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Borna Neukieritzsch lehnt großen Aldi in Borna ab
Region Borna Neukieritzsch lehnt großen Aldi in Borna ab
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20:03 06.12.2018
Der Discounter Aldi will in Borna einen weiteren großen Supermarkt bauen. Neukieritzsch befürchtet Nachteile für die eigene Nahversorgung und lehnt die Pläne deshalb ab. Auf dem Bild ist ein Aldi-Markt in Grevesmühlen zu sehen. Quelle: Michael Prochnow
Neukieritzsch

Schadet ein neuer großer Supermarkt in Borna dem kleineren Einzelhandel in der Gemeinde Neukieritzsch? Die Verwaltungsspitze und der Gemeinderat beantworten diese Frage sehr klar mit ja. Deswegen lehnt die Gemeinde, die als Nachbarkommune im derzeit laufenden Bebauungsplanverfahren eine Stellungnahme abgeben kann, das Vorhaben ab.

Es geht um einen Aldi-Markt mit einer Verkaufsfläche von bis zu 1200 Quadratmetern und um einen Drogeriemarkt mit weiteren 750 Quadratmetern auf einer Fläche an der Ecke Leipziger Straße/Sachsenallee in Borna. Angesichts des dortigen unmittelbaren Einzugsgebietes des „Hochhausviertels“ und der Wohnungen in Borna-Ost lasse sich aus Sicht des Neukieritzscher Bauamtes ein städtebauliches Erfordernis für die beiden Märkte nicht begründen. Immerhin rede man hier „von großflächigem Einzelhandel“, sagte Bauamtsleiter René Hertzsch im Gemeinderat.

An der Ecke Leipziger Straße/Sachsenallee könnte ein neuer größerer Aldi samt Drogeriemarkt entstehen. Quelle: Patrick Moye

Breites Einzugsgebiet für neue Märkte

Und der zielt laut Beschreibung in den Planungsunterlagen auf die Stärkung Bornas „als Versorgungszentrum für seinen Verflechtungsbereich insgesamt“ ab. Heißt aus Sicht des Neukieritzscher Bauamtes: Die beiden neuen Märkte sollen Kunden unter anderem aus Deutzen, Frohburg, Geithain, Kitzscher, Kohren-Sahlis, Narsdorf, Neukieritzsch und Regis-Breitingen anziehen. Das aber sei gar nicht erforderlich, weil der Einzugsbereich nicht unterversorgt sei. So wie ganz Borna gefühlt eher überversorgt sei. Zudem würden die Kommunen selbst teils unter großen Schwierigkeiten versuchen, ihre Handelseinrichtungen zu erhalten.

„Es wird deutlich auf die Region abgezielt“, sagte Hertzsch, der für Neukieritzsch einen weiteren Verlust an Kaufkraft befürchtet. Damit werde es immer schwerer, Nachfolger für eigene Handelseinrichtungen zu finden. Aktuelles Beispiel ist Deutzen. Erst dieser Tage hat die Betreiberin des Geschäftes im Mehrzweckgebäude am dortigen Markt der Gemeinde die Kündigung übergeben, Ende des Jahres ist hier Schluss. Dabei hatte die Gemeinde schon die Miete halbiert, wie Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) sagte. Um einen Nachnutzer zu finden, würde er sogar nur noch einen symbolischen Euro und die Betriebskosten berechnen. Doch die Chancen stünden schlecht.

Kommentar: Verzweifeltes Neukieritzsch setzt ein Zeichen

Von André Neumann

Eigentlich fordere der Regionalplan doch die Stärkung des ländlichen Raumes. Doch dieses Bauvorhaben schwäche ihn. Es klingt wie ein Ruf der Verzweiflung, was der Neukieritzscher Gemeinderatsabgeordnete Claus Bruncke in der Debatte um die Ansiedelung zweier neuer großer Discount-Märkte in Borna sagte. So verzweifelt wie die Ablehnung des Vorhabens durch die Gemeinde insgesamt.

