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Neukieritzscher Sauerkraut und Gurken kommen künftig von Schlichting aus Plauen

Firmenschließung Neukieritzscher Sauerkraut und Gurken kommen künftig von Schlichting aus Plauen

Das Traditionsunternehmen Neukieritzscher Rohkonserven GmbH empfing gerade noch Besucher während der Tage der Industriekultur. Jetzt stellt die Manufaktur den Betrieb ein. Die Marke soll es dennoch weiter geben.

Firmenchefin Susanne Albrecht erläutert, warum sie den Familienbetrieb schließt.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch. Ein Neukieritzscher Traditionsbetrieb gibt auf. Ende September schließt die Neukieritzscher Rohkonserven GmbH. Das bestätigte Geschäftsführerin und Mehrheitsgesellschafterin Susanne Albrecht (48) im Gespräch mit der LVZ. Die Marke Neukieritzscher Rohkonserven soll es aber weiterhin geben. Sie wurde an die Firma Schlichting in Plauen (Vogtland) verkauft.

Die Entscheidung zur Schließung hatte die Gesellschafterversammlung im Frühjahr gefällt. Die Belegschaft von derzeit noch neun Mitarbeitern war Ende Juli informiert worden. Allen wurde gekündigt. Darüber hinaus hatte Albrecht versucht, das Aus ihrer Firma noch möglichst lange geheim zu halten. Sie habe zunächst den Verkauf der Marke vereinbaren und alle Kunden persönlich informieren wollen, begründet sie das Stillschweigen.

Vor drei Wochen hatte sich das Unternehmen sogar noch an den diesjährigen Tagen der Industriekultur beteiligt und Besuchern die traditionelle Form der Sauerkrautherstellung gezeigt.

„Die Leute sind begeistert und denen schmeckt das alles“, sagt die promovierte Chemikerin. Zum wirtschaftlichen Auskommen reichte das aber offenbar nicht mehr. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, macht Albrecht auf mehrere Probleme aufmerksam, die in der Summe den Weiterbetrieb nicht mehr gerechtfertigt hätten. So sei der Sommer schon immer eine schwache Absatzzeit gewesen. Durch die nach vorn gerückte Ferienzeit dehne sich dieser Zeitraum weiter aus. Auch der Mindestlohn spiele eine Rolle. Der habe zu höheren Kosten im Einkauf geführt, die sich im Verkauf nicht umsetzen ließen.

„Wir sind nicht insolvent“, tritt Susanne Albrecht Spekulationen entgegen. Es handele sich um eine geordnete Schließung. Es falle ihr keinesfalls leicht, den Betrieb ihres Vaters nicht fortführen zu können, beteuert sie,

Damit endet die Geschichte einer Manufaktur, die 1927 unter Albin Lanzendorf in Borna begonnen hatte. Acht Jahre später kaufte der Unternehmer Teile der ehemaligen Chemiefabrik Oehme in Neukieritzsch, wo das Unternehmen bis zu seiner Verstaatlichung 1972 als Familienbetrieb geführt wurde. Zwanzig Jahre später kaufte Werner Albrecht den Betrieb von der Treuhandanstalt. Er war 1959 als Böttcher in die Firma gekommen und leitete ab 1972 den volkseigenen Betrieb. Nach der Wende führte er die wieder private Firma bis zu seinem Tod im Jahr 2012.

Damals übernahm seine Tochter die Leitung der Neukieritzscher Rohkonserven GmbH, die Sauerkraut, Gewürzgurken, Weißkraut und eingelegte Champions herstellte und im Hofverkauf sowie über den Einzelhandel vertreibt. Sauerkraut und Gewürzgurken wird das Plauener Unternehmen Schlichting unter dem Namen Neukieritzscher Rohkonserven weiter anbieten, allerdings nicht in allen bisher bekannten Verpackungsgrößen. Über die eingelegten Champignons, eine besondere Spezialität der Neukieritzscher, wurde zuletzt noch verhandelt.

Schlichting ist ein vor 135 Jahren gegründetes Familienunternehmen mit ähnlicher Produktpalette wie die Neukieritzscher Rohkonserven. Allerdings wird im Vogtland seit langem industriell produziert.

Auch wenn das Ende der Firma und die Kündigungen jede Menge Ärger ausgelöst haben, will Susanne Albrecht vor allem den Mitarbeitern für deren langjährige Treue danken, die viele auch schon ihrem Vater entgegengebracht hatten. Den Neukieritzschern und vielen Kunden dankt sie für „die Anerkennung der handwerklichen Tätigkeiten in unserem Unternehmen“. Zugleich appelliert sie an die Verbraucher, der Marke treu zu bleiben, auch wenn die Produkte mit dem bekannten Namen nicht mehr aus Neukieritzsch kommen.

Von André Neumann

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