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Borna Petra Köpping diskutiert mit Schülern des BSZ in Böhlen die Situation der EU
Region Borna Petra Köpping diskutiert mit Schülern des BSZ in Böhlen die Situation der EU
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00:18 25.05.2017
Dietmar Berndt, Petra Köpping und Jörg Heynoldt (v. li. im Podium) diskutieren mit Schülern des BSZ über die EU. Quelle: Julia Tonne
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Böhlen

Für viele ist die Europäische Union eher ein kompliziertes Gebilde denn eine handlungsfähige Gemeinschaft. Diese Einstellung ist bei den Schülern des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) in Böhlen genauso zu finden wie bei anderen EU-Bürgern. Petra Köpping, sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, verwundert das nicht, wie sie am Montag bei einem Besuch im BSZ erklärte. Während des sogenannten EU-Projekttages beantwortete sie gemeinsam mit Böhlens Bürgermeister Dietmar Berndt (parteilos) und Jörg Heynoldt, Leiter der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur, den Schülern der Klassenstufe zwölf deren Fragen über Mitgliedsstaaten, Veränderungen und Ursachen des zunehmenden Rechtspopulismus.

„Die EU muss wieder attraktiver werden und auf ihre alten Werte zurückgreifen“, machte Köpping deutlich. Mittlerweile werde sie lediglich als eine Ansammlung von Staaten wahrgenommen, die ohnehin jeder für sich agieren würden. Von einer echten Gemeinschaft sei sie spätestens seit der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren weit entfernt. Auch Heynoldt sieht den „Spagat der EU zwischen Zusammenrücken und Abgrenzung“ immer größer werden. Um so wichtiger sei es, schon in Schulen die EU als Wertegemeinschaft in den Fokus zu rücken. Der größte Wert der Mitgliedsstaaten sei die Demokratie. „Und für die müssen wir kämpfen, Demokratie ist kein Pizzaservice, bei dem ich sie bestellen kann“, betonte die Ministerin.

Besonders deutlich wurden die Probleme der Union während der Flüchtlingskrise. „Daran schieden sich die europäischen Geister“, wie es Berndt formulierte. Bei dem Thema habe es keine gemeinsame Linie gegeben. Fragen von Seiten der Schüler gab es aber nicht nur hinsichtlich der derzeitigen Situation innerhalb der EU, sondern auch zu Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Für Köpping steht ein Ende der Beitrittsverhandlungen nicht zur Debatte. „Wer miteinander redet, findet Gemeinsamkeiten, die verbinden. Wer andere ausgrenzt, schafft sich Gegner“, begründete sie ihre Haltung zu dieser Frage.

Für noch mehr Interesse sorgte die Frage, wie die EU dem zunehmenden Rechtspopulismus begegnen könne. Dieser gehöre nach Aussage eines Schülers mittlerweile in zahlreichen EU-Ländern „leider“ zum guten Ton. Köpping, Berndt und Heynoldt waren sich darin einig, dass die beste Strategie die Integration von Flüchtlingen sei, um dem „Rechtsruck“ Contra zu zeigen. „Der Nährboden dafür war bei vielen – und das war in Böhlen deutlich zu spüren – die Angst vor Extremisten, die ins Land kommen könnten“, sagte Böhlens Bürgermeister. Vor zwei Jahren habe die Politik nur wenige Antworten zum Umgang mit Flüchtlingen und deren Zukunft gegeben. „Bis heute aber hat sich dahingehend viel getan.“

Heynoldt sieht eine Schlüsselrolle, um Rechtspopulismus einzudämmen, auch in der politischen Bildung. Unbestritten sei die Notwendigkeit, unterschiedliche Sichtweisen kennen zu lernen und „hinter Argumente gucken“, erst dann sei eine Reflexion möglich. „Rechtspopulismus liefert lediglich einfache Antworten, die in keiner Weise für komplexe Zusammenhänge ausreichen“, ergänzte Köpping. Um so wichtiger sei es, politische Bildung in den Schulen weiter auszubauen.

Von Julia Tonne

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