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Borna Neue Zuständigkeit für Regiser Knast
Region Borna Neue Zuständigkeit für Regiser Knast
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14:18 19.05.2015
Hinter Gittern: Die Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen nimmt jetzt auch junge erwachsene Strafgefangene bis 25 Jahre auf. Quelle: Günther Hunger

Während in den sächsischen Gefängnissen, in denen erwachsene Gefangene ihre Strafe absitzen, der Platz knapp ist, bietet sich im Jugendstrafvollzug ein ganz anderes Bild. Birgit Ackermand, stellvertretende Pressesprecherin des Justizministerium, spricht auf LVZ-Anfrage von "hohen Belegungszahlen" in den Justizvollzugsanstalten für erwachsene Straftäter sowie "erheblich zurückgegangenen Zahlen im Jugendstrafvollzug". Deshalb habe die JSA Regis-Breitingen eine weitere Zuständigkeit erhalten. Sie muss nun auch erwachsene Gefangene bis 25 Jahre aufnehmen und wird dadurch besser ausgelastet. Allerdings kommen nur junge Männer hinter die Mauern an der Pleiße, die zum ersten Mal einsitzen. Nach Auskunft von Bornas Amtsgerichtsdirektorin Ingrid Graf betrifft die erweiterte Zuständigkeit den Erstvollzug bei einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten bis einschließlich zwei Jahren.

Das Jugendstrafrecht gilt für 14- bis 21-Jährige. Laut Ackermand wurden aber auch schon in der Vergangenheit in der JSA Regis-Breitingen Straftäter untergebracht, die "aufgrund der Länge der zu vollstreckenden Jugendstrafe ein Alter von 25 Jahren und darüber erreichten". Das Durchschnittsalter der Jugendstrafgefangenen habe zum Stichtag 31. März 2013 bei 21 Jahren gelegen.

Die Gruppe der jungen erwachsenen Strafgefangenen im Erstvollzug bis einschließlich 25 Jahre sei für eine Inhaftierung in Regis-Breitingen ebenfalls gut geeignet, weil sie von den vielfältigen Maßnahmen der Anstalt profitieren könne, erklärt Ackermand. Als Beispiele nennt sie Schulkurse und Ausbildungsangebote in den Bereichen Metallbau, Holzmechanik und Fachlageristik sowie die Vermittlung sozialer Kompetenzen. "Dadurch erhöht sich bei diesen jungen Menschen die Möglichkeit einer erfolgreichen beruflichen und sozialen Integration." Auch in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz, wo in Sachsen die weiblichen Straftäter ihre Strafe verbüßen, werden laut Ackermand unter anderem aus diesen Gründen seit mehreren Jahren junge und erwachsene Frauen gemeinsam einquartiert.

Die jungen erwachsenen Gefangenen haben in Regis-Breitingen ihre Zellen in einem gesonderten Bereich. Vier Wohngruppen zu je elf Plätzen werden für sie genutzt. Eine ständige Trennung der erwachsenen Straftäter und der Jugendstrafgefangenen sei rechtlich nicht erforderlich, sagt Ackermand. Laut Gesetz könnten gemeinsame Aus- und Fortbildungsmaßnahmen stattfinden. Wenn sich allerdings am Abend die Schlüssel in den Schlössern der Zelltüren umdrehen, zur sogenannten Einschlusszeit, werden die Jugendlichen und Erwachsenen getrennt.

Der im Jahr 2007 eingeweihte Regiser Jugendknast verfügt derzeit über 327 Plätze, davon 30 im offenen Vollzug. Anderes oder weiteres Personal müsse durch die neue Zuständigkeit nicht nach Regis-Breitingen, sagt Ackermand. Laut JSA-Homepage sind dort derzeit 222 Bedienstete tätig.

Die Zahl der Jugendstrafgefangenen in Sachsen hat sich seit dem Jahr 2000 "erheblich verringert, wohl auch im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel", erklärt Ackermand. Anders gesagt: Der Geburtenknick ist längst bei den potenziellen jungen Straftätern angekommen. Das weiß auch Bornas Amtsgerichtsdirektorin Graf, deren Justizbehörde mit dem Erlass des Justizministeriums eine weitere Aufgabe auf den Tisch bekommen hat. Für die Vollstreckung der Jugendstrafen in Regis-Breitingen ist das Bornaer Gericht originär zuständig, es muss etwa für jeden Jugendstrafgefangenen regelmäßig die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung prüfen. Für die Vollstreckung der Haftstrafen Erwachsener ist hingegen das Landgericht zuständig und hat jetzt in Borna eine außwärtige Strafvollstreckungskammer gebildet. Damit haben die Bornaer Richter auch über Haftangelegenheiten der älteren Kriminellen zu befinden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2014
Prenzel, Frank

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