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Nicht für alle: Lieblingsfach Schulgarten

Groitzscher Grundschule Nicht für alle: Lieblingsfach Schulgarten

Einst gehörte der Schulgarten fest in den Lehrplan – lang ist’s her. Gleichzeitig wird beklagt, dass Kinder nicht mehr wissen, wie Kohlrabi und Tomate wachsen – und sich oft auch gar nicht dafür interessieren. In vielen Familien spielt das Gärtnern keine Rolle mehr. Es gibt jedoch immer noch Steppkes, die jubeln: „Ich liebe Schulgarten!“

Im Groitzscher Schulgarten steht auch ein Insektenhotel. Colin (l.) und Jason haben davor ihren Spaß. Sie spielen „Ich bin eine Biene und lande gleich im Hotel“.

Quelle: Andreas Döring

Groitzsch. Vorsichtig nimmt die achtjährige Nina die kleine Kohlrabi-Pflanze in die Hand. „Ich liebe Schulgarten“, sagt das Mädchen. „Überhaupt bin ich gerne draußen. In unserem Garten zu Hause pflanzen wir Erdbeeren und Minze und andere Kräuter. Ist schön, wenn man das dann ernten und essen kann oder wir machen Tee daraus.“ Auch ihre Schulfreundin Marlene ist Schulgarten-Fan. „Das ist mal was anderes, als den ganzen Tag im Klassenzimmer zu sitzen. Hier ist frische Luft“, meint die Neunjährige. Ja, sie hilft auch gern ihrem Opa in seinem Garten, wo so allerlei wächst. Sie zählt auf: „Kohlrabi, Tomaten, Erdbeeren und ganz viele andere Sachen.“

So begeistert wie die beiden Mädchen aus der 2a sind aber nicht alle Kinder im Garten der Groitzscher Grundschule. Dabei bietet Lehrerin Lisa Brunsch einen spannenden Unterricht an. Das Beet ist umgegraben, Kohlrabipflanzen stehen bereit. Zunächst dürfen die Steppkes zwei kleine Wege trampeln, um das Pflanzen zu erleichtern. Auch Theorie wird vermittelt. Was kommt in die Erde, die Blätter oder die Wurzel und warum? Wo wächst der Kohlrabi eigentlich? An solchen Fragen haben einige Kinder ganz schön zu grübeln. Als sie später kleine Löcher buddeln, Pflänzchen einsetzen, Erde andrücken und schließlich gießen, wirkt so mancher Schüler doch ein wenig gelangweilt.

Viele Schüler haben mit Garten gar nichts am Hut

„Es ist unterschiedlich“, sagt Lehrerin Brunsch. „Einige Schüler kennen sich super aus, weil die Familie zu Hause einen Garten hat. Sie sind motiviert. Viele aber haben damit überhaupt nichts am Hut und interessieren sich auch nicht sehr dafür.“ Vor allem diesen Kindern versucht die 31-Jährige den Kontakt zur Gartenwelt zu vermitteln. Damit sie zum Beispiel verstehen, dass das Gemüse nicht aus dem Laden kommt, sondern in der Erde wächst.

So wuseln die Zweitklässler auf ihrem Beet umher, mit mehr oder weniger Elan, je nachdem. „Mit den Pflanzen in der Reihe bleiben“, hören sie von ihrer Lehrerin oder: „Das Loch muss tiefer!“ Es gibt auch manche Sorgen: „Oh, bei mir ist ein Blatt abgebrochen...“ Nach der Arbeit heißt es Geräte putzen und sie wieder in den Schuppen bringen.

Den Groitzscher Schulgarten gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. Die Stunden am Beet gehören vom Frühjahr bis zum Herbst zum Sachkundeunterricht. „Schön ist natürlich, wenn die Kinder das, was sie angebaut haben, dann auch essen können“, sagt die Pädagogin und hofft, dass es mit dem Kohlrabi kurz vor den Sommerferien klappt. Sie selbst mag Gärten sehr, seit einigen Jahren hat sie auch einen eigenen, das Pflanzen interessiert sie aber schon viel länger.

Nachwuchs entfernt sich von Natur – ist das Handy schuld?

Gärten für Schüler haben eine lange Tradition. Schon in der Antike soll der Philosoph Platon mit seinen Schülern gegärtnert haben, um sie für Natur zu begeistern und auch das Lernen zu fördern. Das scheint heute dringender denn je. Zig Studien erzählen davon, wie weit entfernt der Nachwuchs vom Erleben in der Natur ist. Zum Beispiel der „Jugendreport Natur“, bei dem das Alltagswissen von Schülern über Naturvorgänge getestet wurde. Wie viele Eier legt ein Huhn pro Tag? Nur 19 Prozent der Befragten gaben die richtige Antwort, ein Ei pro Tag höchstens, einige Jahre vorher wussten das noch immerhin 30 Prozent.

Das Handy ist schuld, sagen viele. Kinder bleiben zunehmend zu Hause, um damit zu spielen. Draußen mit Gleichaltrigen Verstecke spielen oder ein Beet umgraben und Kartoffeln pflanzen, ist eher nicht angesagt. Die Macher der Studie, das Institut für Biologiedidaktik der Uni Köln, sprechen davon, dass die Natur im Bewusstsein der Jugendlichen immer mehr zur Nebensache werde. Dies soll nicht nur Kinder aus der Stadt betreffen, die selten in den Wald gehen, sondern auch Kinder vom Land. Die Forscher empfehlen allerdings nicht, Natur gegen Handy auszuspielen. Sondern: Apps auf dem Smartphone könnten Kinder auf neue Weise an die Natur heranführen und dazu beitragen, Wissenslücken zu schließen.

Viele Grundschulen haben Gärten – fakultativ

Oder sie pflanzen im Unterricht mal Kohlrabi. „In vielen unserer Grundschulen gibt es Schulgärten“, sagt Roman Schulz, Sprecher der Bildungsagentur. Im Landkreis sei dies mehr ausgeprägt als in der Stadt Leipzig, wo der Platz für Schulen derzeit recht eng ist. Dies sei ein wichtiges Fach und würde helfen, praktisch zum Beispiel etwas über Ernährung zu lernen. Allerdings ist es im Lehrplan nicht Pflicht. Hin und wieder gebe es auch kleinere Varianten, zum Beispiel Kräuterbeet, Hochbeet mit etwas Gemüse oder Insektenhotel.

Deutschlandweit setzt sich die 2002 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Schulgarten dafür ein. Sie will Gärten in Schulen und Kindertageseinrichtungen fördern und meint, Natur und Umweltbildung sei überlebenswichtig und müsse bereits in jungen Jahren zum Alltag gehören. „Die Entfremdung von der Natur muss gestoppt werden“, formulierte die BAG in ihrem so genannten Cottbuser Appell, in dem viele Vorteile dieser Gärten aufgezählt werden. Hier und da gibt es Reaktionen. In Sachsen startet derzeit unter Förderung von Kultusministerin Brunhild Kurth der inzwischen fünfte Wettbewerb für Gärten in Kindereinrichtungen.

Von Claudia Carell

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