Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Novemberpogrome: Als das jüdische Kaufhaus in Borna brannte
Region Borna Novemberpogrome: Als das jüdische Kaufhaus in Borna brannte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 09.11.2018
Auch vom Schicksal der Familie Rose in Borna wird bei der Wanderausstellung „Bruch-Stücke“ erzählt. Quelle: Kempner
Borna/Leipzig

Jüdische Familien siedelten vorwiegend aus Galizien nach Borna und eröffneten hier auch Geschäfte. Dazu gehörten Abraham und Calel Rose mit dem Textil- und Schuhgeschäft Britania in der Roßmarktschen Straße. Obwohl in vielen Städten Deutschlands der Hass gegen Juden schon seit Beginn der 1930er Jahre gelebt wurde, konnten sie noch lange ihrer kaufmännischen Tätigkeit nachgehen, wird berichtet. Bis zur Reichspogromnacht.

Am 9. November 1938 kam es zu einer Kundgebung auf dem Markt. Einen Tag später wurden Schaufensterscheiben in jüdischen Geschäften eingeschlagen, im Kaufhaus Britania brannte es. Noch in der Nacht vom 10. zum 11. November wurden viele Bürger jüdischen Glaubens festgenommen und im Reichstor inhaftiert.

Geschichte der Bornaer Familie Rose wird erzählt

Rolf K. Günther, ein Augenzeuge, schilderte einst gegenüber der LVZ, wie die Tochter der Familie Rose im November 1938 verschwand: „Ich musste mit ansehen, wie unsere Klassenkameradin Ruth Rose auf einem offenen Lkw abtransportiert wurde. Dieses Bild hat sich tief in meine Seele eingebrannt." Ruth hatte Glück. Sie war offenbar die einzige Überlebende ihrer Familie. Ihre Mutter starb in einem KZ bei Danzig, ihr Vater kam ins KZ Sachsenhausen, von wo nie wieder ein Lebenszeichen kam.

Der Stolperstein in der Roßmarktsche Straße in Borna erinnert an die ermordete Familie Rose. Quelle: Frank Prenzel

Die Geschichte der Bornaer Familie Rose wird neben vielen anderen Schicksalen in der Wanderausstellung „Bruch-Stücke“ erzählt. Dabei geht es um lokale Details der November-Pogrome vor 80 Jahren in Sachsen. Bilder, Dokumente – und auch Flüsterwitze.

Ausstellung mit lokalem Bezug

Ein politischer Witz der Juden zur damaligen Zeit ging so: Der Sohn fragt: „Papa, wer hat das Kaufhaus Bamberger & Hertz eigentlich angezündet?“ – „Ess!“ entgegnet nur der Vater. Der Sohn insistiert und fragt noch mal. Der Vater weist erneut auf den Teller und sagt: „Ess-ess!“

Recherchiert wurde die Ausstellung vom Historiker Daniel Ristau – mit lokalem Bezug für Dresden, Chemnitz und Leipzig, wo die Schau in drei verschiedenen Varianten seit Anfang Oktober zu sehen ist. In Leipzig im Ariowitsch-Haus noch bis Ende des Jahres. Die Schau stellt Menschen in den Mittelpunkt, die Opfer, Täter, Mitläufer oder Gegner waren. Dazu ist auch ein Buch erschienen.

„Bruch-Stücke“ ist als Wanderausstellung konzipiert und soll nach Abschluss der Eröffnungsausstellungen in den drei Städten kostenfrei entliehen werden, teilten die Veranstalter mit. Lediglich für Transport und Versicherung müsse der Entleiher die Kosten tragen. Ansprechpartner für die Region rund um Leipzig ist das Ariowitsch-Haus in Leipzig unter Telefon 0341/22541000 oder E-Mail kontakt@ariowitschhaus.de.

Von Claudia Carell

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Juli ist Fritz Zehmisch 82. Jahre alte geworden. Doch sein fortgeschrittenes Alter hält ihn nicht davon ab, seinen drei großen Leidenschaften zu frönen: Imkern, Fahrrad fahren – und jedes Jahr sein Sportabzeichen in Gold ablegen. 48 Stück hat der rüstige Ehrenhainer inzwischen zusammengetragen.

09.11.2018

Länger als ein halbes Jahr war die Schiedsstelle in Neukieritzsch unbesetzt. Jetzt gibt es wieder einen Friedensrichter. Lutz Krajan möchte Anstöße für Konfliktlösungen geben.

08.11.2018

Die Oberschule Kitzscher will besseres Schulessen. Vier Anbieter werden getestet. Lehrer, Schüler und Eltern bewerten die Menüs.

08.11.2018