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Borna Oberschule Kitzscher will besseres Schulessen
Region Borna Oberschule Kitzscher will besseres Schulessen
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18:00 08.11.2018
Testessen in Kitzscher: Schulleiterin Dagmar Schulz teilt die Probeportionen aus. Quelle: André Neumann
Kitzscher

Die Oberschule Kitzscher sucht einen neuen Anbieter fürs Schulessen. Damit es allen künftig schmeckt, verkosten Test-Esser vier Wochen lang die Mahlzeiten von verschiedenen Lieferanten. Vier Anbieter bringen jeden Tag zehn bis dreißig Portionen unterschiedlicher Gerichte in die Schule. Die werden probiert und auf einem Fragebogen bewertet.

Dass mit dem aktuellen Schulessen viele nicht zufrieden sind, ist an der Oberschule Kitzscher Schule schon lange kein Geheimnis. Schulleiterin Dagmar Schulz ist eine der wenigen aus dem Kollegium, die das bestehende Angebot noch nutzen. Von den reichlich 200 Schülern essen laut Schulz gerade mal um die 30 mit. Vor zwei Jahren waren es noch 60.

Schülern schmeckte das Essen oft nicht

Damals war die Schule erstmals in die Offensive gegangen, hatte Kontakt zur Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Sachsen gesucht, um sich in Sachen gesundes Schulessen beraten zu lassen. Ein Wechsel des Anbieters stand damals noch nicht unbedingt im Vordergrund der Überlegungen. Man setzte offenbar darauf, dass der Lieferant an seinem Essen etwas verändert.

Schmeckt’s? Testessen an der Oberschule Kitzscher. Quelle: André Neumann

„Er hatte die Chance, etwas zu tun“, sagt die Schulleiterin. Auch über einen höheren Preis. Aktuell kostet eine Portion noch zwischen 2,10 und 2,80 Euro. Besondere Qualität kann man dafür wohl nicht erwarten. Der Elternrat initiierte eine Befragung, die ergründen sollte, wie viel Eltern für besseres Essen bereit wären zu bezahlen. Bis zu 3,50 Euro, das habe die Umfrage ergeben.

Mittlerweile sind Schule und Stadt so weit, dass ein neuer Anbieter gesucht wird. Nur vier habe man gefunden, die bereit waren, sich einem Test zu stellen, sagt Dagmar Schulz.

Kinder testen Essensanbieter Nummer zwei

In dieser Woche war Anbieter Nummer zwei an der Reihe. Pünktlich kurz vor Beginn der ersten großen Pause stehen Warmhaltebehälter mit zehn portionsweise abgepackten Menüs vor der Tür der Hauswirtschaftsküche im Keller. Die Schulleiterin und zwei Kolleginnen teilen aus, die Kinder dürfen sich aussuchen, was sie probieren wollen.

Kommentar: Ehrgeiziges Ziel: lecker und gesund

Wenn von mehr als 200 Schülerinnen und Schülern nur 30 am Schulessen teilnehmen, dann sind den Erwachsenen offenbar die Argumente ausgegangen. Von wegen essen ist wichtig an einem harten Schultag und so. An der Oberschule Kitzscher sind die Lehrer diesbezüglich nicht einmal Vorbilder, die meisten essen selbst nicht mit.

Nach langem Zögern ist man jetzt entschlossen, es mit einem anderen Anbieter zu versuchen. Für die allermeisten, die jetzt in vier Wochen die Kochkünste von vier Speiselieferanten testen, kommt es vor allem auf den Geschmack an. Die Oberschule verfolgt auch das Ziel, zwischen den Unterrichtsstunden ein gesünderes Essen auf den Tisch bringen zu lassen. Beides muss sich nicht ausschließen. Allerdings, da sind sich Ernährungsexperten einig, nur bei einem angemessenen Preis.

Deswegen ist den Beteiligten schon klar, dass es beim Schulessen auch ums Geld geht. 50 Cent bis ein Euro mehr als jetzt für ein Essen sollten angemessen sein, wenn dafür wirklich mehr Qualität zu bekommen ist. Eine Befragung hat ergeben, dass Eltern bereit sind, gegenüber den jetzigen Preisen etwas drauf zu legen. Allerdings weiß die Schulleitung auch, dass das für manche Elternhäuser nicht ganz einfach sein wird.

Richtig ist der Weg, den die Schule eingeschlagen hat, auf jeden Fall. Wenn so viele mit dem Schulessen offensichtlich unzufrieden sind, muss etwas getan werden. Und mit dem Testessen werden Schüler und Eltern aktiv in den Prozess einbezogen.

a.neumann@lvz.de

Krautroulade mit vegetarischer Füllung, ein Nudelgericht und Gemüsepfanne mit Reis sind heute unter anderem dabei. Groß sind die Portionen nicht, Glenn und Jonas teilen sich trotzdem eine. An manchen Tagen möchten nämlich mehr Schüler mitmachen, als Testportionen da sind. Manchmal mischen sich auch Eltern unter die Tester, Lehrer kosten auch und bewerten mit.

Ein Kreuz bei „voll lecker“

Tom und Collin gehören zu den Testessern, die jeden Tag mitmachen. Collin isst eigentlich noch beim regulären Schulessen mit, hat sich für die Testwochen extra abgemeldet. „Den meisten“, glaubt ein Schüler, der seinen Namen lieber nicht sagen will, „schmeckt das Schulessen einfach nicht“. Auch Anika und Jonas machen daraus kein Geheimnis, sie essen nicht mit, sind von dem Probeessen aber ganz angetan. Jonas findet zwar die Verpackung nicht besonders schick, aber es schmeckt ihm. Auch Tom macht auf dem Bewertungsbogen das erste Kreuz bei „voll lecker“.

Wenn alle vier Anbieter durch sind, werden die Fragebögen gemeinsam mit der Stadt ausgewertet. Auch mit der Vernetzungsstelle wolle man sich noch einmal beraten und in einem Projekt noch einmal gesund kochen. Die Auswahl des neuen Essensanbieters wird dann Sache der Stadt sein, die ist Auftraggeber.

Die wolle sich aber nach den Empfehlungen der Schule richten, deutet Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) an. Ausgeschrieben werden müsse trotzdem, aber: „Es entscheiden Kinder, Lehrer und Elternvertreter“, sagt der Bürgermeister.

Von André Neumann

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