Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Ortschronist Dieter Kluge ist der Geschichte von Regis-Breitingen auf der Spur
Region Borna Ortschronist Dieter Kluge ist der Geschichte von Regis-Breitingen auf der Spur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 20.10.2017
Besitzt ein Erbregister der Stadt Regis-Breitingen aus dem Jahr 1624: Ortschronist Dieter Kluge. Quelle: Matthias Klöppel
Regis-Breitingen

In alten Glasvitrinen lagern die historischen Schätze: Zierbriketts, Trachten, Werkzeuge, Tagebücher und vieles mehr – „eben alles, was damals unter Tage üblich war“, sagt Dieter Kluge und geleitet weiter durch die Ausstellung über „100 Jahre Braunkohlebergbau in Regis-Breitingen“, einen der zentralen Orte seines Schaffens. Der rührige Ruheständler führt seit 2000 die Stadtchronik, hält alles fest, was ihm im Pleißestädtchen für die Nachwelt bedeutsam scheint, verfasst Broschüren, organisiert Expositionen.

Das Geschehen in der Region liegt dem 78-Jährigen am Herzen. Und das, obwohl er gebürtig aus Lugau am Fuße des Erzgebirges stammt. Dort ist er aufgewachsen – hauptsächlich bei seinen Großeltern, lernte im Steinkohlenwerk Oelsnitz und wurde dann nach Freiberg delegiert, wo er an der berühmten Bergakademie studierte. Später arbeitete er als Tagebau-Technologe in den Tagebauen Schleenhain, Hasselbach und Groitzscher Dreieck.

Leidenschaft für die Heimathistorie hatte Kluge aber zu jener Zeit noch keine verspürt. Das geschah erst Mitte der 1990er Jahre, als er mit dem damaligen Ortschronisten von Regis-Breitingen, Gerold Becher, in Kontakt kam. Der erzählte ihm von seiner Arbeit und zeigte ihm seine Dokumentationen darüber. „So sprang der Funke der Heimatliebe auch auf mich über“, erinnert sich der agile Senior mit den weißen Haaren. Zwischen beiden Männern entwickelte sich eine innige Freundschaft.

Auf Anregung von Becher hat sich Kluge dem Sammeln der örtlichen Postgeschichte verschrieben. Je mehr er darin abtauchte, umso größer wurde das Interesse. „Manche Dinge möchte ich bis zum Gehtnichtmehr wissen“, beschreibt er seinen inneren Antrieb und ergänzt: „Ich suche die Wahrheit, möchte herausfinden, wie es wirklich gewesen ist.“ Seine Arbeit ähnele dabei jedes Mal einem Puzzlespiel. Aus kleinen Hinweisen, schildert der nimmermüde Schreiberling, entstünden durch Recherche mehr und mehr Informationen, die aneinandergereiht schließlich ein ausführlicheres Gesamtbild ergeben.

Dem Heimatverein gehört Kluge mittlerweile als stellvertretender Vorsitzender an. Für ihn pirscht er sich vornehmlich an die regionale Bergbaugeschichte heran, fasst in Bildern, Dokumentationen und Ausstellungsobjekten akribisch alles Wichtige darüber zusammen. Außerdem beschäftigt sich der Pensionär eifrig mit alten Siegeln und Wappen, betreibt Ahnenforschung für Privat- und Geschäftsleute, untersucht Rittergutsakten, erstellt Ansichts- und Grußkarten sowie einen Heimatkalender, der bei den Bewohnern inzwischen zu einem beliebten Sammelobjekt geworden ist.

Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung „175 Jahre Eisenbahnverbindung Leipzig – Altenburg“. Die soll ab Mitte November auch in Regis-Breitingen bestaunt werden. „Daran arbeite ich mit Hochdruck“, sagt Kluge, der noch viele weitere Aufgaben im Blick hat. Um die bewältigen zu können, suche der Heimatverein dringend neue Mitglieder. Für das Amt des Ortschronisten sei auch noch kein Nachfolger in Sicht. So wird es Kluge wohl auf ungewisse Zeit weiter mit Leben erfüllen. Unglücklich dürfte er darüber bei seiner Heimatliebe nicht sein.

Kontakt zum Heimatverein Regis-Breitingen und Umgebung über Tel.: 034343/51625; oder Email: kontakt@heimatverein-regis.org.

Von Matthias Klöppel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In den Großstädte buhlen die Fitnessketten mit Kampfpreisen um möglichst viele Mitglieder. Auf dem Land setzt man andere Akzente: Die Studios im Landkreis begegnen der Massenabfertigung mit individueller Betreuung und familiärer Atmosphäre.

20.10.2017

Schon in den 80er-Jahren sollte der Bornaer Volksplatz überdacht werden. Damals scheiterte die Umsetzung dieser Idee an den mangelnden Möglichkeiten in der Endphase der DDR. Heute halten die Verantwortlichen aus anderen Gründen nicht mehr allzu viel davon.

20.10.2017

Vom Rückzug Stanislaw Tillichs als CDU-Landeschef und Ministerpräsident zeigen sich Partei- und Kommunalpolitiker im Landkreis Leipzig überwiegend überrascht. So hatte Landrat Henry Graichen (CDU) noch beim jüngsten Krisentreffen in Dresden den Eindruck, dass Rücktritt für den Sachsen-Chef kein Thema sei.

22.10.2017