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Parkinson mit 42 – geborene Röthaerin stellt sich der Herausforderung

Buchvorstellung Parkinson mit 42 – geborene Röthaerin stellt sich der Herausforderung

Auf dem Tisch steht eine mit leuchtendem Orange auf gelbem Grund gemalte Sonne – ein Symbol für Iris Niemietz’ optimistische Einstellung zum Leben. Trotz allem. Denn die geborene Röthaerin erkrankte vor elf Jahren, mit gerade mal 42, an Parkinson. Ihr Schicksal hat sie auf 150 Seiten in dem Buch „Sonne im Herzen“ verarbeitet.

Die Sonne ist Symbol für Iris Niemietz’ optimistische Lebenseinstellung.

Quelle: Ines Alekowa

Bennewitz/Altenbach. Auf dem Tisch steht eine mit leuchtendem Orange auf gelbem Grund gemalte Sonne – ein Symbol für Iris Niemietz’ optimistische Einstellung zum Leben. Trotz allem. Denn die Altenbacherin erkrankte vor elf Jahren, gerade mal 42, an Parkinson. Ihr Schicksal hat sie auf 150 Seiten in dem Buch „Sonne im Herzen“ verarbeitet, das sie vor Kurzem im Jugendhaus Bennewitz vor Verwandten, Freunden, Wegbegleitern, darunter der Chefarzt der Zschadraßer Klinik und ihre Physiotherapeutin, vorstellte.

„Wie konnte das passieren?“ Auf die Frage, die Niemietz ihrem Buch voranstellte, habe sie keine Antwort gefunden, räumt sie ein. Die Ärzte wissen noch nicht genau, was die Krankheit auslöst. „Aber indem ich den Weg bis zur Diagnose beschrieb, habe ich mir vieles von der Seele geschrieben, all die Fragen, Hoffnungen, Ängste, die mich damals quälten.“ – Das ist etwas, was sie in dem Jahr, das von den ersten Symptomen bis zur Diagnose verstreicht, tunlichst vermeidet. „Ich habe alle Sorgen schön geordnet in Schubladen abgelegt“, gibt sie zu. Die quälende Schlaflosigkeit, die vergebliche Suche im Spiegel nach ihren rosigen Wangen, die fehlende Zeit für Familie und Freunde... Noch am Rand der Erschöpfung habe sie gedacht, zwei Wochen Urlaub reichen, um sich wieder voll Tatendrang in die Arbeit zu stürzen. Zu der Zeit leitet Niemietz ein McDonalds-Restaurant und arbeitet von früh bis spät.

Doch irgendwann sendet ihr Körper irritierende Signale, die sie nicht mehr ignorieren kann: Auf dem Weg zur Freundin nach Berlin merkt sie: „Nicht die Feinabstimmung beim Auto stimmt nicht, sondern meine.“ Und beim Joggen? „Mein linker Arm und mein linkes Bein nahmen sich eine Auszeit.“ Langsam lässt sie die Sorgen zu. Doch als sie sich endlich durchringt, zum Arzt zu gehen – „ich wollte wieder richtig fit sein“ –, ist sie von dem Schritt noch immer nicht richtig überzeugt: „Zwei Stunden im Wartezimmer. Was könnte ich in dieser Zeit alles machen?!“ Der Neurologe kann die Ursache der Beschwerden nicht abklären, überweist sie ins Krankenhaus, aus drei Tagen Aufenthalt werden zwei Wochen, ein Test löst den anderen ab. Dann, an einem Samstag, 11 Uhr, konfrontiert sie der Chefarzt mit dem Ergebnis. Die schlechte Nachricht: Sie habe Parkinson. Die gute: Damit werde sie 100 Jahre alt. „Ich habe die Schwere der Diagnose zu dieser Zeit in keiner Weise einschätzen können“, sagt sie. „Parkinson? Das war doch die Krankheit der alten Leute, die, zitternd, die Tasse nicht mehr zum Mund führen können.“ Und auch die gute Nachricht empfindet sie kaum als solche. „100? Die Frage ist, in welcher Lebensqualität.“ Noch einmal versteckt sie den Parkinson drei Jahre lang – „man sah mir ja noch nichts an.“ Dann nimmt sie die Herausforderung an. „Ich kann nicht siegen, aber ich werde kämpfen“, schreibt sie. Und erntet dafür bei der Lesung, mit der sie sich bei Familie und Freunden „für aufmunternde Worte und die Tränen, die ich bei allen lassen durfte,“ bedankt, Applaus.

Die Krankheit hat Iris Niemietz verändert: Sie erzählt, dass sie als Kind mit Begeisterung geturnt, sogar beim Fernsehballett in Berlin vorgetanzt habe. Später gibt sie ihre Erfahrungen als Übungsleiterin weiter. „Wo ist nur meine Sportlichkeit hin?“, fragt sie wehmütig. Zumal sie sich während ihrer Krankheit noch einen Beckengürtelbruch zuzieht und sich anderthalb Jahre überhaupt nicht bewegen kann. Doch die Veränderungen sind nur äußerlich. Ihren Humor, das merkt man an vielen Stellen des Buches, hat Iris Niemietz, die sich selbst als Frohnatur bezeichnet, nicht verloren.

Und auch nicht ihre Tatkraft, wenngleich sie ihren Job nach 15 Jahren nicht mehr ausüben konnte. „Aber ich wollte noch einmal etwas Selbstbestimmtes machen“, sagt sie, die gelernte Pelznäherin und Meisterin Rauchwarenindustrie kehrte zu Nadel und Faden zurück. Aber auch die kleine Änderungsschneiderei musste sie inzwischen aufgeben. „Mir fehlt die Arbeit“, sagt sie. Heute lebt sie von Erwerbsminderungsrente, findet die sozialen Kontakte im Heimatverein, kümmert sich um ihren Garten, verwöhnt ihren Mann. Seinetwegen zog die gebürtige Röthaerin vor acht Jahren ins Muldental. Andreas Niemietz hat sich von der Krankheit nicht abschrecken lassen. „Ich weiß auch nicht, was ich in zwei Jahren mal habe. Und da der Arzt Iris verbrieft hat, dass sie 100 Jahre leben wird...“, schmunzelt er. Iris Niemietz vollendet den Satz: „Jeder kann Sonne im Herzen haben, wenn er trotz Krankheit das Leben nicht verlernt.“

Mit dem Buch hofft sie, noch ein paar Cent nebenbei zu verdienen. „Es wird kein Bestseller, aber vermittelt vielleicht die eine oder andere Lebensweisheit.“ Das Buch ist in einer Auflage von 150 Stück zu 12,80 Euro im Eigenvertrieb erschienen. Den Druck der ersten 100 Bücher hat ihr ein Cousin gesponsert, der von dem Projekt begeistert war. Im Übrigen sitzt Iris Niemietz schon über der Fortsetzung. Beschrieb das erste Buch den Weg zur Diagnose, stellt das zweite die Frage nach dem Leben mit Parkinson.

Kontakt: Iris Niemietz, An der Teeplantage 26, 04828 Altenbach, Tel.: 0176/56 92 86 36, E-Mail: schaefer.iris@yahoo.com

Von Ines Alekowa

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