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Pegau will neuen Kämmerer im stillen Kämmerlein auswählen

Stadtratssitzung Pegau will neuen Kämmerer im stillen Kämmerlein auswählen

In der unendlichen Geschichte um den Kämmerer-Posten in Pegau ist am Mittwochabend das nächste Kapitel aufgeschlagen worden. Der Stadtrat musste unter anderem das Arbeitsverhältnis des Kämmerers Guido Voigt beenden. Hintergrund ist, dass dieser Neffe des Bürgermeisters Frank Rösel ist und Rösel das Auswahlverfahren leitete.

Pegau hat seinen gerade eingestellten Kämmerer wieder eingebüßt. Nun wird das Bewerberverfahren neu aufgerollt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Pegau. In der unendlichen Geschichte um den Kämmerer-Posten in Pegau ist am Mittwochabend das nächste Kapitel aufgeschlagen worden. Der Stadtrat musste – eine Auflage der Kommunalaufsicht – den Beschluss vom September, in dem Guido Voigt als Leiter des Amtes für Finanzen vorgeschlagen wird, wieder aufheben. Zudem war das bereits begonnene Arbeitsverhältnis von Voigt zu beenden, die Durchführung des Bewerberverfahrens neu zu beschließen und ein neues Auswahlgremium zu besetzen.

Während die ersten beiden Beschlüsse im nicht öffentlichen Teil gefasst wurden, weil es sich laut Landratsamt um Personalangelegenheiten handelt, wurden die beiden anderen Punkte im öffentlichen Teil der Sitzung beraten. Notwendig wurde all das, weil Voigt der Neffe von Bürgermeister Frank Rösel (53, parteilos) ist und dieser Vorsitzender des bisherigen Auswahlgremiums war (die LVZ berichtete).

Bürgeranfragen zu dem Vorgang gab es an dem Abend keine, die Sitzung wurde während der Thematik nicht von Rösel geleitet, sondern vom stellvertretenden Bürgermeister Horst Willigalla (Pro Pegau). Auf die Frage Reinhard Dörings (SPD), wie viele Räte von dem Verwandtschaftsverhältnis wussten, meldeten sich von allen Räten lediglich drei.

Peter Kretschmer (CDU) machte gleich zu Beginn deutlich, dass er sich „richtiggehend verarscht“ fühle. Dass das Verfahren jetzt neu aufgerollt werden müsse, hätte verhindert werden können, wenn denn alle Stadträte davon schon im September gewusst hätten. Albrecht Landgraf, der als Fraktionsvorsitzender der mittlerweile abgespaltenen CDU die damals noch vollständige CDU/SPD/Siedlerverein-Fraktion laut Kretschmer über diesen Umstand nicht informiert habe, sah das anders. „Der Schaden liegt doch nicht in der Ignoranz unsererseits, sondern formell in der Besetzung des Gremiums.“ Auf die Frage, warum er seinen Räten nicht Bescheid gegeben habe, lehnte er eine Antwort ab.

Vor Beratung der beiden öffentlichen Punkte hatten die Räte Döring, Kretschmer, Carsten Iwan vom Siedlerverein Rodeland/Kitzen und Andreas Heimann (SPD) den Antrag eingereicht, für das neue Verfahren eine externe Personalagentur zu beauftragen oder zumindest dem Gremium ein Mitglied aus jeder Fraktion zur Seite zu stellen, um wieder Transparenz ins Bewerberverfahren zu bringen. Denn das neue Gremium würde nicht nur – wie bisher – aus der Vorsitzenden des Finanzausschusses und der Leiterin des Personalamtes bestehen, sondern nun auch aus dem stellvertretenden Bürgermeister Horst Willigalla. Beratend bringt sich das Landratsamt mit ein. „Und Ihnen kann man auch Befangenheit vorwerfen, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie Sie Herrn Heimann (dieser hatte sich ebenfalls auf die Kämmerer-Stelle beworben – Anm. der Red.) in der Sitzung im Dezember persönlich angegangen sind“, erklärte Döring gegenüber Willigalla.

Kurt Brause (Pro Pegau) fühlte sich „durch das Misstrauen einiger Räte“ richtiggehend beleidigt. Er warf Döring, Kretschmer, Heimann und Iwan vor, „eine Kampagne zu schüren, die unter die Gürtellinie geht“. Und Willigalla wies jeden Vorwurf der Befangenheit zurück und erklärte, eine Personalagentur müsse von der Stadt bezahlt werden. Auf einen erneuten Versuch der vier hin, wenigstens Fraktionsmitglieder am Verfahren zu beteiligen, antwortete Mario Bringer (Pro Pegau), er vertraue der Verwaltung, dass diese „ein ordentliches Verfahren abliefert“. Horst Gutzschebauch (ebenfalls Pro Pegau) verstehe „den Kindergarten“ nicht. Er sagte: „Wir werden als Stadtrat doch in der Lage sein, einen Kämmerer zu wählen.“ Und Landgraf fand die Idee der zusätzlichen Gremiumsmitglieder zwar anfangs „charmant“, dann sei seiner CDU-Fraktion aber aufgegangen, welcher Arbeitsaufwand dahinterstecke.

Das Ende der Diskussion hatte sich bereits während der Debatte angedeutet. Der Antrag der CDU/SPD/Siedlerverein-Fraktion wurde vollständig abgelehnt. Einen triftigen Grund, warum die Fraktionen am Verfahren nicht beteiligt werden sollen, blieben Pro Pegau, CDU und Freie Wählergemeinschaft Kitzen den Antragstellern jedoch schuldig.

Von Julia Tonne

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