Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Neukieritzsch und Groitzsch diskutieren Glasfaser
Region Borna Neukieritzsch und Groitzsch diskutieren Glasfaser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 08.06.2018
Glasfaser-Netze bieten im Festnetzbereich die schnellsten Datenverbindungen. In Neukieritzsch hat ein Anbieter, der Glasfaser bis in die Wohnungen verlegt, den Gemeinderat jetzt nicht überzeugen können. Quelle: Vodafone
Anzeige
Neukieritzsch

In den Ortslagen Neukieritzsch und in Breunsdorf wird es vorläufig kein Glasfasernetz geben. Der Gemeinderat hat es abgelehnt, mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser einen Kooperationsvertrag abzuschließen. Stattdessen setzt Neukieritzsch auch im Hauptort der Gemeinde auf den Vectoring-Ausbau, wie er in allen anderen Ortsteilen schon erfolgt ist.

Glasfaserkabel muss bis in die Wohnung

Für den Festnetz-Internet-Anschluss ist das Glasfaserkabel derzeit das Nonplusultra. Es ermöglicht Datenübertragungsraten weit oberhalb des auf der sogenannten letzten Meile (vom Verteilerkasten bis in die Häuser) noch immer gängigen Kupferkabels. Dazu muss das Glasfaserkabel bis in die Wohnung verlegt werden.

Das Unternehmen Deutsche Glasfaser bietet genau das mit einem eigenen, separaten Ortsnetz auch im ländlichen Raum an, setzt dabei aber auf Schützenhilfe durch die Kommunen. Mit denen möchte das Kommunikationsunternehmen einen Kooperationsvertrag abschließen mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Erst dann würde um Kunden im Ort geworben. Schließen wenigstens 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag ab, würde gebaut.

Neukieritzscher Rat ist skeptisch

An dem Tag, als Michael Kölling von der Deutschen Glasfaser das Projekt im Neukieritzscher Gemeinderat vorstellte, wurde in Thallwitz im Landkreis Leipzig gerade begonnen, die ersten Haushalte anzuschließen. Im Neukieritzscher Gemeinderat überwog aber die Skepsis. Das zeigte sich schon in den Fragen an den Vertreter der Firma und verfestigte sich später in der nicht öffentlich geführten Debatte.

Wege müssten aufgerissen werden

„Wir haben uns erst einmal dagegen entschieden“, fasste Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) auf LVZ-Anfrage deren Ergebnis zusammen. Und das offenbar aus mehreren Gründen. Einen hatte Bauamtsleiter René Hertzsch während der öffentlichen Sitzung schon angesprochen.

Zwar will das Unternehmen mit schmalen und flachen Gräben in den Gehwegen auskommen, dennoch müssten eben in der gesamten Ortslage Wege aufgerissen werden. Das wurde offenbar als Problem angesehen.

Telekom und Inexio wollen liefern

Hinzu kommt: Die Offerte des Glasfaseranbieters kommt zeitgleich mit der Ankündigung der Telekom und des Unternehmens Inexio, demnächst auch in Neukieritzsch und Breundsdorf mit der Vectoring-Technologie schnelles Internet für alle liefern zu wollen. Dann würden alle Ortsteile mit dem gleichen Standard versorgt sein. Angesichts dessen waren die Zweifel wohl erheblich, ob die von dem Unternehmen vorgegebenen 40 Prozent Anschlüsse realistisch sind.

Das Thema Glasfaser in Neukieritzsch ist damit für beide Seiten aber nicht ganz vom Tisch. Michael Kölling legt das Projekt „für den Moment“ ad acta, schließt aber nicht aus, dass sein Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt noch mal auf Neukieritzsch zugeht. Bürgermeister Thomas Hellriegel geht davon aus, dass der Landkreis seine Überlegungen für ein Glasfasernetz in der Region irgendwann umsetzt.

Groitzscher Skepsis: Wenige Orte wären einbezogen

Das Unternehmen Deutsche Glasfaser steuert mit seiner Breitbandversorgung immer mehr Kommunen in der Region an. In Groitzsch stellten Vertreter das Vorhaben den Abgeordneten des Technischen Ausschusses vor. „Das war nur eine Information“, sagte Bürgermeister Maik Kunze (CDU) anschließend. „Eine Entscheidung gab es nicht. Eventuell besprechen wir das in einer weiteren Sitzung.“ Vor den gesamten Stadtrat wolle er das Thema aber nicht tragen.

Aus seiner Sicht könnte das Projekt interessant sein – wenn sich das Unternehmen nicht nur die Kernstadt und die umliegenden Dörfer Wischstauden, Brösen, Schnaudertrebnitz, Audigast und Kobschütz herauspicken würde. Während dort Glasfaserleitungen bis in die Haushalte, die vertraglich gebunden sind, gelegt würden, wären zwei Dutzend Ortsteile außen vor. „Das sehe ich als großes Problem.“ Zudem sei nicht klar, wie in nächster Zeit Tiefbaufirmen für die Verlegung der Kabel gewonnen werden beim aktuellen Mangel an Kapazitäten.

Momentan hat Groitzsch beim schnellen Internet keinen Leidensdruck, sagte Kunze. „Es gibt bei uns wohl keine akute Unterversorgung. Nachdem die Telekom den Raum Berndorf mit dem Vectoring-Verfahren aufgerüstet hat, ist ein gewisser Standard erreicht.“ Ob es da zielführend sei, noch mal die Orte aufzugraben, um eine Steigerung der Datenübertragungsrate von 50 auf 100 Megabit pro Sekunde zu erreichen? Eine ähnliche Skepsis habe er auch bei den Stadträten in der Sitzung festgestellt.

Ihm fehle ein mit Groitzsch vergleichbares Projekt. Die Internetversorgung in Kommunen wie Thallwitz (Kreis Leipzig) und Bad Düben (Nordsachsen), die mit der Deutschen Glasfaser Geschäfte machen, war wohl zuvor wesentlich schlechter. Brandis, Bennewitz und Trebsen (alle Kreis Leipzig) setzen auf die Firma, haben aber die verlangten 40 Prozent interessierten Haushalte noch nicht erreicht.

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach vier Wochen können etliche betroffene Neukieritzscher wieder vernünftig telefonieren. Sie waren von ihren Gesprächspartnern nicht oder nur teilweise zu hören.

05.06.2018

Eine besondere Frühstücksrunde trifft sich ab sofort allwöchentlich im Erlebnishotel „Schiffsmühle“ im Grimmaer Ortsteil Höfgen: Muldentaler Unternehmer gründeten ein Chapter des Unternehmernetzwerkes BNI, das sich der Pflege von Geschäftskontakten widmet. Auch in Borna ist eine Gruppe geplant.

08.06.2018

Der Kreiselternrat im Landkreis Leipzig hat eine Befragung zur Schülerbeförderung abgeschlossen – 760 Teilnehmer machten darin ihre Positionen klar. Weitere Themen der jüngsten Vollversammlung: die Zukunft der Schullandschaft sowie der Ausbau der Schulsozialarbeit.

05.06.2018
Anzeige