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Oberschule für mehr Wertschätzung

Oberschule für mehr Wertschätzung

Um den Termin kam die Mittelschule in Groitzsch nicht herum. Irgendwann hieß es: "Am Montag kommt Zastrow." Bürgermeister Maik Kunze (CDU) hatte den FDP-Landes- und Fraktionschef eingeladen.

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FDP-Landes- und Fraktionschef Holger Zastrow enthüllt das neue Schild "Oberschule Groitzsch" an der bisherigen Mittelschule.

Quelle: Andreas Friedrich

Groitzsch. Dieser zog gestern ein weißes Tuch von der frisch getünchten Fassade. Oberschule Groitzsch steht nun dort.

Eine auch im Namen ersichtliche Aufwertung erfahren alle Mittelschulen Sachsens mit Beginn des neuen Schuljahres. Sie geben nun eine zweite Fremdsprache, fördern Schüler extra und helfen bei der Berufsorientierung. Zastrow spricht von der "größten Reform seit Mitte der 90er Jahre".

In Groitzsch ändert sich außer dem Namen kaum etwas. Der Keller, den die Kommune mit einer siebenstelligen Summe in Werken- und Technikräume umwandelte, wären auch ohne Umbenennung trockengelegt worden. Lehrer für die zweite Fremdsprache und die Förderung braucht die Schule nicht, weil auf 250 Schüler bereits die komfortable Zahl von 25 Pädagogen kommt. Die Berufsorientierung, die die FDP-Reform vorschreibt, wird längst mit eigenen Partnern organisiert. Entsprechend lakonisch klang es gestern aus dem Kollegium: "Sind wir nun auch Oberlehrer?"

Doch Zastrow ist von seiner Reform überzeugt. "Wir haben gewonnen", sagt er mit Blick auf die Gegner. Er hatte es fast geahnt, dass die Aufwertung "so schwer" werden würde. Die Verhinderer mit Angst vor jeglicher Veränderung, die auf Zeit spielten, saßen seiner Meinung nach vor allem in den Verwaltungsstuben. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), die CDU-Fraktionsspitze und Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) seien aber immer "vertragstreu" gewesen und hätten die Reform mitgetragen.

Die Oberschule müsse jetzt den Praxistest bestehen. Sie solle die Bildungsstätte der Praktiker werden, Schüler zügig zum Beruf führen. Und sie schaffe mit der zweiten Bildungsempfehlung nach Klasse sechs auch eine zweite Brücke zum Gymnasium. "Mittelschule ist nicht Mittelmaß", verkündete Zastrow. Die Umbenennung wolle er unbedingt als Wertschätzung verstanden wissen.

Drei Stunden Russisch und vier Förderstunden pro Woche geben die Groitzscher ab nächstem Montag. Dafür wurden Lego-Gruppen gebildet, in denen "leistungsbereite Schüler" unterrichtet würden, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ines Penzholz. Das Adjektiv "leistungsbereit" ist ihr wichtig. Denn es gebe auch die anderen Schüler. Die, die man als Lehrer kaum erreiche. Daran ändere auch der neue Name Oberschule nichts.

Groitzsch ist vorbereitet. Auch an den übrigen 335 Mittelschulen dürfte die Umstellung kaum Probleme bereiten. Neue Schilder an Schulhaus und Briefkasten, neue Briefköpfe und die Leistungsgruppen sind für Petra Müller, Vize-Chefin des Lehrerverbandes, nicht solch überragende Neuerungen. Und in den guten Mittelschulen längst Praxis. So sei die zweite Fremdsprache an vier Fünftel aller Schulen längst Usus. Auch der Übergang zum Gymnasium sei möglich, werde aber selten genutzt. Mittelschüler gingen fürs Abi lieber an ein berufliches Gymnasium oder eine Fachoberschule. Daran werde sich kaum etwas ändern. Dafür bleibe das eigentliche Problem unangetastet. Das sei der hohe Altersdurchschnitt der Lehrer. "Man muss sich um diese Schulart weiter Sorgen machen", sagt Petra Müller. Daran ändere der neue Name nichts.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2013

Andreas Friedrich

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