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Oelzschauer ziehen an einem Strang

Oelzschauer ziehen an einem Strang

Oelzschau. Gesperrte Straßen, bunt geschmückte Anhänger, tuckernde Traktoren: Von sonntäglicher Beschaulichkeit war gestern in Oelzschau wenig zu spüren.

rn in Oelzschau wenig zu spüren. Grund dafür war der große Umzug, der gleichzeitig Höhe- und Schlusspunkt der 775-Jahrfeier des Espenhainer Ortsteiles bildete.

Slawe zu sein war gestern in den Oelzschauer Straßen nicht unbedingt der dankbarste Job. Als kurz vor dem Start des Umzuges ein heftiger Guss über dem Ort niederging, suchten die zum Teil leicht bekleideten Mitglieder des Heimatvereins Kitzscher Zuflucht unter einem Dachvorsprung. Vereinsvorsitzender Franz Waberzeck, gestählt in zwei früheren Umzügen in Pötzschau und Mölbis, nahm die Wetterunbilden indes mit Gelassenheit. „Bis auf die Regenschirme liegen wir mit unserem Outfit recht nah am historischen Vorbild", frotzelte der Heimatvereinsvorsitzende, der im Vorfeld striktes Turnschuhverbot an die Darsteller ausgegeben hatte. Die hätten auch kaum zu den Kartoffelsäcken gepasst, in die gewandet die Kitzscheraner Slawen den Festumzug anführten. „Den von uns mitgeführten Mais gab es im Frühmittelalter allerdings noch nicht", stellte Waberzeck klar.

Überhaupt zeichnete sich der Oelzschauer Festumzug durch größtmögliche historische Genauigkeit aus. „Die Zusammenstellung der Landtechnik ist mit großer Akribie betrieben worden", weiß Umzugs-Cheforganisator Volker Schwarz zu berichten. So sei es gelungen, den ersten Lanz Bulldog, der in Oelzschau zum Einsatz kam, für den Umzug aufzutreiben. „Die Darsteller des Bauerntrosses waren selbst fast alle in der Landwirtschaft tätig, und die Fahrzeuglenker ehemalige Fahrer in der Maschinen-Traktoren-Station", so Schwarz, der den Oelzschauern insgesamt großes Engagement bescheinigt. „Alle, Alteingesessene wie Zugezogene, haben an einem Strang gezogen und zum Teil im stillen Kämmerlein an Überraschungen für den Umzug gewerkelt", so Schwarz. Dies sei nicht immer so gewesen, vielmehr habe das Engagement der Einwohner bei Dorffesten seit dem Mauerfall sukzessive abgenommen. „Diesmal jedoch haben sich alle ins Zeug gelegt, was allein an der Zahl von 80 Kuchen ersichtlich ist."

Während diese die Gaumen der Festbesucher erfreuten, hielten sich die ehemaligen zum Großteil weiblichen Angestellten des sächsischen Serumwerkes Dresden, Betriebsteil Oelzschau, hoch oben auf ihrem Wagen mit Hochprozentigem warm. „Oelzschau war Vorreiter in vielen Dingen", rief der ehemalige Betriebsleiter Henry Uhlig in Erinnerung, dass im Espenhainer Ortsteil neben dem Ohrenmedikament Otalgan, Impfstoffen gegen Tetanus und die Masern mit Gravimun auch ein Schwangerschaftstest vom Band lief. „Insgesamt wurden in Oelzschau 60 Artikel produziert", so der 70-Jährige.

Pharmazeutische Erzeugnisse, die in der Epoche der napoleonischen Kriege, die Michél Kothe im Umzug verkörperte, noch gänzlich unbekannt waren. „In Oelzschau selbst gab es zwar keine größeren Gefechte im Rahmen der Völkerschlacht, gleichwohl fungierte auch der Leipziger Südraum als Aufmarschgebiet und Requirierungsgebiet", berichtete das Mitglied des Vereins Preußen in Möckern.

Roger Dietze

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