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Borna Oldtimer Classic Open auf dem Frohburger Dreieck: Behörden sperren sich gegen Sperrung
Region Borna Oldtimer Classic Open auf dem Frohburger Dreieck: Behörden sperren sich gegen Sperrung
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13:00 07.06.2016
Die zweiten Classic Open auf dem Frohburger Dreieck stehen in den Sternen: 2012 sahen Tausende Zuschauer unter anderem diesen Melkus, Baujahr 1974, mit Fahrer Erwin Opuchlich. Zumindest in diesem Jahr gibt es keine Neuauflage. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg

Das 54. Frohburger Dreieckrennen am letzten September-Wochenende ist gesetzt. Der etablierten Motorrad-Rennveranstaltung eine Woche später ein Oldtimer Classic Open folgen zu lassen, verwehren die Behörden dem Motorsportclub Frohburger Dreieck allerdings. Hauptargument: Die Sperrung wichtiger Straßen unmittelbar nacheinander sei nicht akzeptabel. Und grundsätzlicher noch: Rennen mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen seien „generell verboten“ und nur unter besonderen Auflagen überhaupt statthaft. Von einem „Schlag ins Gesicht“ all der Ehrenamtlichen, die sich immer wieder um den Publikumsmagneten und damit Wirtschaftsfaktor Frohburger Dreieck mühten, spricht der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Tom Nowka, 1. Vorsitzender des MSC, hat die Oldtimer Classics für 2016 bereits zähneknirschend abgehakt, macht aber deutlich: „Nächstes Jahr, parallel zu unserem 55. Rennen, müssen wir dafür kämpfen!“

„Keine Erfolgsaussichten auf Genehmigung“ habe der Antrag, den der MSC im März an den Landkreis richtete, sagt Behördensprecherin Brigitte Laux der LVZ. Das Straßenverkehrsamt habe das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und die Polizeidirektion Leipzig konsultiert. Weder das eine noch die andere hätten Zustimmung zur Sperrung der Staatsstraße 51 (alte Bundesstraße 95) und vor allem der B 7 signalisiert. Der Veranstalter habe den Antrag zurückgezogen und so immerhin Kosten gespart. Laux: „Durch die strengen gesetzlichen Vorgaben ist es generell kaum noch möglich, neue Straßenrennen zu etablieren.“

Ein Satz, der Tom Nowka aufhorchen lässt, macht er doch deutlich, auf welch unsicherem Paragrafen-Grund sich die seit mehr als einem halben Jahrhundert etablierte, international renommierte Frohburger Veranstaltung befindet. „Wir wollen unser Hauptrennen nicht gefährden.“ Das findet am 24. und 25. September statt, es ist genehmigt. „Und bestens besetzt“, sagt Vize Torsten Schmidt: „In jeder Klasse sind die Fahrerfelder ausgebucht. Das sieht schon sehr gut aus.“ Dieses Rennen mit den Classic Open zu ergänzen, käme dem Wunsch vieler Fahrer und Zuschauer entgegen: „Die Szene alter Rennmotorräder wächst. Die Leute wollen fahren, und unsere Strecke ist sehr beliebt – auch wegen der familiären Atmosphäre des Ganzen.“ Zudem habe die Ausrichtung zweier Veranstaltungen im Wochenabstand erhebliche Synergien.

„Jeder in der gesamten Region schmückt sich mit dem Namen, den Frohburg als Rennstadt hat“, sagt Tom Nowka. Die regionale Wirtschaft profitiere. Der MSC, unterstützt von vielen Helfern und Sponsoren, manage das Rennen ohne öffentliche Gelder. „Wir opfern unsere Freizeit, tun das gern, damit die Welt bei uns zu Gast ist. Wenn wir dann bei den Classic Open so eine Abfuhr kriegen, müssen wir uns fragen: Wem passt das nicht? Wen stören wir?“ Die Menschen in der Region hätten zweifellos kein Problem damit, wenn die beiden genannten Straßen an zwei Wochenenden den Rennen vorbehalten seien.

Das wird im Lasuv ganz anders gesehen. „Wegen der Vollsperrung für das Dreieckrennen erreicht uns alle Jahre wieder sehr energische Kritik von Anliegern, Speditionen und Durchreisenden, die wir nicht völlig außer Acht lassen können“, sagt Behördensprecherin Isabel Siebert. Die Zustimmung zum Classic Grand Prix 2012 sei ein einmaliger Bonus zum 50. Jubiläum des Frohburger Dreieckrennens gewesen. „Ein weiteres Mal kann es eine solche Zustimmung zur Sperrung der B 7 am Wochenende nach dem Frohburger Dreieckrennen nicht geben.“ Bundesstraßen seien überregional bedeutsame Verkehrsachsen. Die Hürden für eine Sperrung seien deshalb besonders hoch, so Siebert: „Wir haben unseren Ermessensspielraum wirklich ausgeschöpft.“ Das Dreieckrennen selbst sei Teil der regionalen Geschichte und Tradition; deshalb gebe es zumindest dafür auch in diesem Jahr eine Genehmigung.

Der Regionalplan Westsachsen bekenne sich eindeutig zum Frohburger Dreieckrennen, sagt Bürgermeister Hiensch. „Andererseits haben wir nicht das Gefühl, dass Politiker und Wirtschaftsförderer Unterstützung geben.“ Die „verhindernden Behörden“ hätten genügend Ermessensspielraum, um neben dem Dreieckrennen die Classic Open zu genehmigen. Vor vier Jahren war diese zweite Genehmigung erst nach der Intervention der Politik erteilt worden. Das damalige Argument, die Autobahn 72 sei noch nicht fertig, die B-95-Sperrung deshalb allenfalls an einem Wochenende akzeptabel, greife heute ja nicht mehr. Es dürfe nicht sein, so Hiensch, dass letztlich die Bürokratie triumphiere und zunichte mache, was ehrenamtliches Engagement einer ganzen Region über Jahre und Jahrzehnte mühevoll aufgebaut habe.

Von Ekkehard Schulreich

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