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Pegauer Ortsteile gehen unter

Pegauer Ortsteile gehen unter

Borna/Pegau. Ein Hochwasser in nie gekannter Dimension verheert das Tal der Weißen Elster rings um Pegau. Gestern Nachmittag mussten etwa 800 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Die Einsatzkräfte sehen sich nach Einschätzung des Katastrophenstabes außerstande zu verhindern, dass der entfesselte Fluss Deiche überspült. Borna bereitete sich seit dem Morgen auf eine Überflutung der Innenstadt vor.

 

 

"Wir bekommen ein Hochwasser mit einer Dimension, wie wir sie noch nicht hatten - verheerend. Es werden große Flächen unter Wasser stehen", konstatierte gestern Nachmittag Landrat Gerhard Gey (CDU). Da hatte der Katastrophenstab des Landkreises gerade entschieden, mehrere Ortschaften entlang der Weißen Elster zu räumen. Das betraf vorerst Wiederau, Weideroda, Großstorkwitz und tiefer gelegene Teile der Stadt Pegau. Betroffen seien wohl mehrere Hundert Menschen. Sie kämen in Kommunen außerhalb der Überflutungsgebiete unter.

"Die Dämme werden uns nicht helfen. Das Wasser wird sie sämtlich überspülen. Bei allem Einsatz können wir sie nicht mehr verteidigen", sagte Gey. Es gelte, Menschen in Sicherheit zu bringen und Vorkehrungen zu treffen für den Zeitpunkt, an dem das Hochwasser sich zurückziehe und das Ausmaß der Schäden sichtbar werde. "Wir hoffen dann auf Unterstützung aus den anderen Landkreisen und Regionen. Und in jedem Fall brauchen wir Unterstützung von staatlicher Seite, um die Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau beginnen zu können." Das habe er auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gesagt, der sich am Nachmittag in Grimma über die Situation informierte.

Brennpunkt im Bornaer Raum war auch gestern die Weiße Elster. In und um Pegau nahm die Situation dramatische Ausmaße an. Die Wasserstände werden bis Dienstagnachmittag weiter klettern, sagte Axel Bobbe, Chef des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung. Es sei viel mehr als ein Jahrhundert-Hochwasser zu erwarten, wenn man den Pegel in Gera betrachte. Dort war gestern Nachmittag der Höchststand erreicht, das Wasser von Gera braucht einen Tag bis Pegau. "Der Deich bei Weideroda sei überströmt worden und gebe den Geist auf, so Bobbe weiter. Seit gestern, 4 Uhr, wird zudem der Tagebau Zwenkau geflutet. "Das rettet Leipzig nicht", sagte Bobbe angesichts der Wassermassen. "Der See nimmt nur maximal 130 Kubikmeter je Sekunde auf, es kommen aber 600 Kubikmeter je Sekunde die Elster hinunter."

Durch Lautsprecher-Durchsagen wurden die Einwohner der Kreisstadt Borna gestern gegen 3.30 Uhr unsanft geweckt. Der Grund: Eine Evakuierung konnte nicht mehr ausgeschlossen werden. Während das Wasser am Vormittag Straßen im Zentrum überflutete und dem Markt auf 100 Meter nahe kam, versuchten Geschäftsleute und Anwohner die Gebäude mit Sandsäcken und Folien zu sichern. Viele brachten ihre Autos bereits nach dem Aufruf in höher gelegene Straßen. "Der Wyhra-Pegel ist inzwischen wieder leicht steigend", sagte Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) am Nachmittag. Ob evakuiert werden müsse, sei nicht absehbar. Auf jeden Fall sei die Drei-Felder-Halle in Borna-Nord hergerichtet für jene, die ihre Wohnungen verlassen müssten.

Axel Bobbe signalisierte aber gegen 17 Uhr absehbare Entlastung für die Kreisstadt, während die Lage für Großzössen in der Nacht noch kritisch bleiben werde. Schon tagsüber fiel der Pegel in Streitwald deutlich. Für die Städte und Dörfer entlang der Wyhra seien vor allem die Zuläufe problematisch geworden, die im Kohrener Land den Fluss anschwellen ließen. "In der Spitze flossen durch Streitwald 40 Kubikmeter je Sekunde, die Talsperre Schömbach war daran mit maximal zwölf Kubikmeter je Sekunde beteiligt", sagte der Röthaer Talsperrenchef. Zunächst habe man die Abgabe aus Schömbach auf diesen Wert verdoppeln müssen, "weil die Zuläufe aus Thüringen jenseits von Gut und Böse waren". Mittlerweile, so Bobbe gestern am späten Nachmittag, "geben wir vier Kubikmeter je Sekunde ab". Bobbe verdeutlichte, dass die Talsperre Schömbach acht Millionen Kubikmeter Wasser fasst, "vor dem Hochwasser waren nicht mal eine Millionen Kubikmeter drin, weil wir sie entlastet hatten". Schömbach sei immer steuerbar gewesen. "Wäre sie übergelaufen", so Bobbe, hätten Streitwald, Gnandstein und Frohburg evakuiert werden müssen.

Laut Bobbe brachte die Pleiße in der Nacht und gestern früh aus Thüringen unvorstellbare 300 Kubikmeter Wasser je Sekunde nach Sachsen. Die größte Menge nahm der Speicher Borna weg. Doch um das Becken Regis zu entlasten, musste die Abgabemenge in Richtung Böhlen von 30 auf 50 Kubikmeter je Sekunde erhöht werden. Gegen 15 Uhr wurde dann auch das Becken Stöhna geöffnet. "Das ist unsere eiserne Reserve für Leipzig", so Bobbe. "Meine Leute haben das alles gut gesteuert, wir haben noch Reserven im Pleißegebiet." Der Talsperrenchef versicherte, dass die Dämme entlang der Pleiße halten. "Da muss sich niemand Sorgen machen."

Dennoch: Weniger mit Wassermassen als mit Ängsten von Einwohnern und Geschäftsinhabern beschäftigte sich gestern die Feuerwehr in Regis-Breitingen. "Bei uns ist kein Deich gebrochen", stellte Mario Ruß anderslautende Medieninformationen richtig. Seine Mitstreiter beruhigten derweil die Menschen. "Die Lage am Speicherbecken Regis-Serbitz ist stabil", sagte der stellvertretende Stadtwehrleiter. Stündlich wird der Damm von Deichläufern kontrolliert, die tagsüber aus der Stadtverwaltung und nachts von der Feuerwehr gestellt werden." Der Pegel der Pleiße war dort am Sonntag ganz langsam gestiegen. Gestern Vormittag gab es dann zwar einen größeren Sprung auf 2,17 Meter (10 Uhr). "Doch damit lagen wir immer noch knapp unter der Alarmstufe 2 von 2,20 Meter", so Ruß. Am frühen Abend wurden nur noch 1,62 Meter gemeldet. © Seiten 26 und 27

Ekkehard Schulreich, Frank Prenzel, Olaf Krenz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2013

Ekkehard Schulreich

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