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Orchesterball im Bornaer Stadtkulturhaus

Leipziger Symphonieorchester Orchesterball im Bornaer Stadtkulturhaus

120 Gäste erleben Sonnabendnacht einen abwechslungsreichen Ballabend im Bornaer Stadtkulturhaus. Bei dem das unbefangene Feiern von der Frage nach der Zukunft des Leipziger Symphonieorchesters getrübt wurde. Lippenbekenntnisse für deren Erhalt gab es so viele wie märchenhafte Überraschungen und taktvolle Runden auf dem Tanzparkett.

Das Tanzparkett war vom ersten bis zum letzten Walzer gefüllt.

Quelle: Andreas Doering

Borna. Es ist der Zauber von Märchen, dass am Ende alles gut wird. Wenn der Weg zum versöhnlichen Ende bisweilen auch schmerzhaft sein kann. So gesehen war schon das Motto des 10. Orchesterballs im Bornaer Stadtkulturhaus („Märchenhafte Musik & Musikalische Märchen“) ein Fingerzeig auf die politische Lage im Kulturraum Leipziger Raum. Es war kein Abend aus 1000 und einer Nacht – wohl aber „ein – in Bedeutung und Zeitpunkt – sehr besonderer“, wie es der Vorsitzende des veranstaltenden Fördervereins des Leipziger Symphonieorchesters, Bernhard Schubert, einordnete. Nicht allein, weil es mit der zehnten Auflage ein kleines Jubiläum war. Sondern weil sich Lippenbekenntnisse für die Zukunft des Ensembles in den meisten (offiziellen und inoffiziellen) Redebeiträgen fanden.

Förderverein freut sich über Zuspruch

Es waren die kleinen Gesten des Ballabends, die die Verbundenheit der Orchesterfreunde mit dem Leipziger Symphonieorchester (LSO) und deren gemeinsame Hoffnung auf ein versöhnliches Ende in der Finanzdebatte in Stein meißelten. Dass vor dem sündhaften Buffet aus der Küche des Hotels „Drei Rosen“ die Tanzfläche gestürmt war und sich ein protokolltreuer Chefdirigent Wolfgang Rögner („Wir spielen gern weiter, aber das Essen wird kalt“) nach einstündigem musikalisch-märchenhaften Konzert und nicht enden wollendem Applaus zu einer Zugabe mit Peter Tschaikowskys Dornröschen-Walzer überreden ließ.

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Der 10. Orchesterball des Leipziger Symphonieorchesters unter Schirmherrschaft des Landrates Leipziger Land, Henry Graichen, im Stadtkulturhaus Borna steht unter dem Motto „Märchenhafte Musik - Musikalische Märchen“. Bis weit in die Nacht hinein vergnügen sich die Freunde des LSO bei klassischer Musik, einem Preisrätsel und kulturellen Showbeiträgen.

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Dass die Vorjahres-Schirmherrin und CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf den Musikern einen Blumentopf schenkte („Ich bin stolz auf sie und sicher, dass das klappt mit der Rettung. Stimmt’s, Herr Landrat?“). Dass der Gast-Solist des Abends, Hagen Erkrath (Bass) von den Landesbühnen Sachsen, dem Orchester mit einer Blume für Kammervirtuosin Ioana Nicu seine demonstrative Aufwartung machte. Und dass der Förderverein bei der Gestaltung des Balls weitaus mehr finanzielle und symbolische Unterstützung von Firmen, Institutionen und Personen aus der Region erfuhr… Eine Botschaft Napoleons erlebte mit Blick auf die (aus dem umstrittenen Kulturraumgutachten entstandene) Finanzdebatte um den Erhalt der beiden Kulturraumorchester in diesen Gesten eine Renaissance: „Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt. Ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.“

Seine Stellenbeschreibung verbietet es Orchesterball-Schirmherr und Landrat Henry Graichen, Märchen zu erzählen. Weshalb es logisch erschien, dass er der politischen Entscheidung zur Zukunft der Orchesterlandschaft im Kreistag des Landkreises Leipzig nicht vorgriff. Aus seiner Verbundenheit mit den Zielen der beiden LSO-Fördervereine „als hilfreiche Hände an der Basis“ aber keinen Hehl machte. „Die decken sich mit vielen Gedanken, die ich persönlich zu kulturellen Angeboten in unserer Region habe.“ Und Graichen deutete das versöhnliche Ende zumindest an: „Wir sind auf dem Weg, die Kulturraumfinanzierung auf sichere Beine zu stellen.“

Landrat und Schirmherr Henry Graichen versprühte Zuversicht

Landrat und Schirmherr Henry Graichen versprühte Zuversicht.

Quelle: Andreas Döring

Der Ausflug des Leipziger Symphonieorchesters in die märchenhafte Gedankenwelt großer Komponisten unterstrich, wofür sich Fördervereine und Freunde guter klassischer Musik zwischen Böhlen und Borna (und darüber hinaus) einsetzen. Begleitet durch die sympathische Moderation von Kristina Nerád präsentierte das Ensemble Werke von Wagner (Ouvertüre aus „Der fliegende Holländer“), die Arie des Caspar aus Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ gesungen von Hagen Erkrath oder den Indigo-Marsch aus Johann Strauss‘ „Indigo und die 40 Räuber“. Das Medley aus Hans Zimmers und Elton Johns „König der Löwen“ machte dem Orchester mindestens so viel Spaß wie dem Publikum und Karel Svobodas Ohrwurm und Titelmelodie der schönsten Defa-Verfilmung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ lieferte Weihnachtsvorfreude mitten in die Frühlingszeit. Märchenhaft. Die Partituren dafür wurden von Sponsoren des Abends gestiftet. Neben anderen von der Leipziger Volkszeitung.

