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Borna Nichts los in Borna: Zu wenig Gäste für ein Autobahn-Hinweisschild
Region Borna Nichts los in Borna: Zu wenig Gäste für ein Autobahn-Hinweisschild
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14:06 21.01.2019
Leerer Marktplatz: Borna erfüllt die Kriterien für ein Hinweisschild an der Autobahn nicht. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Auf die Großstadt Leipzig weisen mehr als ein halbes Dutzend brauner Tafeln an Autobahnen auf touristische Ziele hin. Auch für Grimma gibt es eine entsprechende Beschilderung an der Autobahn. Davon ist Borna weit entfernt. Und das dürfte nach einer Nachfrage im zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Sachsen auch so bleiben. Der Grund: Borna fehlt es an einem Touristenmagneten.

Für ein Autobahn-Hinweisschild wie dieses hat die Stadt Borna nicht genügend Gäste. Quelle: Thomas Kube

Borna erfüllt die Kriterien nicht

Den definieren die Verantwortlichen im Lasuv mit mindestens 25 000 Besuchern pro Jahr. Zählt ein Ort 25 000 Übernachtungen oder 10 000 Gästeankünfte, bekommt dieser ein Hinweisschild. Keine dieser Latten reißt die Stadt Borna, der vor elf Jahren zumindest kurzzeitig nahezu weltbekannten umgesetzten Emmauskirche zum Trotz.

An der A 72 wäre noch Platz

Keine neue Botschaft für die Stadtverwaltung. „Das haben wir schon schriftlich bekommen“, sagt Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke). Dabei wäre für neue touristische Hinweisschilder durchaus noch Platz an der A 72, deren letzter Bauabschnitt mit einer Länge von 17 Kilometer derzeit gebaut wird. Zudem ist die Autobahn zwischen Geithain und Borna-Süd längst fertig. Und: „In Fahrtrichtung Leipzig liegen hier noch keine Anträge vor“, teilt Lasuv-Mitarbeiterin Nicole Wernicke dazu mit. Daher sei noch nicht geprüft worden, „ob und wie viele Standorte es in dem Bereich überhaupt geben könnte“.

Hinweis aufs Kohrener Land

Standorte hängen von den örtlichen Gegebenheiten wie dem Streckenverlauf, Lärmschutzwänden und Brücken, aber auch den blauen Wegweisern ab. In Richtung Chemnitz fahren Kraftfahrer aber bereits zwischen Borna-Süd und Geithain an drei Schildern im charakteristischen Braun-Weiß vorbei. Eine Hinweistafel weist auf das Kohrener Land hin.

Zwischen Borna und Geithain weist eine Beschilderung auf das Kohrener Land hin Quelle: Privat

Schilder auch an Bundesstraße möglich

„Generell dürfen im Freistaat Sachsen an Autobahnen zwischen zwei Anschlussstellen insgesamt bis zu vier touristische Hinweistafeln aufgestellt werden. Somit doppelt so viele, wie nach Bundesrecht allgemein vorgesehen“, sagt Wernicke. Die Verkehrsverhältnisse sollten das zulassen, außerdem müsse es zwischen den einzelnen Schildern einen Mindestabstand von 250 Metern geben. Die seien auch an autobahnähnlichen Bundesstraßen möglich – also an Straßen mit je zwei Fahrspuren in eine Richtung, die etwa durch einen Mittelstreifen getrennt sind. Voraussetzung dafür sei, dass es sich um einen längeren Streckenabschnitt, also wenigstens zehn Kilometer außerhalb geschlossener Ortschaften, handelt.

Über Motive entscheidet das Lasuv

Über die Motive entscheide das Lasuv nach Abstimmung mit dem Dresdner Wirtschaftsministerium. Die Kosten für die Beschilderung, nach Angaben des Lasuv zwischen 5000 und 7000 Euro, müsste der Antragsteller tragen. In Sachsen gibt es gegenwärtig etwa 300 touristische Hinweisschilder. Auf Borna dürfte allerdings in absehbarer Zeit kein Tafel hinweisen.

Kommentar: Borna ist auch ohne braunes Schild attraktiv

Wer über Deutschlands Autobahnen braust, stellt fest, dass es bisweilen nur so wimmelt vor braunen Hinweisschildern auf tatsächliche oder vermeintliche touristische Attraktionen. Und ausgerechnet in Borna lässt sich nichts finden, was bebilderbar und damit autobahnfähig wäre? Das will einem überzeugten Bornaer Lokalpatrioten nur schwer in den Kopf. Und es stellt sich die Frage, warum das so sein soll.

Was nichts anderes bedeutet, als festzustellen, was Borna unter dem Strich zu bieten hat. Warum also jemand, der nicht gerade Freunde oder Familie in Borna hat, genau hier von der Autobahn abbiegen sollte. Wegen der Emmauskirche, deren spektakuläre Umsetzung schon weit mehr als zehn Jahre zurückliegt? Oder wegen des Volksplatzes, jenes Riesenareals, das zwar beeindruckend, aber keinesfalls überregional so bekannt ist, wie es wünschenswert wäre? Oder wegen der Schönheit der Innenstadt? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, kommt genau an die Grenzen, an die Borna nach wie vor stößt, wenn es um sein tradiertes wie längst überholtes Image geht. Messbare Besucherzahlen tun ein Übriges bei der Bewertung einer gewissen Attraktivität.

Für die Entscheider sind sie der Gradmesser touristischer Bedeutung. Das ist schade für Borna, aber nicht entscheidend, weil die Stadt eben doch mehr zu bieten hat, ohne gleich Heerscharen von Fremden anzulocken. Wer einmal in Borna war, wird schnell merken, dass die Stadt längst viel besser ist als ihr – früherer! – Ruf.

n.natsidis@lvz.de

Von Nikos Natsidis

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