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Pflegedienste schlagen Alarm

Pflegedienste schlagen Alarm

Die privaten Pflegedienste im Landkreis schlagen Alarm. Fehlende Pflegefachkräfte, die unzureichende Vergütung durch die Kranken- und Pflegekassen und eine überbordende Bürokratie nehmen ihnen die Luft zum Atmen.

Borna. Gestern hatte sich in Borna der Arbeitskreis Private Pflegedienste mit der Bundestagsabgeordneten Katharina Landgraf und dem Landtagsabgeordneten Georg-Ludwig von Breitenbuch zwei CDU-Politiker an den Tisch geholt, um die akuten Sorgen nach Berlin und Dresden zu transportieren.

 

 

Allein im Landkreis Leipzig arbeiten 110 private Pflegedienste, die im Schnitt 20 bis 25 Mitarbeiter zählen. Sie kümmern sich um kranke und alte Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Doch die Liste der Probleme ist lang, wie gestern deutlich wurde.

So fällt es den kleinen Unternehmen immer schwerer, das nötige Pflegepersonal zu finden. Bei der Vergütung erhalten die ambulanten Fachkräfte im Osten nur 67 Prozent ihrer West-Kollegen, weiß Eberhard Weißhuhn vom gleichnamigen Pflegedienst in Borna. Bei uns ausgebildete Leute würden deshalb oft in andere Bundesländer oder Länder ziehen, wo sie für diesen schweren Job viel mehr verdienen. Weißhuhn spricht mittlerweile von einem Pflegefachkraft-Notstand in unseren Breiten. Und der hat noch andere Ursachen als die schlechte Bezahlung. "Der Staat versäumte es ab 1990, durch Umschulungs- und Ausbildungsförderung diesen Bereich zu stärken", sagt Chris Bergmann vom Bornaer Pflegedienst Bergmann Homecare. "Wir leben von den DDR-Ressourcen." Während sich bei der Krankenschwester-Ausbildung die Krankenkassen als Leistungsträger und das Land in die Kosten teilen würden, müssten bei der Altenpflege die Firmen die Ausbildung bislang allein finanzieren. Nicht nur Chris Bergmann hat in letzter Zeit potenzielle Patienten ablehnen müssen, weil ihr die Kapazitäten fehlen. "Das führt dazu, dass Kliniken die Patienten nicht in ambulante Pflege geben können, weil wir an der Grenze sind", sagt sie.

An ihre Grenze werden hiesige Pflegedienste aber auch durch das Vergütungssystem geführt. In anderen Bundesländern zahlen die Kranken- und Pflegekassen jede ärztlich verordnete Handlung - etwa eine Spritze, einen Verbandswechsel und das Blutdruckmessen. In Sachsen ist das anders. "Hier vergüten die Kassen nur die Leistung mit dem höchsten Wert, alles andere machen wir umsonst", schimpft Bergmann. "Das ist defizitär für uns." Auch die Anfahrt zum Patienten wird in Sachsen im Gegensatz zu anderen Bundesländern den Pflegediensten nicht erstattet. Um über die Runden zu kommen, werden Leistungen gebündelt und Touren optimiert. Doch "die Mitarbeiter sind gehetzt wie ein Tier", verdeutlicht Bergmann. "Die Kassen nutzen ihre Monopolstellung und diktieren uns die Preise, unabhängig davon, ob die Kalkulation zu halten ist."

Dass Fachkräfte fehlen, liege auch an einer Blockade der Kassen bei der Anerkennung von Qualifizierungen, erläutert Regina Anders vom Bornaer Pflegedienst Vita Heilwesen. Sie musste das am eigenen Leibe erfahren. Sie ist gelernte Sprechstundenschwester, hat jahrelang in der Unfallchirurgie gearbeitet und sich für die Pflegebranche qualifiziert. Anerkannt wird das aber nicht. Ihrer Ansicht nach dürften nicht nur Krankenschwestern und Altenpfleger zur Behandlungspflege zugelassen werden, sondern zum Beispiel auch Arzthelfer. "Dann könnten wir die als Fachpersonal einstellen."

Auch der Bürokratie halten die Pflegedienste kaum noch stand. "In uns wächst immer mehr die Wut", entfährt es einem beim Stichwort des vom Bund verabschiedeten Qualitätssicherungsgesetzes für die Pflege. 20 Prozent ihrer Arbeitszeit verwende eine Fachkraft für die Dokumentation, sagt Bergmann. "Die Anforderungen der Kassen machen uns kaputt."

"Seit 2002 sind die Kosten um rund 20 Prozent gestiegen, die Vergütungen der Kassen jedoch nur um rund sieben Prozent", macht Eberhard Weißhuhn eine einfache Rechnung auf. So würden auch die Mindestlöhne für Pflegehilfskräfte von den Krankenkassen nicht gegenfinanziert. Für ihn und die anderen Pflegedienste sind Bund und Land am Zuge, damit die ambulanten Dienste kosten- und bedarfsdeckend arbeiten können - damit es keinen Pflegenotstand gibt. Weißhuhn: "Im Moment haben wir den Eindruck, dass tatenlos zugesehen wird, wie wir in den Abgrund rutschen. Es ist bereits fünf nach zwölf."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Prenzel, Frank

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