Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Obdachlosenunterkunft ist bisweilen leer
Region Borna Obdachlosenunterkunft ist bisweilen leer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:13 12.06.2018
Wolfgang Osterkamp, der Geschäftsführer der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative Leipzig. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Borna

Zeitweise ist die Obdachlosenunterkunft in der Bornaer Mühlgasse tatsächlich leer. Von den insgesamt 20 Betten ist dann keins belegt, sagt Wolfgang Osterkamp, der Geschäftsführer der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative Leipzig (ESI). Die ESI betreibt die Unterkunft mit vier fest angestellten sowie einem ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dennoch ist Osterkamp klar, dass es das Problem der Obdachlosigkeit immer geben wird.

Ziel: Wohnungslosigkeit verhindern

Dabei versuchen er und seine Mitstreiter alles, um das Abrutschen von Menschen in die Wohnungslosigkeit und damit ein Leben als Obdachloser zu verhindern. Denn: „Wer erst einmal in dieser Situation ist, kommt da nur sehr schwer wieder raus.“ Und die Gefahr, im Zweifelsfall ein Bett in der Mühlgasse in Anspruch nehmen zu müssen, die bei Bedarf von 16 bis 9 Uhr im Winter und von 18 bis 9 Uhr im Sommer geöffnet wird, ist groß.

Abrutschen kann schnell gehen

Weil es schneller gehen kann, als es sich der Durchschnittsbürger vorstellen kann, sagt Osterkamp. Er verweist auf einen jungen Mann, der als Leiharbeiter über die Runden zu kommen versucht, aber bei fehlender Auftragslage seinen Job verliert. Mit der Folge, dass er Mietrückstände hat und recht schnell die Zwangsräumung der Wohnung droht. Oftmals kommen Leute in solchen Lebenslagen dann zu spät zur ESI, die versucht, die Aussetzung der fristlosen Kündigung zu beantragen.

Zahl der Mietschuldner nimmt zu

„Die Zahl der Mietschuldner nimmt jedenfalls zu“, stellt der ESI-Geschäftsführer fest, wobei es bisweilen zu Mietschulden kommt, die sich nur schwer nachvollziehen lassen. Etwa die 25 000 Euro, mit denen eine ältere Dame bei ihrem Vermieter in der Kreide stand, obwohl sie gut 2000 Euro Rente monatlich hatte. Leute wie sie kommen für ein spezielles Angebot der ESI in Frage, die in Borna auch den Bürgertreff in der Schulstraße und in Gnandorf ein Sozialkaufhaus betreibt: die Kontenverwaltung von Menschen mit großen finanziellen Problemen.

Dahinter verbirgt sich die Abtragung von Mietschulden, die als Fixkosten von den jeweiligen Einkünften der Betroffenen sozusagen gesetzt sind, sowie die tage- oder auch wochenweise Zuteilung von Geld in überschaubaren Tranchen von vielleicht fünf oder zehn Euro.

Nach Rauswurf Bemühen um neue Bleibe

Ziel sei es, Obdachlosigkeit zu vermeiden, sagt Osterkamp. Immerhin ist die Tendenz positiv. Im Jahr 2011, kurz nachdem die ESI die Obdachlosen-Betreuung in Borna vom einstigen Verein Obdach St. Joseph übernommen hatte, „gab es zehn Obdachlose“. Dass es jetzt bisweilen gar niemanden gibt, der die Nächte in der Mühlgasse verbringen muss, darf zweifellos als Erfolg gelten. Sicher hat das auch mit den intensiven Bemühungen der ESI zu tun, Leuten nach dem Rauswurf aus ihrer Wohnung eine neue Bleibe zu beschaffen.

„Obdachlosigkeit ist Bestandteil unserer Gesellschaft“

Dabei spielt auch eine wichtige Rolle, dass die Gefahr, mehr oder weniger für immer in die Obdachlosigkeit abzurutschen, mit fortschreitender Zeit zunimmt. Osterkamp: „Wer erst einmal ein halbes Jahr in der Obdachlosenunterkunft gelebt hat, der kommt oft nur noch mit den Beinen zuerst wieder raus.“ Also nachdem er das Zeitliche gesegnet hat.

Bleibt die Frage, ob sich das Problem generell lösen lässt. Wohl nicht, sagt ESI-Chef Osterkamp. „Obdachlosigkeit ist ein Bestandteil unserer Gesellschaft.“

Von Nikos Natsidis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Malen ist seit anderthalb Jahrzehnten ihre Leidenschaft. Jetzt stellt die Geithainer Künstlerin Simone Klug im Rahmen der Reihe „Kunst und Justiz“ im Bornaer Amtsgericht aus.

12.06.2018

Wenig Platz, hohes Grundwasser, schlechter Boden: In der Göselaue bei Rötha begegnen den Autobahnbauern alle widrigen Umstände auf einmal. Zudem soll noch eine überflutete Straße befahrbar gemacht werden.

12.06.2018

Ornithologe Dietmar Heyder bescheinigt den drei Groitzscher Jungstörchen einen guten Gesundheitszustand. Er hat die Tiere beringt, etwa 70 Interessenten schauten zu. Die Verantwortlichen sprechen von einem tollen Brutergebnis für den Raum Borna.

14.06.2018
Anzeige