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Neukieritzscher Standesamtsbezirk wird größer: Böhlen kommt dazu – Rötha zögert

Ab 2017 Neukieritzscher Standesamtsbezirk wird größer: Böhlen kommt dazu – Rötha zögert

Die Stadt Böhlen überträgt die Aufgaben seines Standesamtes auf Neukieritzsch. Böhlener können trotzdem noch im Böhlener Rathaus oder auf dem Flugplatz heiraten. In Neukieritzsch rechnet man mit noch mehr Zulauf für die eigenen Hochzeits-Orte. Im Röthaer Stadtrat wurde die Angelegenheit vertagt.

Das Schillercafé in Kahnsdorf ist als Ort für Eheschließungen beliebt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Rötha/Neukieritzsch/Böhlen. Die Gemeinde Neukieritzsch und die Stadt Böhlen werden ab dem 1. Januar einen gemeinsamen Standesamtsbezirk bilden. In Vorgesprächen hatte auch die Stadt Rötha signalisiert, die Aufgaben des eigenen Standesamtes auf Neukieritzsch übertragen zu wollen. Doch im Röthaer Stadtrat wurde die Angelegenheit vertagt.

Böhlen gibt grünes Licht

Böhlen hatte in seiner jüngsten Stadtratssitzung für einen gemeinsamen Standesamtsbezirk grünes Licht gegeben. Der Grund: „Seit 2007 hat die Stadt das Problem der gesetzlich vorgeschriebenen Zweitbesetzung des Standesamtes“, so Rathauschef Dietmar Berndt (parteilos). Die Erkrankung einer Standesbeamtin habe zurückliegend gezeigt, wie instabil die Konstellation sei. Bereits der Verwaltungsausschuss hatte die Empfehlung gegeben, mit Neukieritzsch und Rötha einen gemeinsamen Standesamtsbezirk zu bilden, „um im Bereich Personenstandswesen unsere Kräfte zu bündeln und kostengünstiger arbeiten zu können“. Auf Nachfrage von Stadträten machte Berndt deutlich, dass für Böhlen der Vertrag erst einmal auf eine bestimmte Zeit angelegt sei. „Wie lange, steht aber nicht fest.“

14 Trauungen nimmt die Stadt bisher durchschnittlich im Jahr vor, und wer in Böhlen heiraten wolle, könne das auch nach wie vor. Sowohl das Standesamtszimmer als auch der Flugplatz stünden weiterhin zur Verfügung. Letzterer war erst im vergangenen Jahr erstmals für ein Ja-Wort genutzt worden und erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit. Denn die Piloten lassen es sich nach Absprache nicht nehmen, Brautpaare zur Wolke sieben zu fliegen. Ein Dienstzimmer für alle anderen Angelegenheiten, die Bürger auf dem Standesamt erledigen müssen, gibt es dann nur noch in Neukieritzsch.

Neukieritzsch arbeitet bereits für Regis

Das Neukieritzscher Standesamt erledigt seit 2014 auch schon für die Stadt Regis-Breitingen die Aufgaben. Für Neukieritzsch ist der Zeitpunkt, die Geschäfte für Böhlen mit zu übernehmen, günstig, da die eigene Standesbeamtin zum Jahreswechsel aufhört und die Kollegin aus Böhlen die Stelle übernehmen wird. Sie bringe, sagte Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU), der Gemeindeverwaltung sogar noch einen Mehrwert, da sie über eine Ausbildungsbefähigung verfüge.

Mit der Erweiterung des Standesamtsbezirkes durch Böhlen erwartet Neukieritzschs Hauptamtsleiterin Petra Jung einen weiteren Aufschwung für die eigenen Hochzeitsorte. Sowohl das erst vor wenigen Jahren komplett umgebaute Trauzimmer im Gemeindeamt als auch das im Schillerhaus in Kahnsdorf seien laut Jung schon jetzt sehr beliebt bei Heiratswilligen.

Als der Neukieritzscher Gemeinderat Anfang voriger Woche über den gemeinsamen Standesamtsbezirk diskutierte, war noch nicht klar, wie sich Rötha zwei Tage später entscheiden würde. Die Vereinbarung dazu hatten die Verwaltungen bereits vorbereitet, doch im Stadtrat fiel der Vorschlag der Verwaltung durch. Die Begründung von Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos), wonach Rötha erheblich von Personalkosten entlastet werde und bei Technik, Büroausstattung und den für Standesbeamte nötigen Schulungen spare, überzeugte Kritiker nicht.

Röthaer Stadträte zweifeln an Einspareffekten

Angesichts der Tatsache, dass Bürosprechzeiten für Röthaer wegfallen und insbesondere aus den Ortsteilen der Weg nach Neukieritzsch weit ist, machte Hendrik Reichel (Linke) eine andere Rechnung auf: „Wir geben Komfort für unsere Bürger auf. Da möchte ich genau wissen, was wir sparen.“

Aus seiner Sicht nicht viel. Nach Schätzungen von Bürgermeister Eichhorn muss Rötha 16 000 Euro im Jahr als Kostenumlage an Neukieritzsch zahlen. Die Röthaer Standesbeamtin soll aber nicht mit nach Neukieritzsch gehen, sondern im Röthaer Rathaus andere Aufgaben bekommen. Ihre Vertreterin geht erst Mitte 2017 in den Ruhestand. Weil Standesamtsbezirke immer nur zum Jahreswechsel neu gebildet werden dürfen, erklärte Eichhorn, müsse die Stadt dann eine neue Standesbeamtin als Zweitbesetzung einstellen.

Der Stadtrat folgte ohne Abstimmung der kritischen Sicht des Linken-Abgeordneten und nahm den Punkt von der Tagesordnung. Wiedervorlage auf der nächsten Sitzung Ende September möglich. Ob ein dann gefasster Beschluss noch rechtzeitig käme, bezweifelt der Neukieritzscher Bürgermeister Hellriegel (CDU). Denn die Standesamtsneubildung müsse sowohl vom Landkreis als auch vom Innenministerium bestätigt werden. Die Konstellation funktioniere auch ohne die Beteiligung der Stadt Rötha.

Von Julia Tonne und André Neumann

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