussten gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollten. Die Gesamtlänge der Straßenunterführung beträgt fast 400 Meter.

Montagabend gegen 22 Uhr sollte der erste Zug über die neue Brücke rollen. Zuvor nahm die Bahn die Strecke ab, prüfte sie auf Sicherheit. Erst danach konnten die Bauleute aufatmen und sich eine Pause gönnen. Das Oster-Bauprojekt wird nicht nur für sie, sondern auch für viele Deutzener in Erinnerung bleiben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2013

Ulrike Wolf

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