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Borna Ökostation Borna trauert: Naturschützer und Vogelexperte Harald Krug ist tot
Region Borna Ökostation Borna trauert: Naturschützer und Vogelexperte Harald Krug ist tot
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10:04 18.10.2016
Harald Krug mit gerade beringten Kiebitzen im Naturschaufenster Peres. Quelle: Harald Lachmann
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Borna/Groitzsch

Harald Krug ist tot. Mit nur 62 Jahren starb der langjährige Geschäftsführer der Ökologischen Station Borna-Birkenhain, Kreisnaturschutzbeauftragte und Vogelexperte am 11. Oktober plötzlich an Kreislaufversagen. Er hinterlässt eine Lebensgefährtin sowie einen erwachsenen Sohn.

Die Ökostation trägt Trauer. In der Ge-schäftsstelle der Station ist in diesen Tagen sein Porträtbild aufgestellt, verbunden mit den rührenden Abschiedsworten: „Sein Einsatz für den Natur- und Artenschutz im Südraum Leipzig war enorm. Mit der Trauer über den viel zu frühen Tod bringen wir unseren Dank und Anerkennung dadurch zum Ausdruck, dass wir sein Lebenswerk fortführen. Harald Krug wird in dieser wichtigen Aufgabe weiterleben.“

Die Verdienste des Groitzschers ziehen sich wie ein grünes Band durch den Südraum Leipzig. Seine Spuren hinterlässt er unter anderem mit dem Naturschutzzentrum Groitzsch, dem Natur- und Artenschutz im aktiven Tagebau und in der Bergbaufolgelandschaft, dem Naturschaufenster Peres und den Beweidungsprojekten in Bockwitz und Deutzen.

Mit der französischen Organisation Lo Parvi gelang Harald Krug Naturschutzarbeit sogar über Ländergrenzen hinweg. Und seit 1975 arbeitete er zudem als Vogelwart auf der Insel Kirr, ein Naturschutzgebiet im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, wo seltene Vogelarten brüten.

Wenn jemand das Attribut Naturbursche verdient, dann Harald Krug. Regen und Wind machten dem Landwirt nicht viel aus, dafür hatte er immer die passende Jacke und Gummistiefel dabei. In seinem Jeep oder zu Fuß war der Groitzscher oft stundenlang auf unwegsamem Gelände unterwegs, das Fernglas um den Hals gehängt, die Kamera im Anschlag.

Über Begegnungen mit Tieren hat er sich immer gefreut. Einmal fasste eine Füchsin dank Schokoriegeln und Brötchen Zutrauen zu ihm, und für den einsamen Singschwan Nils organisierte Krug medienwirksam eine treue Gefährtin.

Auf seinen Touren stets griffbereit: das Beobachtungstagebuch. „Alles, was ich in der Natur sehe und höre, wird notiert, mit Ort, Uhrzeit und Datum und den Wetterverhältnissen“, sagte er in einem LVZ-Interview. „Ich kann damit eine lange Entwicklung darstellen und Aussagen über Bestandsentwicklungen machen.“

Die Natur vor der eigenen Haustür war für Harald Krug ein unermesslicher Schatz. Von Kindesbeinen an interessierte er sich für die Tiere und Pflanzen seiner Heimat und lauschte den Geschichten über seinen Urgroßvater Wilhelm, der als Vogelpräparator arbeitete.

Schon früh trat Krug in dessen Fußstapfen, wurde mit acht Jahren Mitglied der Schularbeitsgemeinschaft „Ornithologie und Naturschutz“ und gründete später die gleichnamige Fachgruppe in Groitzsch. „Mit unserem Biologielehrer sind wir oft in die Natur gegangen. Draußen hat er uns erklärt, warum das eine Eiche ist und keine Buche. Diese Erfahrungen, bleiben für ein ganzes Leben. Man könnte mich mit verbundenen Augen in den Wald führen und ich wüsste genau, was da gerade für ein Vogel oder Froschlurch zu hören ist.“

Der 62-Jährige hinterlässt eine Lücke. „Er war ein großartiger Kämpfer. Ich habe ihn sehr gemocht und geschätzt“, sagt der langjährige Vorsitzende der Naturförderungsgesellschaft Borna-Birkenhain, Rolf Jähnichen. „Harald Krug hat viel er-reicht in seinem Leben und vieles davon wird bleiben.“ Seit 1999 arbeitete Peter Jolas, Leiter Umweltschutz und Geotechnik bei der Mibrag, mit dem Naturschützer zusammen. „Er hat uns bei allen Dingen begleitet, die gesetzliche Auflagen betreffen, er hat darauf geachtet, dass der Artenschutz beachtet wird, Maßnahmen erarbeitet und das Monitoring übernommen.“ Harald Krug habe auch als Erster die Potenziale des aktiven Bergbaus erkannt. Jolas: „Ich erinnere mich noch gut an seinen Film über das Naturschaufenster Peres: Verborgene Wildnis im Betriebsgelände. Seine Vorträge waren immer gut besucht.“

Die öffentliche Trauerfeier findet am 24. Oktober ab 14 Uhr in der Kirche Groitzsch statt. Die Beisetzung erfolgt später im engsten Familienkreis.

Von Kathrin Haase

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