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Borna Ost’n’Roll: Oldtimertreffen kommt gut an
Region Borna Ost’n’Roll: Oldtimertreffen kommt gut an
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16:34 29.07.2018
Robert Krause, Marcus Matzke und Thomas Mühmel (v. li.) mit einer MZ RT 125/3 von 1960. Quelle: Bert Endruszeit
Borna

Davon konnten Trabifahrer einst nur träumen: Weiße Ledersitze, auf Hochglanz polierte Alufelgen und ein Motor, an dem jede einzelne Schraube funkelt. Genau das präsentierte Dietmar Schuster am Wochenende beim Ost’n’Roll-Oldtimertreffen in Borna. Das Fahrzeug ist eigentlich ein ganz normaler Trabant 600 Kombi aus dem Jahr 1965 – doch damit hören die Gemeinsamkeiten zum Serienfahrzeug schon auf. Denn das Auto wurde in den vergangenen Jahren buchstäblich auf links gedreht, kein noch so kleines Detail blieb unbearbeitet.

„Die Optik ist hier das Entscheidende“, betonte der 37-jährige Besitzer. Aus diesem Grund leistet der Motor noch immer 26 PS – doch wer die Motorhaube öffnet, kommt schnell ins Staunen: Wo sonst nur schnöder schwarzer Lack oder Gusseisen zu sehen sind, glänzt nun alles.

Vieles hat der Leipziger selbst aufpoliert und umgebaut, doch ganz ohne Fachpersonal ging es natürlich nicht. „Die Innenausstattung mit weißem Leder hat ein Sattler übernommen. Der fand meine Umbauidee anfangs toll, doch am Ende war er heilfroh, dass alles fertig war“, so Schuster. Für so ein Umbauprojekt muss man wirklich brennen, schließlich bekommt man für das gleiche Geld schon einen Neuwagen. „Ich habe hier bestimmt 15 000 bis 20 000 Euro hineingesteckt. Irgendwann habe ich nicht mehr nachgerechnet.“

Fahrzeuge aus dem ehemaligen Ostblock haben ihre Besitzer am Wochenende in Borna beim 2. Ost’n’Roll präsentiert.

Bekommt man nicht wenigstens einen Teil dieser Summe durch Preisgelder wieder herein? Dietmar Schuster winkt ab: „Es gibt höchstens mal Pokale. In den höheren Klassen winken auch mal Preisgelder, doch da hat man es als Laie sehr schwer. Ohne die Unterstützung durch große Firmen ist man fast chancenlos.“

„Trabant ist wie ein kleiner Baukasten

Was ihn an den Ostfahrzeugen so reizt? „Ein Trabant ist wie ein kleiner Baukasten. Da lässt sich viel herausholen. Jeder Besitzer hat eigene Ideen, so sieht man überall tolle Fahrzeuge. Und man kommt im Fall des Falles auch mit einer Kerze immer heim.“ Das Tuning von alten Ostfahrzeugen sei leider für viele junge Leute kaum noch interessant, bedauert Schuster. „Die kaufen sich lieber ein Auto und holen sich dann alles Zubehör aus dem Katalog. Die wollen nicht so viel selber machen.“ Die Szene werde deshalb immer älter. Nur Zweiräder seien noch immer attraktiv für den Nachwuchs.

17-Jährige kommt mit Simson Star nach Borna

Wie zum Beweis kam Maria Linke aus Röhrsdorf bei Chemnitz per Simson Star nach Borna. „Das waren genau 65 Kilometer, kein Problem für dieses Moped.“ Die 17-Jährige hat ihren Star seit einem Jahr. Glücklicherweise stand bei Verwandten noch ein Exemplar im Originalzustand, das war nach ein paar kleineren Arbeiten sofort wieder einsatzbereit. „Mein Bruder Jonas hat auch einen Star, der kümmert sich um die meisten Reparaturen. Er ist gewissermaßen mein Hauptschrauber.“ Das etwas abgegriffene Äußere des Mopeds stört sie nicht. „Man darf dem Fahrzeug das Alter durchaus ansehen“, findet sie. Und da passt dann auch die abgewetzte Kunstledertasche auf dem Gepäckträger perfekt zum Gesamtbild.

MZ mit langer Geschichte

Ganz ähnlich sieht das Marcus Matzke. Der 36-jährige Bornaer hatte eine MZ RT 125/3 vom Baujahr 1960 mitgebracht, die deutliche Spuren der Zeit trug. „Unrestauriert sieht die viel schöner aus als all die ganzen Hochglanzmaschinen“, findet er. Viele Jahre lang stand die Maschine in Geithain in einem Hausflur. „Die wurde da wohl vergessen, der neue Hausbesitzer hatte das Haus samt Motorrad gekauft.“ Matzke griff zu und kaufte dabei sogar eine ganz besondere Geschichte.

„Etwas mehr Gewimmel gewünscht“

„Der Vorbesitzer hatte das Motorrad früher auf dem Feld zum Ausrollen von Maschendrahtzaun genutzt, das war sozusagen eine Arbeitsmaschine.“ Die Zweitakter-Technik sei einfach zu reparieren, doch ohnehin ist das für ihn keine große Herausforderung – Matzke ist schließlich gelernter Kfz-Mechaniker. Er hätte sich am Wochenende etwas mehr Gewimmel gewünscht. „Ich hoffe, dass im nächsten Jahr etwas mehr los ist. Denn der Platz hier ist einfach toll.“

Von Bert Endruszeit

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