Neukieritzsch befürchtet nichts anderes, als das weitere Ausbluten der eigenen noch dünn vorhandenen Handelsstruktur. Und das zu Recht. Förderung des ländlichen Raumes sieht anders aus, als immer neue und größere Einkaufsmöglichkeiten in den Städten anzusiedeln. Wobei – und das ist die bittere Ironie dabei – die kleinen Städte wie Borna aus Dresdener, Chemnitzer und Leipziger Sicht ja selbst ländlicher Raum sind und sich selbst zu behaupten versuchen. Auf Kosten der noch kleineren Orte.

Landesplanerische Steuerinstrumente versagen an dieser Stelle. Der freie Markt sowieso, der eröffnet seine Handelsplätze dort, wo Geld zu verdienen ist. Lebensqualität der Bevölkerung spielt da keine Rolle, auch wenn die Werbung etwas anderes vorgaukelt. Die Leute kommen zu den Märkten – weil es da billig ist, und weil es zu Hause im Dorf bald nichts mehr gibt.

Und die Kommunen spielen munter mit. Sie geben, das ist mittlerweile leider üblich, ihre Planungshoheit faktisch aus der Hand, indem sie die Discounter – und nicht nur die – ihre sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungspläne selbst schreiben und bezahlen lassen. Was die Handelsriesen für einen aussichtsreichen Standort natürlich gerne tun.

Neukieritzsch handelt richtig mit seiner Ablehnung, setzt zumindest ein Zeichen. Wie weit die Gemeinde geht, wenn Borna freundlich einen Haken an die Stellungnahme macht? Neukieritzsch ist nicht der einzige betroffene Nachbar von Borna. Wäre mal was Neues, wenn mehrere Kommunen sich gegen die Kreisstadt verbünden würden ...

Zukunft der bestehenden Aldi-Märkte unklar

Die Neukieritzscher Gemeinderäte folgten überwiegend der Argumentation der Verwaltung. Zu der auch gehört, dass noch nicht mal ausgemacht sei, dass die beiden derzeitigen Bornaer Aldi-Märkte nicht als Discounter weiterbetrieben werden. Ein Abriss sei jedenfalls nicht Bestandteil der Neubaupläne. Bezüglich des Marktes in Borna-Ost heißt es darin wörtlich, das Geschäft werde „geschlossen und entsprechend nachgenutzt“. Das könne, befürchtet Hertzsch, auch ein anderer Supermarktbetreiber übernehmen.

Und was den anderen Aldi-Markt in Bornas Westen betrifft, so ist Hertzsch noch nicht davon überzeugt, das jener verschwindet, weil die Lebenshilfe die Fläche für einen neuen Wohnpark kaufen und nutzen will. Da höre man auch anderes, kommentierte Hertzsch einen LVZ-Bericht.

Die Gemeinde Neukieritzsch ist sich nicht sicher, dass die beiden bestehenden Aldi-Märkte in Borna (hier in der Oststraße) nach der Schließung nicht von anderen Discountern weiter betrieben werden. Quelle: Andreas Döring

Gemeinde befürchtet Worst Case-Szenario

In der Konsequenz sieht die Gemeinde in ihrer offiziellen Stellungnahme ein regelrechtes Bedrohungsszenario durch die Ansiedlung zweier neuer Märkte. Das Vorhaben, heißt es darin, „würde weitere erhebliche negative Auswirkungen auf die Nahversorgung auch in unseren Ortsteilen verursachen, indem deren eigene Entwicklung und Nahversorgungsfunktion zusammenbricht.“

Der Gemeinderat lehnte die Bornaer Pläne mit großer Mehrheit per Beschluss ab. Die Erfolgsaussichten werden allerdings nicht all zu rosig gesehen, denn, sagte Bürgermeister Thomas mit spürbarer Verbitterung: „Borna ist Mittelzentrum und setzt darauf, das Umland mit zu versorgen. Dass Lieschen Müller auf dem Land kein Auto hat, interessiert die Planer nicht.“

Von André Neumann

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