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Borna Pfarrer setzen auf Plaste
Region Borna Pfarrer setzen auf Plaste
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15:48 17.07.2015
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. Die jüngste Tat liegt nur wenige Stunden zurück: Am Wochenende wurde die Ramsdorfer Kirche heimgesucht. Während die Polizei keinen Trend ausmachen kann, rüsten die Pfarrer der Region um: auf Plaste.

„Ich bin dafür zuständig, dass meine Kirchen funktionieren", sagt Markus Helbig pragmatisch. Als einer von zwei Pfarrern, die das Kirchspiel Geithainer Land betreuen, hat Helbig für sieben Kirchgebäude zu sorgen – und Sorgen zuhauf: „Als ich vorschlug, wir mögen selbst die Kupferrohre zum Schrotthändler schaffen, hat man mich ausgelacht. Inzwischen haben es andere getan – und niemand lacht mehr." Statt auf Buntmetall setzt Helbig auf Plaste und hat die meisten Kirchen schon umgerüstet. Jetzt auch in Rathendorf, wo die Diebe zuletzt Beute machten. „Den Unterschied soll man auch sehen", sagt er. Rücksprache mit den Denkmalbehörden, die eigentlich Wert auf Kupfer legen, hat er nicht genommen. Früher habe man gebaut, damit es möglichst lange halte; heute sei das offenbar anders. „Dass die Gesellschaft solche Werte nicht mehr achtet, ist ärgerlich."

Kirchen in Glasten, Rathendorf, Pegau und Ramsdorf gehören zu jenen, die in den vergangenen Tagen von Kupferdieben beschädigt wurden. Im Januar und Februar wurden im Einzugsbereich des Polizeireviers Borna 23 Diebstähle des Buntmetalls registriert. Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres gab es fünf Anzeigen, anno 2009 waren es vier. Der aktuelle Anstieg fällt ins Auge. „Wenn der Preis für Buntmetall hoch ist, nehmen die Diebstähle zu. Das ist wie bei Diesel", sagt Ilka Peter von der Pressestelle der Polizeidirektion Westsachsen. Die Diebe kämen im Schutz der Dunkelheit mit dem Rucksack; andere rollten mit Kleintransporter und Werkzeugen an. Verstärkt betroffen seien nicht nur Kirchen, sondern auch leerstehende Häuser und Gartenanlagen. Die Ermittlungen führe der Kriminaldienst des Bornaer Reviers. „Wir bitten aber auch um Hinweise aus der Bevölkerung", so Peter.

Einen solchen Tipp konnte Anfang Februar Thomas Krieger geben. Der Lobstädter Pfarrer sah vom Fenster aus, wie sich ein Mann spätabends an der Kirche zu schaffen machte. Er alarmierte die Polizei, und die fasste noch im Dorf einen Mann, der einschlägiges Werkzeug bei sich hatte. Konsequenzen für den Betreffenden sind Krieger nicht bekannt; für seine Kirchen liegen sie auf der Hand: Plaste statt Kupfer. In Großzössen begann er damit schon vor zwei Jahren. Die Summe der bisherigen Schäden beziffert er auf „bestimmt 2000 Euro". Nicht aufgewogen werde das Engagement vieler, das durch einige wenige bedenkenlos zunichte gemacht werden

„Die Leute haben schon einen Blick auf die Kirche", sagt Pfarrerin Anne Straßberger. Den jüngsten Kupfer-Klau in Glasten hätten gleich drei Bürger der Polizei gemeldet. Verhindern konnten sie den Griff nach den Fallrohren nicht. „Ich habe den Eindruck, das nimmt zu", sagt Straßberger, die von Großbothen aus mehrere Kirchen betreut. Ein halbes Dutzend Mal habe sie Diebstähle dieser Art erlebt und in jedem Fall der Polizei angezeigt. Ergebnisse? Plaste. Straßberger: „Es ist eine Schande." Das meint auch Ralf Müller. Der Dachdeckermeister aus Glasten will kurzfristig helfen und zum Materialpreis Plaste-Fallrohre am Bauwerk montieren. „Ich mache das, weil ich mich zugehörig fühle", sagt Müller. Die Zunahme der Diebstähle sei überaus ärgerlich. Vor allem aber: „Der Schaden ist zig mal höher als das, was die Diebe an Schrottgeld erzielen."

Ekkehard Schulreich

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