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Borna Paukenschlag in Pegau: Wiligalla zieht sich aus Stadtrat zurück
Region Borna Paukenschlag in Pegau: Wiligalla zieht sich aus Stadtrat zurück
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18:44 08.12.2016
Horst Wiligalla (li.) beim Gespräch über Wirtschaft und Politik. Quelle: Kathrin Haase
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Pegau

Emotionaler Paukenschlag zum Ende der Pegauer Stadtratssitzung: Horst Wiligalla hat am Mittwochabend seinen Rückzug als Abgeordneter erklärt. Als Gründe gab der 72-Jährige Querelen mit den Mitgliedern seiner Fraktion Wählergemeinschaft Pro Pegau sowie private Angelegenheiten an. Mit seinem Ausscheiden müssen nicht nur für den Platz im Parlament ein Nachrücker bestimmt, sondern auch ein neuer erster Stellvertreter für Bürgermeister Frank Rösel (parteilos) gewählt werden.

Wiligalla ließ sich zunächst nichts anmerken, stimmte mit über Hebesätze, Bebauungsplan und Auftragsvergaben ab. Beim Punkt „Anfragen an die Verwaltung“ kurz vor Schluss der Sitzung stand er auf: „Ich will eine Erklärung abgeben.“ Trotz eines Blattes Papier in der Hand sprach er frei, mit zunehmender Erregung. Er sei immer recht kritisch gewesen und deshalb wohl als Stadtrat gewählt worden. Und er sehe auch noch viele Projekte, die er mit anschieben und umsetzen wollte – etwa die Sanierung des Stadtbades und des zweiten Teils am Schwanenteich. Doch nun sei eine andere Situation eingetreten. Er könne mit den Vorwürfen, speziell in der Fraktion und bei nicht-öffentlichen Sitzungen, nicht mehr umgehen, habe Kraft und Mut verloren; dazu dürfte der Tod seiner Tochter Anfang dieses Jahres beigetragen haben, er kümmert sich jetzt um ihren Pflegedienst in Heidelberg. Der ehemalige Fahrschul-Chef sprach zudem unterschiedliche Ansichten über den Wegzug des Supermarktes Rewe nach Groitzsch an, für den er den Wechsel des Drogeriemarktes Rossmann nach Pegau angestrebt habe. „Das war nicht nur meine Idee, ich habe mehr als 100 Anfragen von Bürgern dazu.“ Auch die Diskussion und Ablehnung eines Partnerschaftsvertrages mit Nachbar Groitzsch spielte eine Rolle, „wo es doch schon eine gute Zusammenarbeit von Vereinen gibt, was auch unter Gewerbetreibenden möglich gewesen wäre“. Schließlich bat er darum, im Verhältnis zum Kohleunternehmen Mibrag die Fronten nicht verhärten zu lassen – trotz der aktuellen Klage gegen die Deponie der Tochterfirma Mueg. „Ich trete aus der Fraktion Pro Pegau aus und lege meine Funktion als stellvertretender Bürgermeister nieder.“ Damit schloss er seine Akten, verabschiedete sich mit einigen weggewischten Tränen und per Handschlag von den meisten – nur nicht von seiner Fraktion – und ging.

Die negative Überraschung war perfekt. Wobei alle im Saal davon ausgingen, dass Wiligalla Stadtrat bleiben will. Am Donnerstag allerdings bestätigte Rösel nach einem Gespräch mit dem 72-Jährigen dessen Aus in der Kommunalpolitik. „Es ist schade, er hat viele Jahre, schon unter meinem Vorgänger sehr engagiert mitgewirkt, sich für die Pegauer eingesetzt“, sagte Rösel. Pro-Pegau-Fraktionschef Kurt Brause zeigte sich konsterniert. „Ich muss das erst mal verdauen.“ Wiligalla habe viel geleistet. „Aber da hat sich offenbar einiges zusammengebraut. Vielleicht hätten wir in einem Vier-Augen-Gespräch eine Lösung gefunden. Sonst haben wir uns immer ausgetauscht, er hat auch gegensätzliche Meinungen nicht übel genommen.“ Womöglich sei es ein Kurzschlussreaktion. „Ich will auf jeden Fall das Gespräch mit ihm suchen.“

Wiligalla, der zu DDR-Zeiten im Chemiewerk Zeitz gearbeitet und nach der Wende bis 2013 eine Fahrschule geleitet hatte, war erstmals 2009 in den Stadtrat eingezogen. „Ich wurde angesprochen, ob ich bei der Wahl für Pro Pegau antrete und dachte mir: Wenn man etwas bewegen kann, sollte man das tun“, hatte er mal über die Anfänge gesagt. Schon damals hatte er die drittmeisten Stimmen aller Kandidaten erhalten. Das dürfte auch ein Grund gewesen sein, warum er gleich Vize-Bürgermeister geworden war. Bei der Kommunalwahl 2014 schließlich hatten ihm 464 Wähler das Vertrauen geschenkt; nur die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU) hatte mehr Kreuze erhalten. Mit seinem Ergebnis half Wiligalla mit, dass Pro Pegau erneut stärkste Kraft geworden war. Doch inzwischen ist das Verhältnis zerrüttet.

Von Olaf Krenz

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