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Neukieritzsch sagt ja zum Seehaus

Neukieritzsch sagt ja zum Seehaus

Vier Jahre nach dem ersten Anlauf kommt der Seehaus-Verein mit seinem Strafvollzug in freien Formen für jugendliche Straftäter nun voraussichtlich doch ans Nordufer des Hainer Sees.

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Der Seehaus Verein will am Nordufer des Heiner Sees gegenüber der Lagune Kahnsdorf bauen.

Quelle: Jakob Richter

Neukieritzsch. Mit Neukieritzsch hat jetzt die Gemeinde grünes Licht für das Vorhaben gegeben, auf deren Gemarkung der Verein bauen möchte.

 

 

Die Entscheidung fiel im Gemeinderat von Neukieritzsch am Dienstagabend nicht einstimmig, aber deutlich: bei drei Enthaltungen und drei Gegenstimmen sprachen sich neun Gemeinderäte für die Ansiedlung aus. Die Positionen waren bereits klar, die inhaltliche Debatte war einen Monat zuvor in nichtöffentlicher Sitzung geführt worden. Zwei Kahnsdorfer sprachen sich in der Bürgerfragestunde vehement gegen das Vorhaben aus. Wilfried Fleischhauer fürchtete um den Wert seines Grundstückes und stellte fest: "Niemand will das haben, macht eine Bürgerbefragung!" Jochen Werner warnte davor, der Seehaus-Verein denke bereits jetzt über größere Gruppen nach, als die zunächst 14 im Antrag vorgesehenen Plätze.

Angesichts von Widerständen aus der Bevölkerung, die unter anderem bei Einwohnerversammlungen in Kahnsdorf und Großzössen deutlich geworden waren, plädierte auch CDU-Gemeinderat Michael Günther dafür, die Abstimmung zugunsten von noch mehr Aufklärung zu verschieben. Dieses Ansinnen hatte auch die Linken-Abgeordnete Hella Hallert, sie wollte vor dem Beschluss eine Aussage von See-Betreiber Blauwasser über die Zusicherung des öffentlichen Zutrittsrechtes für den See. Die Mehrzahl der Gemeinderäte plädierte dagegen für sofortige Abstimmung ohne weitere Bedingungen.

Bürgermeister Henry Graichen bekräftigte seine Haltung, dass von der Ansiedlung des Strafvollzugs in freien Formen am Nordufer "keine Problemlage" für Kahnsdorf ausgehe. Zumal selbst die Betreiber künftiger touristischer Angebote in der Nachbarschaft keine Bedenken sehen würden.

Mit der Neukieritzscher Zustimmung ist noch kein Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt, welches an der Stelle erforderlich ist. Das soll am 16. April in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Planung und Erschließung Witznitzer Seen geschehen, an den die Mitgliedskommunen Borna, Böhlen, Rötha, Neukieritzsch und Espenhain ihre Planungshoheit für die Seen übertragen haben. Während Rötha bei seiner schon vor drei Jahren beschlossene Ablehnung bleibt, wie Bürgermeister Ditmar Heym (parteilos) gestern der LVZ sagte, haben sich Borna, Böhlen und Espenhain dem Vernehmen nach für das Projekt ausgesprochen. In den Rathäusern war dazu gestern keine Auskunft zu bekommen.

Michael Richter vom Seehaus-Verein war gestern immerhin zuversichtlich, dass die Entscheidung der Gemeinde Neukieritzsch, auf deren Gemarkung das Grundstück liegt, den Ausschlag geben könnte, damit das Bebauungsplanverfahren am 16. April angeschoben werden kann. Auch Richter spürt in der Öffentlichkeit nach wie vor Ablehnung, Vorurteile und, wie er sagt, "Verschwörungstheorien" gegenüber dem freien Strafvollzug. Allerdings ist er auch überzeugt, dass vier Jahre Seehaus in Störmthal auch bei anfänglichen Kritikern die Erkenntnis reifen ließen: "Da passiert nichts Aufregendes".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.03.2013

Neumann, André

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