Noch vor dem Essen wurde getanzt. Hagen Erkrath und Kristina Nerád übergaben zum Dornröschen-Walzer das Tanzparkett stilsicher seiner Bestimmung. Und nur, dass die Musiker nach dem Konzert das Stadtkulturhaus verließen, erinnerte daran, dass deren Auftritt zum 10. Orchesterball eine Verpflichtung aus dem Dienstkalender war. Zwischen den 120 handverlesenen Gästen des Abends blieb wenig Platz für Annäherung zwischen Fan und Star. Wolfgang Rögner nutzte die Gunst des Abends, um bei Aschenbrödels Linsensalat, Räubersoße und Herzoginkartoffeln in Gedankenaustausch mit der Politik zu treten. „Es wurden keine Märchen erzählt. Nur Andeutungen gemacht, dass sich die Musiker nicht länger zu fühlen bräuchten, wie die vom Wolf getriebenen Geißlein“, verriet Fördervereinschef Bernhard Schubert aus der Tischplauderei.

Hoffnung auf 11. Ball bleibt

So viel steht fest. Die zertanzten Schuhe von Barbro und Tom Rossa aus Neukirchen werden wieder gebraucht. Am liebsten beim nächsten Orchesterball. Das Paar ließ wenige Takte aus, um seinem gemeinsamen Hobby zu frönen. „Wir sind zum zweiten Mal hier und wollen gern auch ein drittes Mal kommen“, gab die 50-Jährige ihrer Hoffnung Raum, dass diese Reihe für den gehobenen Anspruch stilvoller Ballatmosphäre mit der zehnten Auflage ihr Ende noch nicht gefunden hat.

LSO-Geschäftsführer Hans-Ullrich Zschoch, Orchestervorstand Lars Proxa und Chefdirigent Wolfgang Rögner freuen sich über neue Partituren, die

LSO-Geschäftsführer Hans-Ullrich Zschoch, Orchestervorstand Lars Proxa und Chefdirigent Wolfgang Rögner freuen sich über neue Partituren, die Sponsoren gestiftet hatten.

Quelle: Andreas Schitke

Auch weil der Förderverein sie als Benefiz-Veranstaltung versteht. Der Erlös aus Eintritts-, Spenden- und Sponsorengeldern kam auch dieses Jahr wieder dem Orchester zugute. Der Förderverein konnte dem Chef des Orchestervorstandes Lars Proxa einen Scheck über 5000 Euro überreichen. Bernhard Schubert: „Ein weiterer Beleg dafür, dass die öffentliche Meinung inzwischen verbreiteter ist, die Kulturlandschaft in der Region vor einem Dornröschenschlaf zu bewahren.“ 31 500 Euro hat der Verein auf diesem Weg in den vergangenen zehn Jahren für das Ensemble gesammelt. Knapp 18 000 Unterschriften haben die beiden Vereine und das Orchester selbst den beiden Landräten im Kreis Leipzig und Nordsachsen übergeben. Viele renommierte Klangkörper wie das Gewandhausorchester, die Staatskapelle Halle, die Berliner Philharmoniker und die Staatskapelle Dresden sowie Persönlichkeiten der Branche – Thomaskantor Gotthold Schwarz, Komponist Günter Neubert, Gewandhauskapellmeister a.D. Herbert Blomstedt, Musikwissenschaftler Professor Johannes Forner, der Geschäftsführer der Mendelssohnstiftung Jürgen Ernst, der Präsident des Komponistenverbandes Professor Enjott Schneider, der Rektor der Leipziger Musikhochschule Professor Martin Kürschner – wiesen mit einer Petition „auf die unverzichtbare Rolle des Leipziger Symphonieorchesters in der Kulturlandschaft und bei der Ausbildung junger Künstler hin“, wie LSO-Geschäftsführer Hans-Ullrich Zschoch berichtete.

Mehr Klassik-Angebote in Borna

Der 10. Orchesterball soll nicht der letzte gewesen sein. Die Organisation des nächsten hat (wenigstens) gedanklich schon begonnen. Allen voran haben Kristina Kügler und Gabriele Schitke bei der zehnten Auflage ein Highlight gesetzt, das eine Fortsetzung verdient. Und manch anderen beflügelte die Atmosphäre im Stadtkulturhaus zu neuen Ideen. „Wir arbeiten an der Idee, einen solchen Ball auf dem Volksplatz zu gestalten. Klassik-Open-Air – klingt doch gut“, meinte Manfred Kügler mit Seitenblick auf das Symphonieorchester und den MDR-Musiksommer. Zukunftsmusik. Aber ohne Vision funktioniert das schönste Märchen nicht. Oder, wie Henry Graichen seinen Bogen von „Es war einmal…“ schloss: „Und wenn sie nicht gestorben sind, wird es noch viele Orchesterbälle in Borna geben.

Von Thomas Lieb

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