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Noch dieses Jahr soll Baustart fürs Wehr in Elstertrebnitz sein

Noch dieses Jahr soll Baustart fürs Wehr in Elstertrebnitz sein

Das Genehmigungsverfahren für den Bau des Elstertrebnitzer Wehrs soll abgekürzt werden. Frage: Die Betroffenen in den Hochwassergebieten der Elsterregion sind frustriert und fühlen sich mit ihren Sorgen allein gelassen.

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Ein Wehr könnte die 1400-Seelen-Gemeinde Elstertrebnitz künftig vor Hochwasser schützen.

Quelle: Thomas Kube

Pegau/Elstertrebnitz. Frage: Die Betroffenen in den Hochwassergebieten der Elsterregion sind frustriert und fühlen sich mit ihren Sorgen allein gelassen. Ein Hauptgrund dafür ist, dass es mit den angekündigten Schutzwehren nicht vorangeht. Wie ist der aktuelle Stand für das Wehr in Elstertrebnitz?

 

 

Axel Bobbe: Vor zwei Jahren haben wir als Landestalsperrenverwaltung den Bauantrag fertiggestellt und bei der Landesdirektion eingereicht, damit dort die sogenannte Plausibilitäts- und Vollständigkeitsprüfung erfolgen kann. Wir mussten ständig nachbessern. Ganze Bereiche mussten noch kartiert werden. Naturschutzfachlich wurden Nachbesserungen verlangt. Da ging es zum Beispiel darum, ob bei Nicht-Hochwasser Pflanzen am Elstermühlgraben wachsen, die das Hochwasser brauchen! Wir haben uns all dem unterzogen, um jetzt im August ins Planfeststellungsverfahren gehen zu können. Das würde aber bis zur Genehmigung noch mal anderthalb Jahre dauern. Es gab jetzt eine Abstimmung mit dem Landrat, bei der Alternativen diskutiert wurden, wie diese Frist extrem verkürzt werden kann. Unser Ziel ist derzeit, noch in diesem Jahr mit dem Bau des Wehres in Elstertrebnitz zu beginnen. Eine Entscheidung dazu erwarte ich in den nächsten Wochen.

 

 

Der Elstertrebnitzer Bürgermeister Klaus Sommer sagte gegenüber der LVZ, dass bei einer Überflutung der B 2 auch dieses neue Wehr nicht helfen könnte. Es gibt Pläne für eine sogenannte Ertüchtigung der Bundesstraße. Wie sieht es damit aus?

 

 

Dieses Projekt gehört zum Hochwasserschutz von Pegau und ist ganz kompliziert. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sagt, dass wir an dieser Bundesstraße nichts ändern sollen. Da bleibt uns nur übrig, auf den Acker irgendwelche Wände zu stellen. Also das ist alles noch nicht spruchreif. Allerdings: Ich würde im aktuellen Fall von einem mehr als 150-Jahres-Hochwasser sprechen. Meiner Meinung nach wäre Elstertrebnitz mit dem jetzt geplanten Wehr gut bedient.

 

 

Auch die Nachbarkommune Pegau war jetzt extrem betroffen. Wie sieht es dort mit künftigem Hochwasserschutz aus?

 

 

Pegau hat ganz andere Probleme. Es wird nicht nur vom Elstermühlgraben bedroht, sondern auch von der Elster. Zudem gibt es dort schon sehr hohe Grundwasserstände bei Nicht-Hochwasser. Es muss viel Geld und enorm viel Aufwand investiert werden, um die Stadt vor solch einem Hochwasser, wie wir es jetzt hatten, schützen zu können. Man muss aber klar sagen: Pegau ist nur gefährdet bei solch einem extremen Hochwasser. Elstertrebnitz dagegen hat schon mit den kleinen Hochwassern zu kämpfen. Der Ort ist in den letzten Jahren siebenmal abgesoffen, da hatte Pegau völlig trockene Füße.

 

 

Wo steht Pegau in der Dringlichkeitsliste beim Hochwasserschutz?

 

 

Wenn Sie mich das vor einem Monat gefragt hätten, dann hätte ich gesagt: Pegau ist nicht auf der Prioritätenliste, Maßnahmen finden dort nur mittel- bis langfristig statt. Das kann sich aufgrund der aktuellen Situation nun ändern, Entscheidungen wurden aber noch nicht gefällt. Wir werten jetzt das gesamte Hochwassergeschehen aus und ich vermute, dass die Landesregierung nicht umhin kommt, Pegau in der Prioritätenliste höher einzustufen, was den Bau des Wehrs an der Elster beschleunigen könnte.

 

 

Es liegen auch Pläne in der Schublade, die für Pegau ein Rückhaltebecken vorsehen...

 

 

...ja, die sind aber uralt, stammen von 1975. Dass dies nicht umgesetzt wird, hat nichts mit Geld zu tun. Die Wirkung wäre fast Null. Wir haben in Pegau eine weite Aue, wo das Wasser breit laufen kann - was soll man denn da noch zurückhalten? Das bringt nichts, die Sache ist vom Tisch.

 

 

Sie sprechen von der großen Aue. Es gibt viele Gebäude, die nahe der Aue stehen und jetzt die extremen Hochwasserprobleme haben. Generell gibt es die Kritik, dass die Flüsse zu stark begradigt werden und die Siedlungen zu nah an den Gewässern stehen. Wurden bei Baugenehmigungen in der Vergangenheit auch im Raum Pegau Fehler gemacht?

 

 

Wir reden beim Hochwasser gern von Naturkatastrophen. Für die Natur ist das aber keine Katastrophe, sondern nur für uns Menschen, die wir zu blöd waren, so nah am Gewässer zu bauen. Unsere Altvorderen waren da viel schlauer. Schauen Sie sich die Altstadt von Eilenburg an - die steht auf dem Berg. Erst später wurde immer mehr in den Auen gesiedelt. Aber das ist nicht vor ein paar Jahren passiert, sondern eine historische Entwicklung, wem will man da heute einen Vorwurf machen?

 

 

Heute ist solch ein Fehler nicht mehr möglich?

 

 

Nein, heutzutage sind die Überflutungsgebiete klar festgelegt. Wir bieten im Internet Übersichten an, wo man dies genau erkennen kann. Wer dann trotzdem sehenden Auges dort bauen will, darf hinterher nicht weinen. Wir haben jetzt auch häufig den Fall, dass Leute, die drei- bis viermal abgesoffen sind, keine Kraft mehr haben weiterzumachen und umsiedeln wollen. Das Problem ist aber, dass in solchen Fällen nur der Zeitwert des Hauses entschädigt wird und nicht der Wiederbeschaffungswert. Das ist meiner Meinung nach eine Herausforderung für die Politik: Möglichkeiten zu finden, damit Leute, die das wollen, umsiedeln können, ohne sich groß verschulden zu müssen. Dies wäre wahrscheinlich billiger als einen enormen Hochwasserschutz aufzubauen. Aber man muss auch ganz klar sagen: Wer in einem Haus geboren und aufgewachsen ist, verbindet damit viele Erinnerungen und Emotionen - es ist für die Betroffenen nicht einfach, dies aufzugeben. Ein mehrfaches Hochwasser im eigenen Haus ist allerdings auch ganz schlimm.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Carell-Domröse, Claudia

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