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Borna Obszönes ins Kinderzimmer geschickt
Region Borna Obszönes ins Kinderzimmer geschickt
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14:41 19.05.2015

Vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs wurde er freigesprochen.

Als Sylvie T. (Name geändert) am Abend des 1. März 2011 eine unverfängliche Textnachricht auf ihrem Handy empfing, fragte die Coburgerin den Absender per SMS, ob man sich kenne. Als Antwort kam ein kurzer Verweis auf das soziale Netzwerk ICQ, das beide nutzen würden. Die Landespolizei Bayern protokollierte am nächsten Tag, dass die 14-Jährige zuvor ihre Handynummer im Internet bei ICQ hinterlassen hatte. "Ein Riesenfehler", so Sylvie T. gegenüber den Beamten. Denn sämtliche Text- und Bildnachrichten, die sie im Laufe des besagten Abends erhielt, waren alles andere als harmlos. Es folgten Fragen zur BH-Größe des Mädchens, zu ihren sexuellen Fantasien, oder ob sie ihren Intimbereich rasiere. Sylvie T. verbat sich jeden weiteren Kontakt. Doch der Unbekannte belästigte sie bis in die Nachtstunden mit weiteren Obszönitäten. So verlangte er etwa, dass sie ein Foto ihrer Vagina senden solle: "Komm, du geile Sau, nur ein Bild und ich lass´ dich in Ruhe".

Als der Teenager nicht reagierte, wurden diverse unappetitliche MMS-Nachrichten an sie verschickt - auf einem Bild: ein erigierter Penis. "Ich ekelte mich", so Sylvie T., als sie am 2. März 2011 mit ihrer Mutter Strafanzeige gegen Unbekannt erstattete und ihr Telefon zur Datenauswertung an die Polizei übergab. Die Verbindungsdaten führten nach Borna zu Alex N. (Name geändert). Der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer bestritt, Absender der Nachrichten gewesen zu sein. Pikanterweise meldeten sich aber zwei junge Mädchen aus dem Landkreis Leipzig, die bei ICQ auf die gleiche Art und Weise wie Sylvie T. belästigt wurden. Ins Visier der Fahnder geriet abermals Alex N. . "Ich hatte Angst, weil er schrieb, dass wir uns kennen würden", so eines der Mädchen bei einem früheren Verhandlungstermin am Amtsgericht Borna.

Nachdem bereits drei frühere Prozesstermine ergebnislos verstrichen waren, wurde nun erneut gegen den 30-jährigen verhandelt. Die Anklage lautete sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Verbreitung pornografischer Schriften und Beleidigung. Neben den protokollierten Aussagen der drei jungen Mädchen nahmen vor allem zwei Gutachten eine zentrale Stellung bei der Klärung der Schuldfrage ein. "Mehr Beweismittel sind in diesem Verfahren nicht zugänglich. Das ist heute aber auch uninteressant, da ich nicht gewillt bin, erneute Verzögerungen zu akzeptieren", stellte Richter Bernd Jähkel am Ende der Beweisaufnahme klar.

Wie sich zeigte, hatte jene Botschaft ihre Wirkung nicht verfehlt: ein möglicher Antrag zur Auswertung von N.´s Handy blieb aus. Insofern stritt dieser erneut alle Vorwürfe ab. Warum die Rückverfolgung jener Botschaften zu seinem Internetrouter und Mobiltelefon führten, könne er sich nicht erklären. Vielmehr müsse eine dritte Person beide Geräte gehackt und für die obszönen Kontakte missbraucht haben. "Mein Mandant und seine Frau haben mitunter beobachtet, wie sich der Mauspfeil auf ihrem Computer von alleine bewegte", untermauerte Rechtsanwältin Katrin Stärk die Aussage ihres Mandanten.

Die Gutachten von Diplom-Informatiker Thomas Reiche klangen im Tenor anders. Der zur Verfügung gestellte Router des Beschuldigten konnte demnach nicht ausgewertet werden, da keine Daten mehr darauf gespeichert waren. Die Theorie, dass ein Dritter die Text- und Bildnachrichten über den Mobilanschluss von N. hätte versenden können, wurde dagegen von Reiche grundsätzlich bestätigt. "Dennoch ist das höchst unwahrscheinlich", betonte der Gutachter. Demnach bedürfe es enormer finanzieller Mittel und technischen Wissens, um solch ein Programm zu schreiben. Privatpersonen fehle es an derartigen Voraussetzungen, so Reiche. Weiterhin würde eine Antwort des Empfängers nicht an den getarnten Absender, sondern die Originalnummer gehen. Der vorliegende Gesprächsverlauf zwischen Sylvie T. und dem Unbekannten verdeutliche jedoch, dass kein Dritter dazwischen geschaltet war. "Denn auf Fragen der Geschädigten wurde im Kontext der vorhergehenden Textnachrichten geantwortet", so Reiche abschließend.

Für die Verteidigung war damit nichts bewiesen. Rechtsanwältin Stärk forderte daher einen Freispruch in allen Anklagepunkten. Richter Bernd Jähkel folgte jedoch weitestgehend dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Zwar wurde N. im Fall des sexuellen Missbrauchs freigesprochen, weil die fehlenden Routerdaten keinen zweifelsfreien Nachweis ermöglichen. Im Fall von Sylvie T. erfolgte jedoch ein Schuldspruch. Letztlich sei es eindeutig, dass Alex N. der Urheber der SMS- und MMS-Nachrichten war. "Da können Sie sich nicht auf Dritte berufen", so Richter Jähkel. Neun Monate Freiheitsstrafe wegen Verbreitung pornografischer Schriften und Beleidigung lautete das Urteil. Die Haftstrafe wurde zu einer Bewährung von drei Jahren ausgesetzt. Ferner muss Alex N. 500 Euro an die Staatskasse zahlen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.02.2014
Andreas Blazy

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