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Borna Neukieritzscher bei Festakt in deutscher Botschaft Den Haag
Region Borna Neukieritzscher bei Festakt in deutscher Botschaft Den Haag
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14:10 19.05.2015
Cornelius Bart (2.v.l) und seine Frau Nellie (l.) schauen sich mit Clara und Geerd Fierstra auf einer Karte an, wo sich das Lager in Lippendorf befand. Quelle: Detlef Bergholtz

Dort wird Cornelius Bart (62) aus der niederländischen Stadt Beverwijk mit dem Bundesverdienstorden am Bande geehrt. Eine Auszeichnung, die auch eine ganze Menge mit Neukieritzsch zu tun hat.

Cornelius Bart, den auch seine hiesigen Freunde Cor nennen, kümmert sich seit vielen Jahren um die Erforschung der Schicksale und die Bewahrung des Andenkens jener 486 Männer aus seiner Heimatstadt, die während einer Razzia am 16. April 1944 zusammengetrieben und nach Deutschland verschleppt wurden, wo sie in Zwangsarbeitslagern schuften mussten. Was viele nicht überlebten. Darunter war auch ein Onkel von Cornelius Bart. Zwei der Lager befanden sich auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Neukieritzsch - in Peres und auf der Halde bei Lippendorf. In dem vom Heimatverein Lippendorf-Kieritzsch herausgegebenen Buch "Höhensonne und Alpenrose" hat Detlef Bergholtz die beiden Lager beschrieben. Ein weiteres sogenanntes Arbeitserziehungslager hatten die Nazis in Zöschen eingerichtet, einem Ort bei Leuna. Auch dorthin wurden 1944 junge Männer aus Beverwijk gebracht, auch dort kümmert sich ein Geschichtsverein um dieses traurige Kapitel der regionalen Historie. Dieser Verein hatte im vorigen Jahr beim Bundesaußenministerium angeregt, Cor Bart mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande auszuzeichnen.

Die mittlerweile rund zwölf Jahre andauernde Bekanntschaft von Familie Bergholtz mit Cornelius Bart geht auf die Forschungen zum Schicksal der verschleppten Niederländer zurück. Drei- bis viermal im Jahr sieht man sich, meistens zu Veranstaltungen an Gedenkorten in Zöschen, Neukieritzsch oder Beverwijk, noch häufiger wird telefoniert. Aus gemeinsamer Forschungsarbeit über nationalsozialistische Gräueltaten wurde im Laufe der Zeit Freundschaft. Man trifft sich auch zu Familienfeiern und nach offiziellen Begegnungen zum Familienessen. Deswegen hat Cornelius Bart auf die ihm von der Botschaft zugestandene 50 Personen umfassende Einladungsliste auch Hella und Detlef Bergholtz setzen lassen.

Nach 2002 entwickelten sich aus der Aufarbeitung der historischen Ereignisse auch Kontakte auf Ebene der Gemeinden zwischen Neukieritzsch, Beverwijk und Zöschen. 2012 nahm Henry Graichen erstmals an der jährlich im April stattfindenden Gedenkveranstaltung in der niederländischen Stadt teil, die an jene Razzia am 16. April 1944 erinnert. 2014 jährte sich das Datum zum 70. Mal. Graichen war erneut dabei und wird morgen die Gemeinde Neukieritzsch bei der Verleihung des Ordens an Cornelius Bart offiziell vertreten. Der Niederländer hat viel dafür getan, dass aus einem verbindenden schrecklichen geschichtlichen Ereignis heute deutsch-niederländische Verständigung geworden ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.10.2014
Neumann, André

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